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Zu Ostern gehört für viele ein schöner Strauß aus Zweigen, am besten aus Palmkätzchen. Doch wer sich in der freien Natur bedient, schadet den Bienen, warnen Naturschützer.

München - Wer beim Frühlingsspaziergang Wildblumen oder Palmkätzchen pflückt, nimmt Wildbienen und Schmetterlingen wichtiges Futter weg: Die Insekten seien nach dem Winter geschwächt und dringend auf diese Nahrungsquellen angewiesen, sagte die Artenschutzreferentin beim Bund Naturschutz in Bayern, Christine Margraf, der Deutschen Presse-Agentur in München.

Das Futterangebot sei momentan noch mager, da erst wenige Pflanzen blühten wie Schlüsselblümchen, Krokusse und Haselnuss. In der vorösterlichen Fastenzeit sind vor allem Salweiden mit ihren flauschigen Kätzchen beliebt. Aus ihnen werden traditionelle Palmbuschen für Palmsonntag gebunden, aber auch Ostersträuße.

Schwierig wird es im Spätsommer

Die Insekten bräuchten im Frühling vitaminreiche, frische Pollen, erläuterte die Münchner Professorin Susanne Renner. Als Beispiel nennt die Inhaberin des Lehrstuhls für Systematische Biologie und Mykologie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) die Hummeln: „Nektar und Pollen sind unabdinglich, damit die Hummelköniginnen, wenn sie aus ihren Erdlöchern kommen, mit der Brut beginnen können.“

Im Frühling ist die Lage der Bienen aber noch vergleichsweise gut. Schwierig wird es im Spätsommer: Spätfliegende Bienen auf dem Land seien besonders gefährdet, ergab eine Studie der LMU, an der Renner beteiligt war. „Landwirtschaftlich intensiv genutzte Flächen sind im Spätsommer von Blüten ausgeräumt, während es im Frühling wenigstens noch Massenpflanzen wie Raps und blühende Obstplantagen gibt“, sagte die Wissenschaftlerin, die den Botanischen Garten in München leitet.

Wildbienen-Arten sind gefährdet

Spätfliegern wie der Zahntrost-Sägehornbiene (Melitta tricincta) geht es der Studie zufolge auf dem Land gar nicht gut. Das Bienenvorkommen in den Städten sei dagegen vergleichsweise stabil. Auch Bienen, die im Frühling ausfliegen, wie die gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta), gelten als nicht gefährdet.

Mehr als die Hälfte der 500 heimischen Wildbienen-Arten sind nach Auskunft der LMU gefährdet oder an einigen Orten sogar schon ausgestorben. Dabei gelten sie als unverzichtbar, weil sie Blüten bestäuben, zum Teil effektiver als Honigbienen.

Beim Spaziergang aufs Blumenpflücken verzichten sollte man nach Ansicht von Margraf noch aus einem anderen Grund: Viele Wildpflanzen wie etwa Schlüsselblümchen verblühten in der Vase ganz schnell: „Um einen Tag Freude zu haben, hat man den Tieren Nahrung weggenommen“, meint die Artenschutzreferentin. „Man sollte sich lieber draußen in der Natur an ihrer Schönheit erfreuen.“

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