Auf der Baustelle des VKBI in Oberaichen ruhen die Arbeiten seit Wochen. Foto: Natalie Kanter

Das Moschee-Projekt in Oberaichen will einfach nicht zur Ruhe kommen. Die Stadt Leinfelden-Echterdingen hat den Weiterbau erst einmal gestoppt. Grund sind zusätzliche Bauvorhaben, die nicht genehmigt waren.

Oberaichen - Wer regelmäßig im Oberaichener Gewerbegebiet unterwegs ist, wundert sich vielleicht. Denn auf dem Gelände zwischen der Wilhelm-Haas-Straße und der Raiffeisenstraße herrscht derzeit Stillstand. Der örtliche islamische Verein für Kultur, Bildung und Integration (VKBI) will dort ein Gebetshaus mit Schülerwohnheim, Barbiershop, Café-Imbiss und kleinem Supermarkt errichten und hat zumindest für den Bau der Moschee nur begrenzt Zeit.

Die Baugrube ist zwar mittlerweile ausgehoben, Plastikplanen und eine Bretterwand sichern ein Abrutschen der Erde. Rohre und Platten liegen bereit. Auch ein Bagger und ein Kran stehen auf dem Gelände. Tatsächlich gearbeitet wird auf der Baustelle aber seit Wochen nicht.

Dabei steht der muslimische Verein unter einem gewissen Druck. Laut dem Erbpachtvertrag zwischen dem Verein und der Stadt muss zumindest der erste Bauabschnitt und damit die Moschee mitsamt ihren Außenanlagen bis Ende Oktober 2018 fertiggestellt sein, sonst will die Kommune von dem sogenannten Heimfallrecht Gebrauch machen. Will heißen der VKBI müsste dann den Grund und Boden wieder zurück an die Große Kreisstadt geben und die Gebäude, die er bis dahin gebaut hat, wieder abreißen. Oberbürgermeister Roland Klenk will an dieser Vereinbarung festhalten.

Die Baustelle ruht

Dennoch ruht die Baustelle. „Das Baurechtsamt hat den Bau gestoppt“, sagt Klenk unserer Zeitung . Die Gründe für diese Entscheidung: Zunächst gab es Probleme mit der Sicherheit. „Die Böschung der Baugrube, die der Verein ausheben hat lassen, war zu steil“, erklärt Baubürgermeisterin Eva Noller. Es drohte ein Abrutschen des Geländes. Es gab auch wasserrechtliche Probleme. Zudem hat die Verwaltung von Bauvorhaben erfahren, die nicht genehmigt waren. „Beispielsweise war der für einen Aufzug nötige Unterbau in den Plänen nicht verzeichnet“, sagt Noller. Der Verein wollte einen zusätzlichen Speisesaal bauen, der bisher nicht freigegeben war.

Kazim Per, der den VKBI in Sachen Moscheebau berät, sagt unserer Zeitung: „Die Absicherung der Baugrube war nicht optimal.“ Und: „Die Planer haben vergessen, dass sämtliche Veränderungen aufgrund des Erbpachtvertrags mit der Stadt abgeklärt werden müssen.“

Der Verein habe zudem beschlossen, nicht – wie zunächst geplant – in zwei Bauabschnitten zu bauen, denn das würde auch einen höheren Kostenaufwand bedeuten, sondern alles auf einmal umzusetzen. Dabei habe man zunächst daran gedacht, bestimmte Flächen umzuwidmen. Man wollte einen weiteren Speisesaal im Wohnheimtrakt unterbringen, damit es die Schüler zum Essen nicht so weit haben.

Mittlerweile wissen der Verein und auch die beauftragten Planer aber, dass dies nicht ganz so einfach ist, dass sich der VKBI an die von der Stadt genehmigten Pläne halten muss und dass jede Nutzungsveränderung beantragt werden muss und damit Zeit kostet.

Treffen führt zur Klärung

Das haben Oberbürgermeister Klenk und auch Bürgermeisterin Noller den Vereinsvertretern Anfang der Woche bei einem Treffen klargemacht. „Ich habe den Eindruck, dass dies angekommen ist“, sagt Klenk, der an einer zügigen Umsetzung des Bauvorhabens interessiert ist. Er spricht von einer „vielleicht strengen, aber klaren Linie“ der Stadtverwaltung.

Kazim Per bezeichnet das Gespräch als „konstruktiv“. Die Muslime haben ihren Antrag auf Nutzungsänderung zurückgezogen. An diesem Donnerstag gab es ein weiteres Gespräch mit Mitgliedern der Verwaltung, um technische Dinge zu klären.

„Wir hoffen, dass wir nächste Woche weiterbauen können“, sagt Per. Angst, dass es mittlerweile knapp werden könnte, die von der Stadt gesetzte Frist für die Fertigstellung der Moschee einzuhalten, hat er nicht. „Wir glauben, dass wir es fertig bekommen“, sagt er. Und: „Wir wollen im September viele Gewerke vergeben.“

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