Unter Federführung Baden-Württembergs beginnt der Rückgabeprozess um koloniales Raubgut aus Kamerun am kommenden Montag mit einem internationalen Treffen im Linden-Museum. Warum die Situation deutlich komplexer ist als etwa mit Benin, erklärt Wissenschaftsministerin Petra Olschowski vorab unserer Zeitung.
Großer Bahnhof in Stuttgart: Am kommenden Montag begrüßt Kunst- und Wissenschaftsministerin Petra Olschowski im Linden-Museum eine zehnköpfige Delegation aus Kamerun sowie Vertreter von zehn anderen deutschen ethnologischen Museen für den offiziellen Auftakt des Rückgabeprozesses von kolonialem Raubgut an den zentralafrikanischen Staat.
„Ziel ist, ein gemeinschaftliches Vorgehen zu entwickeln und zu klären, an wen und wann Rückgaben stattfinden können und wer alles einzubeziehen ist“, sagte Olschowski unserer Zeitung am Freitag vorab. Die Situation sei deutlich komplexer als bei der im vergangenen Jahr erfolgten Rückgabe von Raubgut an das afrikanische Benin. In Kamerun gebe es gleich mehrere beteiligte Communitys. Die Ministerin sprach von einem „umfassenden Austauschprozess“, bei dem es vor allem auch darum gehe, Vertrauen aufzubauen.
Im Linden-Museum lagern 8000 von bundesweit 40 000 Kamerun-Objekten
Die Direktorin des Linden-Museums, Inés de Castro, hatte im vergangenen Juni im Interview mit unserer Zeitung angekündigt, Kamerun werde „das nächste große Rückgabe-Thema“ werden. In dem staatlichen Museum für Völkerkunde lagern rund 8000 von bundesweit 40 000 Kamerun-Objekten aus kolonialem Kontext – von Zeremonialgegenständen über Schmuck bis zu Waffen. Das Linden-Museum werde daher im Kreis der deutschen Museen „eine besonders aktive Rolle in dem Rückgabeprozess übernehmen“, sagte Olschowski. Die Federführung in der länderübergreifenden Arbeitsgruppe zur Restitution liegt bei Baden-Württemberg. Die Ministerin betonte dabei die „enge Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt und den anderen Ländern“.
Ein erster praktischer Schritt zur Restitution ist bereits getan. Nach einem Beschluss des Verwaltungsrates des Linden-Museums vom November sollen 28 Objekte an die Gemeinschaft der Nso in Kamerun zurückgegeben werden. Auch hier müssten noch die genauen Rückgabemodalitäten geklärt werden, sagte Olschowski: „Wir bleiben an dem Thema jetzt auf jeden Fall dran.“
Vier Vertreter von Königshäusern kommen nach Stuttgart
In Kamerun wird dem Thema Restitution nach Einschätzung der Ministerin hohe Wichtigkeit beigemessen. Anreisen werden sechs Vertreter eines interministeriellen Komitees für die Rückgabe illegal ausgeführter Kulturgüter sowie vier Vertreter kamerunischer Königshäuser, sogenannte chefs traditionels. Von deutscher Seite nehmen an dem Treffen im Linden-Museum Vertreter der Museen aus Berlin, Bremen, Braunschweig, Frankfurt, Hannover, Hamburg, Köln, Leipzig, Mannheim, München und Stuttgart teil. Auch das Auswärtige Amt ist vertreten. Mit dabei ist zudem die französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy, die schon bei den Benin-Bronzen eine wichtige Rolle spielte. Sie hat eine aktuelle Studie zu kamerunischen Objekten in deutschen Museen vorgelegt, die als Beratungsgrundlage dient.