Im Zuge der Aktion wurden neue und alte Gebäude in rotes Licht getaucht – hier der Schwabenlandtower. . Foto: Gottfried Stoppel

In der „Night of Light“ werden markante Gebäude mit Lichtinstallationen gesetzt. Darunter ist auch der Schwabenlandtower in Fellbach. Was hinter der aufsehenerregenden Aktion steckt:

Fellbach/Kernen - Bundesweit sind in der Nacht zum Dienstag Gebäude rot angestrahlt worden. In Fellbach etwa der Schwabenlandtower und die Schwabenlandhalle, in Kernen die Yburg und das Bürgerhaus. Was wie ein Lichterfest an einem lauen Sommerabend anmutete, hat einen ernsten Hintergrund: Die Veranstaltungsbranche wies damit auf ihre prekäre Lage in der Corona-Krise hin.

Ob ein knallroter Lippenstift oder eine rote Ampel: Diese Farbe ist ein Signal und symbolisiert eine gewisse Dramatik. Dramatisch ist die Situation auch für die Beschäftigten in der Veranstaltungswirtschaft, die Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben die Branche hart getroffen – sie setzte deshalb leuchtende Zeichen. Der Probelauf zur Beleuchtung des Schwabenlandtowers in der Nacht der Sommersonnwende war bereits vielen Menschen aufgefallen, am Montagabend nun war die Lichtinszenierung noch spektakulärer: Wechselnde Rottöne tauchten das Hochhaus in stimmungsvolles Licht, immer wieder zuckten Blitze darüber. Auf jedem zweiten Stockwerk waren acht LED-Scheinwerfer installiert, mit sogenannten Mooving-lights und per Laser wurden Texte und Bilder projiziert.

Ein verzweifelter Hilferuf der Veranstaltungsbranche

„Wir wurden dabei von vielen unserer Partnerfirmen unterstützt“, sagt Max Seeger von der Fellbacher Amazing-Veranstaltungstechnik. Seine Branche, in der mehr als eine Million Beschäftigte arbeiten, ist eine der größten in der deutschen Wirtschaft. Und sie war eine der ersten, die im März als Reaktion auf steigende Infektionszahlen mit dem Coronavirus ausgebremst wurde. Ein Ende des Verbots von Großveranstaltungen ist noch immer nicht in Sicht. „Ich rede gar nicht von Mega-Events, auch kleinere Firmenveranstaltungen gibt es momentan so gut wie nicht mehr“, sagt Robert Eising von RJE Sounds Veranstaltungstechnik in Kernen. Er ließ in der Nacht auf Dienstag das Bürgerhaus Rommelshausen erröten und leuchtende Lichtpunkte über dessen Fassade tanzen.

Ralph Mürdter von Veranstaltungstechnik BW hat die Beleuchtung der Yburg inszeniert. In warmes Rot gehüllt war das Stettener Wahrzeichen weithin sichtbar. „Nochmals 100 Tage Leerlauf, das übersteht unsere Branche nicht“, sagt Mürdter. Ob Messe- oder Bühnenbau, Veranstaltungstechnik, Eventagenturen oder Caterer: Alle beklagen nahezu einen totalen Verdienstausfall. Die „Night of Light“ war wunderbar anzusehen und zugleich ein verzweifelter Hilferuf. „Ich habe immerhin staatliche Unterstützung bekommen, weil ich für Lagerräume Miete zahlen muss und weitere Kosten habe, aber viele Veranstaltungstechniker sind Freiberufler, haben ein Büro in der Wohnung und kaum Anspruch auf Hilfsgelder“, sagt Max Seeger.

Die öffentliche Aufmerksamkeit war der Branche wohl nicht nur in dieser Nacht sicher: Die in Szene gesetzten Gebäude wurden von Nachtschwärmern bestaunt und fotografisch festgehalten.

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