Die Reihen im Pavillon waren am Donnerstag proppenvoll besetzt. Trotz strittiger Punkte verlief die Diskussion sachlich und fair. Foto: Ursula Vollmer

Droht Leinfelden-Echterdingen eine Parallelgesellschaft? Manche Bürger befürchten dies. Der geplante Bau einer Moschee war das bestimmende Thema bei „LE im Dialog“. Trotz aller Kritik verlief die Debatte fair und sachlich.

Leinfelden-Echterdingen - Das Bauvorhaben einer Moschee, der Lärmschutz entlang der S-Bahntrasse im Zusammenhang mit S 21, die aktuelle Situation der Flüchtlingsunterbringung: Jedes Thema hätte allein schon das Potenzial für eine abendfüllende Diskussion geboten. Im Rahmen ihrer Informationsreihe „LE im Dialog“, die am Donnerstag in Oberaichen Station machte, hatte die Stadtverwaltung diesen Dreierpack auf die Tagesordnung gesetzt – und die Anwohner bewiesen Durchhaltevermögen. Wobei vor allem die Moschee als dominierendes Thema für proppenvolle Reihen im Pavillon sorgte. Wie mehrfach berichtet, will der Verein für Kultur, Bildung und Integration (VKBI) an der Wilhelm-Haas-Straße ein neues Gebetshaus mit Schülerwohnheim, Barbiershop, Café-Imbiss und kleinem Supermarkt erstellen. Dass nach dem Aushub die Bauarbeiten zuletzt stagnierten, hat in der Verwaltung für Irritation gesorgt. Oberbürgermeister Roland Klenk erläuterte in Oberaichen die Grundlagen, die laut erbbaurechtlichem Vertrag zwischen Stadt und VKBI vorsehen, dass der erste Bauabschnitt – das Gebetshaus – bis Oktober 2018 abgeschlossen sein muss, andernfalls drohe der „Heimfall“: „Wenn die Verpflichtungen nicht eingehalten werden, fällt das Grundstück an die Stadt zurück“, machte Klenk deutlich. „Wir wollen keine Baubrache.“

Die Stadt pocht auf einen Finanzierungsnachweis

Hintergrund der Verzögerung sei eine notwendig gewordene Hebeanlage für den Abwasserbereich, erläuterte der Architekt Murat Korkmazyürek. Der Baugrund habe sich als überraschend schlecht erwiesen; zudem sei ein beteiligtes Büro in die Insolvenz gegangen. Dessen ungeachtet werde das Gebetshaus bis Herbst nächsten Jahres fertig sein, versprach der Bauleiter. Zeitgleich sollen zumindest die Außenmauern des Wohnheims für 25 Schüler stehen. Klenk pochte auf den Finanzierungsnachweis auch dieses zweiten Bauabschnitts, ein „Abtauchen“ dürfe es nicht geben.

Für den VKBI sicherte Kazim Per die Vertragstreue zu: „Wir sind finanziell und parteipolitisch völlig unabhängig und wollen einfach einen schöneren Gebetsraum.“ Seit Jahren unterhält der Verein in Echterdingen ein bescheidenes Domizil bekanntermaßen ohne Probleme. Die Welt sei zwischenzeitlich jedoch in eine „Unwucht“ geraten, wie der Rathauschef sagte, der Kommunikation komme deshalb eine umso größere Bedeutung zu. Als Zeichen der Glaubwürdigkeit würden die Menschen vor Ort beispielsweise eine Resolution mit klarer Positionierung begrüßen, regte Klenk an.

Der Oberbürgermeister dankte den Diskussionsteilnehmern

„Das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen“, meinte hingegen ein Bürger, der das Entstehen einer Parallelgesellschaft fürchtete, während sich eine Zuhörerin gegen voreilige Unterstellungen aussprach: Immerhin habe der VKBI statt eines Minaretts drei Stelen geplant – als Symbol für die drei monotheistischen Religionen. Insgesamt verlief die Diskussion in sachlich-fairem Rahmen, was den OB zum Dank besonders an die Bürgergemeinschaft Oberaichen bewog: „Die Menschen haben sich hier sehr offen gezeigt.“

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