Warnungen vor gefährlichen Legionellen verunsichern zurzeit viele Mieter im Südwesten. Foto: Janice Haney Carr/CDC

Legionellen-Warnungen verunsichern zurzeit viele Mieter. Doch Experten sehen keinen Grund zur Panik: Weil im Moment viel gesucht wird, wird auch viel gefunden. Erst ab einer bestimmten Konzentration wird es gefährlich.

Legionellen-Warnungen verunsichern zurzeit viele Mieter. Doch Experten sehen keinen Grund zur Panik: Weil im Moment viel gesucht wird, wird auch viel gefunden. Erst ab einer bestimmten Konzentration wird es gefährlich.

Karlsruhe - Legionellen-Alarm bei vielen Mietern: Weil nach einer Verordnung neuerdings in Wohnblocks die Qualität des Trinkwassers kontrolliert werden muss, flattern seit geraumer Zeit viel Warnbescheide ins Haus. Die gesetzlich vorgeschriebenen Trinkwasseranalysen auf Legionellen seien durchgeführt, heißt es darin etwa - und oft auch: „Hierbei wurde eine hohe Konzentration an Legionellen nachgewiesen.“ Bürger sind verunsichert. Doch Experten sehen keinen Grund zur Panik. „Es gibt keine wirkliche Zunahme an Legionellen-Fällen“, ist Jens Fleischer überzeugt, Fachgebietsleiter Wasserhygiene beim Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg. „Aber die Beobachtung ist erhöht.“

Wer ein solches Schreiben erhält, sollte nach Empfehlung des Fachmanns genau nachfragen, was unter „hoher Konzentration“ zu verstehen ist. Ab 100 Legionellen in 100 Millilitern Wasser muss zwar dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Dies sei jedoch lediglich ein „Maßnahmenwert“ und kein Grenzwert. Ab 10 000 Legionellen in 100 Milliliter, Wasser rät der Biologe jedoch zu Vorsichtsmaßnahmen: „Die Dusche würde ich nicht mehr benutzen“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. „Aber Nudeln und Tee kochen würde ich schon.“

Legionellen können über zerstäubtes Wasser eingeatmet werden. Infektionsquellen sind neben Duschen und Whirlpools andere Warmwassereinrichtungen, in denen Dampf oder Sprühnebel entsteht. Die Infektion kann zu schweren Lungen- und Rippenfellentzündungen führen. Gefährdet sind vor allem Ältere, Raucher und Menschen mit geschwächtem Immunsystem wie Tumorkranke, so der Experte. Vorsicht ist auch bei Wohnungen oder Ferienhäusern geboten, in denen schon länger niemand war. Wenn eine hohe Konzentration festgestellt wird, sollte man Fleischer zufolge auch genau nachhaken, welche Maßnahmen zur Abhilfe vorgesehen sind. Notfalls sollte man sich an das Gesundheitsamt wenden.

Für Schlagzeilen sorgt seit einiger Zeit ein Hochhaus in Neu-Ulm. Die 500 Bewohner haben wegen Legionellen im Trinkwassersystem immer wieder für lange Zeiten Duschverbot. Experten rechnen künftig mit einer deutlichen Zunahme solcher Verbote.

"Die Trinkwasserqualität insgesamt im Land ist sehr gut"

Nach der seit Ende 2011 gültigen Trinkwasserverordnung müssen alle Wohnanlagen getestet werden, nicht aber Einfamilienhäuser. Für öffentliche Einrichtungen wie Schwimmbäder oder Krankenhäuser gibt es schon länger eine jährliche Prüfungspflicht.

Im Gesundheitsamt Karlsruhe, das allein für 720.000 Einwohner zuständig ist, registriert man seit letztem Herbst „eine Masse an Befunden“ aus vielen Mehrfamilienhäusern. Ulrich Wagner, Leiter der Abteilung Gesundheitsschutz in der Behörde, rät zur Gelassenheit: „Wenn man sucht, wird man auch Legionellen finden.“ Der Mediziner verweist darauf, dass 2013 nur drei Menschen im Stadt- und Landkreis Karlsruhe wegen Legionellen schwer erkrankten. Im Vorjahr waren es vier. „Es ist eine seltene Erkrankung“, betonte er.

Zwar werde durch die Befunde „vieles gemacht, was sinnvoll ist“. Inwieweit der große Aufwand aber „angesichts einer schwer einzuschätzenden Gefährdung“ wirklich nötig ist, sei fraglich. Klar ist für den Biologen Fleischer vom Landesgesundheitsamt: „Legionellen sind technisch in den Griff zu bekommen.“ Etwa durch Spülen von Rohranlagen, technische Nachbesserungen, Sanierung von maroden Wasserversorgungsanlagen oder indem man darauf achtet, dass Wasser aus Energiespargründen nicht ständig unter 60 Grad gehalten wird.

Fleischer, zugleich Laborleiter für Wasserhygiene der Landesbehörde, betont: „Die Trinkwasserqualität insgesamt im Land ist sehr gut.“ Vorausgesetzt, dass Hausbesitzer nicht „auf den letzten Metern schlampen“.

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