Ein normaler Maimorgen an der Stuttgarter Zulassungsstelle: eine endlose Schlange um 7.30 Uhr Foto: StZN

Vor der Kfz-Zulassungsstelle in Feuerbach brauchen Kunden seit Jahren gute Nerven. Die Wartezeit beträgt oft Stunden. Sicherheitsdienst und Polizei haben viel zu tun. Derzeit sind Termine besonders knapp – das könnte sich aber ändern.

Für jeden, der nicht regelmäßig zur Stuttgarter Zulassungsstelle muss und nicht vorgewarnt ist, sind die Verhältnisse unfassbar. „Ich wollte Mitte Mai ein Fahrzeug zulassen. Nachdem ich schon um 7.30 Uhr dort gewesen bin, war ich über die Schlange, die sich bereits gebildet hatte, geschockt“, sagt ein Mann. Seine Fotos sprechen für sich: Es dürften Hunderte Menschen sein, die da schon am frühen Morgen warten. Die Ersten seit 6 Uhr. Was in der traurigen Geschichte der Zulassungsstelle in den vergangenen Jahren fast noch moderat anmutet. Es gab auch schon Berichte über die ersten Wartenden um 3 Uhr nachts.

 

„Ein weiterer Wartender neben mir berichtete, dass er zwei Tage zuvor schon einmal einen Versuch gestartet hatte und nach drei Stunden weggeschickt wurde, weil es keine Chance mehr gab“, erzählt der Stuttgarter, der eigentlich einen Onlinetermin hatte buchen wollen. Den hätte es aber erst vier Wochen später gegeben. Und er hat in der Schlange noch mehr mitbekommen: „Wenn Kunden sich beschweren, werden sie wohl von der Polizei vom Grundstück gebracht.“ Der Wachdienst reagiere so, um sein Hausrecht durchzusetzen.

Dicke Luft unter den Wartenden als Anlass für Polizeieinsätze? Einer, der regelmäßig dort in der Schlange steht, bestätigt dies. Es gebe immer wieder Ärger, sagt er. Die Polizei habe er dabei schon mehrfach gesehen. Im Normfall seien das kleine Routineeinsätze ohne größere Schwierigkeiten. Ein Sicherheitsdienst ist tatsächlich bereits seit Längerem vor Ort, um für Ordnung zu sorgen – und auch die unangenehme Aufgabe zu übernehmen, Leute wegzuschicken, die nicht mehr drankommen können.

Beim Polizeipräsidium will man nicht den Eindruck erwecken, die Zulassungsstelle entwickle sich zum Einsatzschwerpunkt. Offiziell in die Statistik haben es im vergangenen Jahr lediglich vier Vorfälle geschafft – darunter auch der erwähnte von Mitte Mai. Laut Protokoll sei es dabei aber nicht um eine Auseinandersetzung gegangen, weil die Zulassungsstelle Leute abweisen musste. „Es hat wohl Streitereien unter den Wartenden gegeben, weil einer nicht mit dem Rauchen aufhören wollte“, sagt ein Polizeisprecher. Dabei seien auch Sicherheitsmitarbeiter eingebunden gewesen. Bei den anderen aktenkundigen Delikten sei es um Auseinandersetzungen in der Warteschlange oder Beleidigungen gegen Angestellte gegangen.

Die Stadtverwaltung hält die Sicherheitslage für „zufriedenstellend“

Bei der Stadtverwaltung ist der Vorfall Mitte Mai gar nicht angekommen – so wie mutmaßlich manches andere, was sich draußen abspielt. Die Warteschlangen haben sich nicht nur zum interessanten Spielfeld für Geschäftemacher entwickelt, die den Warteservice für dreistellige Summen anbieten, sondern auch zum Bereich, in dem beim einen oder anderen mal die Nerven blank liegen. Aus Sicht der Zulassungs- und Führerscheinstelle sei „die Sicherheitslage zufriedenstellend“, sagt Rathaussprecherin Marie Kraft.

Grundsätzlich gebe es keine Probleme. Bei längeren Wartezeiten sei die Stimmung bei einzelnen Besuchern ab und zu gereizt. „Verbale Auseinandersetzungen mit Mitarbeitenden kommen gelegentlich vor. Auch zu Beleidigungen kann es kommen, dies ist aber eher die Ausnahme und nicht die Regel“, teilt sie mit. Falls zur Durchsetzung des Hausrechts die Polizei gerufen werden müsse, geschehe das nicht durch Mitarbeitende des Sicherheitsdiensts, sondern durch Angehörige der Leitungsebene.

Softwareumstellung bindet Kapazitäten

Die zuverlässigste Methode, Konflikte erst gar nicht aufkommen zu lassen, wären deutlich kürzere Wartezeiten. Doch da tut sich die Stadt aus Personalmangel nach wie vor schwer. „In der Führerscheinstelle gibt es im Bedienbereich für die Besucher in der Regel zurzeit keine nennenswerten Wartezeiten. In der Zulassungsstelle liegt die Wartezeit aktuell zwischen zwei und dreieinhalb Stunden“, sagt Marie Kraft. „Im Einzelfall“ müssten Besucher wegen zu hohen Andrangs auch zurückgewiesen werden.

Zum Problem trägt aktuell bei, dass aufgrund der Jahreszeit nicht nur ein größerer Andrang auf die Zulassungsstelle zu verzeichnen ist, sondern dass es zudem eine interne Umstellung gibt. Die betrifft auch die Bürgerbüros. Ende Juni wird das bisher eingesetzte Fachverfahren für Kfz-Zulassungen durch ein neues abgelöst. Das erfordert eine Softwareumstellung. Das bringt seit Anfang Mai immer wieder Schließtage für Personalschulungen mit sich. Im Juni dürfte am 23. und 26. Juni ganz geschlossen bleiben. Und nach Einführung könnte es noch eine Weile dauern, bis das neue Verfahren rundläuft.

Immerhin bringt die Umstellung einen Hoffnungsschimmer mit sich: „Es ist beabsichtigt, dann auch die Möglichkeit zur Onlineterminvergabe auszubauen und zu modernisieren“, heißt es bei der Stadt. Ob das die Wartezeiten spürbar reduziert? So mancher in der Warteschlange schüttelt nur ungläubig den Kopf. „Was für ein Trauerspiel für eine Landeshauptstadt“, sagt der Mann, der Mitte Mai nur schnell ein Fahrzeug zulassen wollte.