Um die Sitzungen zu filmen, müsste eine Webcam angeschafft werden. Foto: dpa

In der Regel sind nie mehr als eine Handvoll Zuschauer bei den Sitzungen der Bezirksbeiräte. Dennoch wünschen sich die Lokalpolitiker, dass die Diskussionen aus Stuttgart-Birkach/Plieningen künftig live gestreamt werden. Die Bezirksvorsteherin sieht darin Potenzial für eine Satiresendung.

Birkach/Plieningen - Es war eine lange Sitzung der Bezirksbeiräte von Plieningen und Birkach am Montagabend. Von 18 bis kurz vor 22 Uhr mussten die Lokalpolitiker Durchhaltevermögen beweisen. Und weil sich nur die wenigsten Menschen vier Stunden am Stück konzentrieren können, wurde zwischendrin immer wieder auch mal geratscht, gelacht und nicht immer aufmerksam zugehört, was die anderen da gerade von sich gaben – was zu teils skurrilen Situationen führte. Die Bezirksvorsteherin Andrea Lindel brachte all dies irgendwann dazu, in Richtung der Lokalpolitiker zu sagen: „Wenn diese Sitzung aufgezeichnet worden wäre, wäre Ihnen ein Platz in der Heute-Show sicher.“

Alle müssten einwilligen

Vorerst werden die Bezirksbeiräte von Plieningen und Birkach aber wohl nicht in der Satiresendung des ZDF landen. Die FDP-Fraktion hat zwar einen Antrag gestellt, dass die Sitzungen künftig gefilmt und in Echtzeit auf dem Internetportal der Stadt Stuttgart gezeigt werden sollen. Doch zuvor muss noch einiges geklärt werden.

Zum einen ist da der Datenschutz. Zuschauer dürften zum Beispiel nicht auf dem Video zu sehen sein, außerdem müssten alle Bezirksbeiräte schriftlich einwilligen, dass sie gefilmt werden dürfen. Andernfalls müsste man sie unkenntlich machen – was aufwendig ist. Wobei Jan Neidhardt (Grüne) anmerkte, dass beim sogenannten Livestreaming weniger strikte Regeln gelten als beim klassischen Videodreh, wenn der Film auch im Nachhinein noch im Internet verfügbar ist. Zusätzlich müsste eine Webcam und ein Stativ für die Bezirksbeiratssitzungen angeschafft werden. Laut Thilo Reith von der FDP dürften sich die Kosten für Webcam und Stativ jedoch nur auf insgesamt rund 200 Euro belaufen.

Wer würde sich das anschauen?

Bleibt noch die Frage: Wer würde sich einen solchen Livestream im Netz tatsächlich anschauen? Schließlich sind auch in den Sitzungen des Bezirksbeirats in der Regel nicht mehr als 20 Zuhörer da. Die FDP ist jedoch überzeugt, dass einige von dem Angebot profitieren könnten; etwa Menschen, die abends Kinder oder Angehörige betreuen müssen, Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder Erkrankungen sowie Menschen auf Reisen.

Schlussendlich haben die Lokalpolitiker der übrigen Fraktionen dem FDP-Antrag zugestimmt; die Stadt soll nun prüfen, ob und unter welchen Voraussetzungen ein Livestream rechtlich möglich wäre und ob es Erfahrungswerte gibt, wie intensiv ein solches Angebot genutzt werde. Ob die Bezirksbeiräte von Plieningen und Birkach also tatsächlich irgendwann in der Heute-Show landen, bleibt abzuwarten.

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