Das Lothar-Späth-Carré gilt in Bietigheim-Bissingen als Hoffnungsträger. In einem leer stehenden Gebäude hausen jedoch Ratten. Das wirft Probleme auf.
Ratten wecken Urängste. Insbesondere, wenn sie in nächster Nähe auftauchen. Die Schädlinge treiben zurzeit im Lothar-Späth-Carré in Bietigheim-Bissingen ihr Unwesen. Sie sollen in einem leer stehenden Gebäude in der Nähe des Bahnhofs hausen. Die mitunter aggressiven Nager gelten gemeinhin als gesundheitsgefährdend. Etwas gegen sie unternehmen müsste der Eigentümer der Liegenschaft, jedoch scheinen vertrackte Verhältnisse einer Lösung im Wege zu stehen.
Die Bietigheimer Wohnbau verweist auf die Firma Layher
Nachbarn schlugen Alarm, nachdem sie Ratten beobachtet hatten. Die Anwohner verdächtigten zunächst die Bietigheimer Wohnbau (BW), eine städtische GmbH, die auf der südlichen Teil im 4,8 Hektar großen Carré derzeit 120 Wohnungen baut und im noch nicht bebauten nördlichen Teil 75 Prozent der Fläche besitzt. Die anonymen Hinweise zielten jedoch in die falsche Richtung. Das Gebäude gehört zu den 25 Prozent des nördlichen Areals, das der Besigheimer Baufirma Layher gehört. Und die sei auch Eigentümer des von Ratten befallenen Gebäudes, stellt die BW-Sprecherin Sabrina Peer klar.
Wie aber kann es dazu kommen, dass ein Gebäude im Norden leer steht, während im südlichen Teil des Carrés schon gebaut wird? Der Grund liegt in Differenzen zwischen der Stadt Bietigheim-Bissingen und der Firma Layher. Das Unternehmen ist bekannt dafür, Bauobjekte größtmöglich auszudehnen – was schon in der Vergangenheit zu Konflikten mit Verwaltungen führte. Überkreuz lag die Firma auch mit dem Baudezernat von Bietigheim-Bissingen „Layher war nicht bereit, das vorliegende städtebauliche Konzept für ihren Grundstücksbereich zu akzeptieren“, erklärt Anette Hochmuth, Pressesprecherin der Stadt Bietigheim-Bissingen. Die Fronten verhärteten sich: Im Süden ging es mit der BW als Tochterunternehmen der Stadt zügig voran. Im Norden konnten noch nicht einmal die Grundstücke in einem Bebauungsplan neu geordnet werden.
Die Nachbarn vermissen auch eine Grüne Mitte
Nachbarn monieren jetzt, dass es immer noch keine „Grüne Mitte“ in dem Areal gebe, wie versprochen. Die Ratten könnten zum Beispiel durch den Abriss des Bestandsgebäudes vertrieben werden. In die Kritik geriet die Bietigheimer Wohnbau, weil sie am nördlichen Ende des gesamten Areals ebenfalls schon bauen konnte und ihren Firmensitz in das Gebiet verlegt. Die Besitzverhältnisse auf dem ehemaligen Valeo-Gelände zwischen dem Bahnhof und dem Stadtteil Buch sind aber offenbar nicht leicht zu durchschauen. Die Stadtsprecherin Anette Hochmuth stellt deshalb klar: „Die Grundstücke der Firma Layher liegen zwischen dem Grundstück der Bietigheimer Wohnbau und den angrenzenden bereits bestehenden Wohngebäuden, die schon seit jeher dort entlang der Bundesstraße 27 stehen.“
Das Problem mit den Ratten gärt indes weiter. Zwar hat die Firma Layher im Mai eine alte Brandruine an der Stuttgarter Straße beseitigt, in der ebenfalls Ratten hausten. Jedoch scheint sich die Plage in das andere Gebäude verlagert zu haben.
Gesundheitsamt könnte das Ordnungsamt einschalten
Eigentlich müsste die Firma Layher nun auch dort die Schädlinge beseitigen. Die Tiere gelten laut Infektionsschutzgesetz als Verbreiter von Krankheiten. Die Gesundheitsämter könnten mit Ordnungsämtern Maßnahmen anordnen, sagt Andreas Fritz, Sprecher des Landratsamts Ludwigsburg. Ein Automatismus ist das aber nicht. „Das Gesundheitsamt hält bei Meldungen immer erst Rücksprache mit dem zuständigen Ordnungsamt.“ Maßnahmen würden erst angeordnet, wenn der Besitzer seinen Verpflichtungen nicht nachkomme.
Die Stadtverwaltung könne Layher nicht zwingen, die Schädlinge, etwa mit Giftködern, zu bekämpfen, teilt die Pressesprecherin Anette Hochmuth mit. „Eine Bekämpfung ist nur dann ordnungsrechtlich zu verlangen, wenn von den Tieren nachweisbar Gesundheitsgefahren für die Anwohner ausgehen.“ Das bloße Vorhandensein der Ratten sei nicht ausreichend, so Hochmuth. „Sie sind im Stadtgebiet überall vorhanden, wenn auch meist wenig sichtbar.“ Ein Abriss sei bislang daran gescheitert, dass Layher nicht bereit zur Räumung sei, solange es keine Einigung über die Neubebauung gebe.
Layher wartet seit März auf eine Einladung zu einem runden Tisch
Die Firma Layer äußerte sich zu den Ratten nicht, sie zeigte sich aber an einer Lösung im Carré interessiert: „Wir sind seit mehreren Jahren mit der Stadt im Gespräch über das Areal. Es wurden verschiedene Varianten mit der Verwaltung diskutiert. Der von uns vorgeschlagene runde Tisch, gemeinsam mit den Fraktionsvorsitzenden, hat leider bisher noch nicht stattgefunden. Wir warten seit März 2023 auf einen Terminvorschlag.“
Wie läuft die Vermarktung in dem Carré?
Immobilien
Die Bilanz der Bietigheimer Wohnbau fällt positiv aus: „Von den insgesamt 120 Wohnungen haben wir strategisch und geschäftspolitisch von Anfang an 46 Mietwohnungen geplant, die jetzt in die Vermietung kommen“, sagt BW-Sprecherin Sabrina Peer. Auch habe man 54 von 74 Eigentumswohnungen verkauft und sei zuversichtlich, bis zur Fertigstellung im Frühjahr 2024 weitere Verkäufe abwickeln zu können. Am Ende würden wohl 65 Mietwohnungen entstehen. Insgesamt sollen im Südareal, in dem auch die Ludwigsburger Strenger-Gruppe baut, 190 Wohnungen entstehen.
Wohnungen
Das Angebot umfasst laut BW Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen für einen breiten Querschnitt der Bevölkerung. Die Zusammenarbeit mit den Bauträgern werde fair gestaltet, sodass die Arbeiten bisher im Plan liegen.