Von der Jakobstraße Foto: Heinz Heiss

Der Bezirksbeirat Mitte stellt 150 000 Euro zur Verfügung, um das Leonhardsviertel familienfreundlicher zu machen – etwa für einen B0lzplatz.

S-Mitte - Gerade was ihren ältesten Stadtteil angeht, hat die Stadt Stuttgart lange Zeit versagt, dies bestreitet auch Veronika Kienzle, die Bezirksvorsteherin des Bezirks Mitte, nicht. Um so wichtiger ist ihr nun, dass das Leonhardsviertel einen Charakterwandel erfährt. Erste Ansätze dazu gibt es bereits. Mit den zusätzlichen Mitteln für die Stadtentwicklung in Höhe von 150 000 Euro will der Bezirksbeirat Mitte nun ein weiteres, deutliches Zeichen setzen: für mehr Spielflächen und gegen Armutsprostitution.

Mit dem Geld sollen schnellstmöglich die Vorschläge umgesetzt werden, die die Jugendräte von Mitte gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen aus dem Leonhardsviertel erarbeitet haben. Auf dem Gelände hinter dem Züblin-Parkhaus an der Ecke Lazarett-/Katharinenstraße sollen ein Bolzplatz, eine kleine Bühne und einen Container entstehen, der als Fahrradwerkstatt genutzt werden könnte. Da das Gebiet vermutlich nur übergangsweise bis zum Jahr 2023 zur Verfügung steht, ist es Kienzle wichtig, dass die Pläne der Jugendlichen noch dieses Jahr vom zuständigen Garten-, Friedhofs- und Forstamt umgesetzt werden. 2023 läuft der Pachtvertrag des Züblin-Parkhauses aus, dann kann das komplette Areal vollkommen neu genutzt werden.

Künftig geht es zu Fuß ins Bordell

Handlungsbedarf gibt es aber nicht nur wegen fehlender Spielflächen. Die Leonhardstraße selbst war auch beim jüngsten Runden Tisch im Quartier Anlass für Diskussionen. Sowohl der Straßenstrich tagsüber als auch die nächtlichen Raser und Gaffer sorgen bei vielen Anwohnern für Unmut. Deshalb ist bereits angekündigt, dass im Bezirks- und im Gemeinderat demnächst über die Sperrung der Strecke vom Wilhelmsplatz bis zur Jakobstraße abgestimmt wird. Ähnlich wie in der Pfarrstraße soll die Strecke für motorisierte Fahrzeuge gesperrt werden. Damit wären die Freier gezwungen, zu Fuß ins Bordell zu gehen. Sie könnten nicht mehr mit dem Auto die Straße abfahren, um sich möglichst anonym eine Prostituierte auszusuchen. Kienzle verbindet deshalb mit der Sperrung auch die Hoffnung, dass der Straßenstrich dort an Zulauf verliert.

Zwei weitere Möglichkeiten zur Aufwertung des Leonhardsviertels stellte Vera Völker vom Stadtplanungsamt dem Bezirksbeirat vor, als es um die Verteilung der zusätzlichen Mittel der Stadtentwicklungspauschale (Step) ging. Eine Möglichkeit ist bisher noch nie diskutiert worden: die Sperrung der Leonhardstraße zwischen Pfarr- und Lazarettstraße. Das hat freilich auch seinen Grund, denn noch ist dies die Zufahrt zum Züblin-Parkhaus. Deshalb fand dieser Vorschlag auch keine Befürworter. Das angedachte Lichtkonzept für die Leonhardskirche samt dem gegenüberliegenden Gustav-Siegle-Haus dagegen wurde umso mehr begrüßt, zumal letzteres in diesem Jahr noch sein 100-jähriges Bestehen feiert. Doch angesichts der Warnung mehrerer Familien, womöglich umzuziehen, weil sich das Leonhardsviertel nicht positiv entwickle, entschieden sich die Bezirksbeiräte dafür, in Spielflächen statt in Beleuchtung zu investieren.

Dennoch soll das Leonhardsviertel optisch und städtebaulich aufgewertet werden. Die Stadt und das Denkmalamt sollen dafür sorgen, dass die denkmalgeschützten Häuser, welche die Stadt Stuttgart einst selbst verkauft hat, wieder ihre ursprünglichen Jugendstil- oder auch Barockfassaden zurückerhalten. Mit dem Rückkauf des Hauses in der Hauptstätter Straße 49 ist dies bereits gelungen.

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