Sommer in der Stadt - und das im Frühjahr Foto: Andreas Rosar

Sonne satt: Der sonst wettertechnisch eher launische April präsentierte sich in der Stadt als trockener Sommermonat mit etlichen Rekordwerten.

Stuttgart - Im vergangenen Winter fast vergessene Düfte wabern seit Wochen durch die Stadt: Die Menschen verströmen den süßlichen Duft nach Sonnencreme, auf den Märkten explodieren olfaktorisch eigentlich später blühende Gewächse und durch die Parks streichen beißende Qualmwolken von karbonisiertem Schweinehals an einbegranntem Rost vom nagelneuen Grill-Ensemble. Die Männer auf den Straßen zeigen Panamahüte und leider auch Shorts in Militärfarben, Frauen dezent sonnenverbrannte Arme und den Kinder tropft ­Schokoeis aufs frische Shirt. Sommer in der Stadt – und das im eigentlich launischen Monat April. Nur ein kleiner Vergleich: Am 20. April 2017 erfroren in Stuttgart bei ­Minus 2,1 Grad große Teile der Babyäpfel und Weinknospen. Exakt ein Jahr später scharrten Stuttgarter in luftiger Freizeitkleidung bei 26,6 Grad flehentlich an den Kassenhäuschen der Freibäder, die aber optional geschlossen blieben.

Dabei war der April 2018 der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1951. Mit einer Durchschnittstemperatur von 14,6 Grad, lag der Monat an der DWD-Wetterstation Schnarrenberg um satte 5,7 Grad über dem langjährigen Mittelwert von 8,9 Grad. Einen ähnlich warmen April gab es in Stuttgart lediglich noch 2007 (14,2 Grad). Gefühlt war der Monat sogar ein leicht zu warmer Mai, der in Stuttgart im Normalfall eine Durchschnittstemperatur von 13,3 Grad hat. Ob das nun ein untrügliches Zeichen für den Klimawandel ist, darüber kann man sich streiten. „Ein Trend, der darauf hinweist, ist es aber auf jeden Fall“, sagt Andreas Pfaffenzeller, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Stuttgart. „Wir können schon feststellen, dass es vom Jahr 2000 an immer öfter im April deutlich zu warm war.“ Die Hitze in diesem Jahr mit fünf Sommertagen über 25 Grad (langjähriger Durchschnitt: 0 Tage) erklärt Pfaffenzeller mit häufigen Südwestwetterlagen, die tropische Warmluft einschließlich ­Saharastaub anzapften, statt der sonst zu dieser Jahreszeit üblichen kalten Meeresluft aus Nordwest.

Sonne machte Überstunden

Ein Szenario, das natürlich alle Sommerfans freut, zumal die Sonne reichlich Überstunden abriss. 260,9 Stunden bedeuten knapp 170 Prozent des langjährigen Mittels. Die Sonne ließ auch die Natur in den Turbo-Wachstumsmodus schalten. Gebremst wurde der aber durch den viel zu geringen Niederschlag. Nur 25,7 Liter oder knapp 48 Prozent eines normalen Aprils sind nicht gut für die Natur. Seit Tagen schleppen Gärtlesbesitzer unzählige bis an den Rand gefüllte Gießkannen auf ihre ­Beete. Wobei der Monat noch mehr trocken kann: Im April 2007 fielen nur 0,2 Liter Wasser vom Himmel, also nicht einmal ein amtliches Viertele.

Jetzt kommt der Mai und mit ihm zumindest bis Mitte kommender Woche auch wieder Sommerwetter mit badetauglichen Temperaturen und von Samstag an auch zwei geöffneten Freibädern (Möhringen und Killesberg) in der Stadt.

Ob der Mai dann auch weiter warm bleibt, ist aber noch offen. Es sieht aber fast danach aus. Lediglich um den Vatertag herum (10. Mai) droht für ein paar Tage eine markante Abkühlung und Schauerwetter. Wenn dann die Männer aber wieder lange Hosen tragen, wäre es ja auch Recht.

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