Alice Weidel und Tino Chrupalla könnten das Führungsduo der AfD bei der Bundestagswahl sein. Foto: dpa/Sebastian Kahnert

Alice Weidel und Tino Chrupalla wollen die AfD in den Bundestagswahlkampf führen. Um einen innerparteilichen Lagerwahlkampf kommt die Partei jetzt nicht mehr herum, kommentiert unsere Berlin-Korrespondentin Katja Bauer.

Berlin - Die AfD hat sich als einzige im Bundestag vertretene Partei noch nicht dafür entschieden, wer sie als Spitzenkandidat in den Wahlkampf führen soll. Die Hängepartie war ein Zeichen für den unentschiedenen innerparteilichen Richtungskampf: Es ist kein Geheimnis, dass ein Riss durch die Partei führt. Aus Sorge vor zerstörerischen Personaldebatten war deshalb die Kandidatenfrage beim Parteitag im April ausgespart und an die Basis vertagt worden. Die hat Ende Mai das Wort.

 

Seit Dienstagabend aber ist eines klar: Um ihren eigenen Lagerwahlkampf wird die AfD so oder so nicht herumkommen. Die gemeinsame Kandidatur von Fraktionschefin Alice Weidel und Parteichef Tino Chrupalla ist eine Kampfansage an die Anhänger von Parteichef Jörg Meuthen. Weidel und Chrupalla werden bei der Suche nach Mehrheiten von der extrem rechten Strömung des „Flügel“ unterstützt. Sie sind Kandidaten von Gnaden des Rechtsextremisten Björn Höcke. Wie gut dieser in der Lage ist, mit seiner Gefolgschaft Mehrheiten zu organisieren, hat er zuletzt beim Parteitag gezeigt. Gibt die Basis diesem Duo ihre Stimme, ist das Signal für die Wahl klar: Der Höcke-Teil der Partei gewinnt weiter an Macht.

Niederlage für Meuthen-Lager

Eine schmähliche Niederlage ist die Kandidatur für die aufstrebende Abgeordnete und Meuthen-Anhängerin Joana Cotar – ihr Angebot an Chrupalla für eine lagerübergreifende Kandidatur fand dieser offenbar nicht einmal einer persönlichen Absage wert. Die nicht sehr bekannte Cotar geht nun mit einem anderen Partner ins Rennen, dem Ex-Generalleutnant Joachim Wundrak. Gegen das Spitzenduo Weidel/Chrupalla werden sie an der Basis schlechte Chancen haben. Aber auch für Alice Weidel liegt vor der Kandidatur mehr als eine Klippe: In Baden-Württemberg ist über die Landesliste noch nicht entschieden.