Ein Weinberg in Hoheneck: Die Lage ist herrlich, doch die Arbeit so anstrengend, dass sie nicht mehr oft gemacht wird. Foto: factum/Weise

Alle wollen die Steillagen im Neckartal retten, aber das ist nicht so einfach wie es scheint. Jetzt hat Ludwigsburg zwar die Zuschüsse für den Mauerbau erhöht, aber richtig glücklich ist darüber niemand.

Ludwigsburg - Es ist als hätten sich alle verabredet: Nachdem die Steillagen bei Ludwigsburg jahrelang ein Schattendasein fristeten, wollen auf einmal alle etwas für deren Erhalt tun. Der Tourismusmanager will die Weinterrassen im Neckartal als Attraktion auf die Liste der Ausflugsziele setzen. Die Stadträte wiederum möchten die Besitzer unterstützen und etwas zur Stabilisierung der teils maroden Mäuerchen tun. Aber Kritikern geht das eine zu weit und das andere nicht weit genug.

Mit ihrer Entscheidung, Steillagen als ein landschaftliches Charakteristikum Württembergs zu fördern, trat die Landesregierung gleich mehrere Debatten los. Denn neben den Weinbauern, die davon profitieren, gibt es nicht wenige Feierabendwinzer, die bei dieser Art der Förderung durch die Ritzen fallen: Bezogen auf Ludwigsburg ist das etwa die Hälfte der Steillagen-Wengerter. Weil ihre Parzellen kleiner als 500 Quadratmeter sind, bekommen sie kein Geld vom Land. Damit auch sie nicht aufgeben, hat die SPD im Gemeinderat beantragt, die städtische Förderung aufzustocken. Bisher zahlt Ludwigsburg für den Erhalt von Trockenmauern 25 Euro pro Quadratmeter.

Winzige Parzellen

Von den 309 Hektar Weinbergsteillagen im Land befinden sich 110 im Kreis Ludwigsburg. Eine Luftbildauswertung hat ergeben, dass es auf Ludwigsburger Markung allein 40 Hektar sind. Aber davon werden nur noch 23 Hektar tatsächlich bewirtschaftet. SPD-Stadtrat Dieter Juranek wünscht sich darum eine Maßnahme, die eine Trendwende bringen und den Schwund in den Steillagen stoppen könnte. Etwa indem die Stadt auch die Besitzer winziger Parzellen unterstützt, die wegen der kleinen Flächen nichts vom Land bekommen.

Bürokratischer Aufwand zu hoch

Doch was sich scheinbar einfach anhört, hat seine Tücken: Zum einen darf die Förderung nicht gegen die EU-Richtlinien für Umwelt- und Agrarsubventionen verstoßen, zum anderen muss eine Doppelförderung von Land und Stadt ausgeschlossen sein. „Wir raten noch aus einem anderen Grund von dieser Art der Förderung ab“, sagte Baubürgermeister Michael Ilk. Die Summen, die am Ende ausgezahlt würden, seien relativ gering. „Das stünde in keinem Verhältnis zu dem bürokratischen Aufwand, der nötig wäre.“

Mauerbau ist nicht genug

Stattdessen schlug die Verwaltung vor, den Mauerbau statt wie bisher mit 25 künftig mit 100 Euro zu fördern. Auch wenn der Ausschuss am Ende einstimmig für diese Lösung votierte, wirklich überzeugt waren die wenigsten. „Wir wollten eigentlich nicht nur den Mauerbau fördern“, sagte Margit Liepins (SPD). „Wir müssen uns überlegen, ob wir den Weinbau dort fördern wollen, oder nur die Mauern“, sagt Andreas Rothacker.

Auch mit einer Flächenförderung wie sie die SPD fordert, sei keinem richtig geholfen, meinte Albert Geiger, der Leiter des Bürgerbüros Bauen: „Dadurch wird niemand dazu bewogen, seine Steillagen zu bewirtschaften.“ Schließlich einigte sich das Gremium auf einen Testlauf. In einem Jahr soll bilanziert werden, was die höhere Förderung gebracht hat.

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