Die Luft in Backnang wird besser, ist aber noch nicht gut genug. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Die Stadt Backnang will in der Eugen-Adolff-Straße drei alte Gebäude abreißen, sie will mehr für Radfahrer tun – etwa zusätzliche Abstellboxen kaufen. Und sie will Tempo 40 anordnen.

Backnang - Die ungewöhnlichste Aktion, die in Backnang zur Verbesserung der Luftqualität beitragen soll, ist sicherlich der geplante Abriss von drei alten Häusern in der schluchtartigen Eugen-Adolff-Straße. Die zwei Betriebsgebäude einer früheren Schlosserei und das dazu gehörige Wohnhaus würden spätestens Ende September abgebrochen, sagte der Oberbürgermeister Frank Nopper jetzt im Gemeinderat. Die Stadt verspreche sich eine Verbesserung der „Durchlüftungsmöglichkeit“ der Straße, in der der Stickoxidgehalt der Luft gemessen wird.

2018 waren 49 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen worden, der zulässige Grenzwert liegt bei 40. Im Jahr 2000 indes seien in der Adolff-Straße 109 Mikrogramm registriert worden, 2016 noch 53. Frank Nopper (CDU) sprach bei der Präsentation des Luftreinhalteplans für Backnang von einem „Sonder- und Extremstandort“ dieser Messstelle. Die Luft in Backnang sei viel sauberer als an diesem Ort, an dem „alle negativen Faktoren im Höchstmaß zusammen kommen: Steigungsstrecke, Häuserschlucht, weit und breit keine Durchlüftung.“

Verkehr auf der B 14 „flüssiger machen“

Die Murrstadt wolle ferner den Verkehr auf der B 14 „flüssiger machen“, indem Linksabbiegen am Knotenpunkt Maubacher Höhe wegfalle, sie will beim Bahnhof zusätzlich 40 Fahrradboxen aufstellen, um Autofahrern den Umstieg aufs Bike zu erleichtern. Bis spätestens Ende dieses Jahres werde in der Eugen-Adolff-Straße und in der Annonaystraße ein Radschutzstreifen angelegt. Nopper sprach mit Blick auf dieses Vorhaben von einem „angedachten Nebeneffekt“: Die Messwerte würden verbessert, denn der Autoverkehr rücke von der Messstelle weg.

Und dann soll auf der in Rede stehenden Adolff-Straße auch noch die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 40 Kilometer pro Stunde reduziert werden. Das werde ganz unabhängig vom Luftreinhalteplan zusätzlich zu einer Verbesserung des Verkehrsflusses führen, so Nopper.

Der Kommunal- und Europa-Wahlkampf hat begonnen

Während der Sitzung lieferten sich der Christdemokrat Nopper und der Regierungspräsident Wolfgang Reimer (Grüne) einen mitunter recht amüsanten Schlagabtausch, bei dem es auch um die Frage ging, wer für die Fahrverbote für ältere Diesel in Stuttgart verantwortlich ist – die CDU oder die Grünen oder doch die Gerichte. Es war nicht zu überhören: der Kommunal- und Europa-Wahlkampf hat begonnen.

Die Stadträte, die sich zu Wort meldeten, betonten, der Luftreinhalteplan sei gut. Willy Härtner (Grüne) sagte, die neuesten Diesel-Fahrzeuge seien „super Autos“. Ute Ulfert (CDU) erklärte, Busse und Bahnen müssten pünktlicher kommen, sonst steige kaum jemand vom Auto um. Heinz Franke (SPD) sagte, die Menschen ärgerten sich, denn in Deutschland würden viele Maßnahmen umgesetzt, die nicht wirklich der Luftreinhaltung dienten. Lutz-Dietrich Schweizer von der Christlichen Initiative Backnang meinte, dass alle Backnanger „froh und dankbar" sein könnten, denn „es ändert sich was“, die Luft in der Stadt werde immer sauberer, sei „viel besser als zum Beispiel in Athen“.

Der Luftreinhalteplan liegt bis zum 7. Mai im Rathaus aus, die Bürger können bis zum 21. Mai Stellung nehmen.

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