Lange Stuttgarter Einkaufsnacht Viel Trubel vor dem dritten Advent

Von Petra Mostbacher-Dix 

Tausende Menschen pilgerten am dritten Adventssamstag bei der langen Einkaufsnacht durch Stuttgart, um Geschenke einzukaufen, Glühwein zu genießen und Weihnachtslieder zu singen.

Stuttgart - Der fränkische Dialekt sticht heraus. „Schau moll, des is fei scho schee!“ sagt die Frau und lichtet mit ihrem Smartphone den Weihnachtsbaum samt Lichterdekoration des Königsbaus ab. Nächstes Jahr werde sie mehrere Tage in Stuttgart bleiben, versichert sie. Die letzten Glühweintrinker auf dem Schlossplatz lachen. Fast alle Buden des Weihnachtsmarktes, auch auf dem Markt-, dem Schiller- und dem Karlsplatz sind nun zu. Es ist 23.30 Uhr, die lange Einkaufsnacht am dritten Adventssamstag geht dem Ende entgegen.

Manche Läden schließen bereits um 22 Uhr

In der oberen Königstraße ist jeder zweite Laden zu, mancher schon seit 22 Uhr. Passanten lauschen dem Pianisten, der romantische Klänge auf dem Flügel intoniert. Vor zwei Stunden war hier richtig viel los – wie auch an den Weihnachtsmarktständen: Flaneure mit und ohne Tüten. Wie Martina aus Fellbach: „Ich bin nicht zielgerichtet unterwegs. Es ist einfach schön, mal mehr Zeit zu haben, mich in Läden umzusehen. Wenn mir was gefällt, nehme ich es mit.“ Das kennt man im Traditionsgeschäft Tritschler. „Im vergangenen Jahren war bei der langen Einkaufsnacht etwas mehr los“, so eine Mitarbeiterin. „Das mag am Wetter liegen, Schnee war angesagt, vielleicht aber auch am vergangenem Samstag, da wurde sehr viel gekauft.“ In den größeren Häusern und Flagship Stores, ob Saks off 5th, Esprit, H&M, Galeria Kaufhof, Peek & Cloppenburg oder Breuninger im Dorotheen-Quartier, will man sich nicht äußern. Im Quartier sind um 23 Uhr vor allem die Bars voll. „Die lange Einkaufsnacht ist eine wichtige Werbemaßnahme für Stuttgart und seine Läden“, so eine Hallhuber-Mitarbeiterin. „Bis zehn Uhr war was los. Ob’s sich insgesamt lohnt – fraglich.“

Kostas und Lisa bedauern die Mitarbeiter, die lang arbeiten. Dennoch findet das Paar aus Heidenheim die lange Einkaufsnacht toll. „Wir wussten das nicht, wollten einen Trip in eine große Stadt machen“, so Kostas. Es sei eine nette Überraschung gewesen, als dann eine Verkäuferin ihnen sagte, sie müssten sich nicht beeilen, könnten ihren Einkauf auch um 23 Uhr abholen. Da war dann ein Glühwein an der Eisbahn drin, auf der nach 22 Uhr vereinzelte Läufer ihre Runden drehten.

Relaxtes Einkaufen

Auch die beiden aus Marbach und Ludwigsburg in die Landeshauptstadt gekommen Freundinnen gleichen Vornamens wussten nichts von den Öffnungszeiten bis 24 Uhr. Ziel der beiden Andreas war der Weihnachtsmarkt. „Super, dass die Läden offen waren. Für eine Mama wie mich ist es schön, wenn man dann, wenn der Papa wieder daheim ist, relaxt einkaufen kann“, so eine der Frauen. Sie wollte unbedingt Socken kaufen. Die Kombination aus langem Shoppen und Weihnachtsmarkt gefällt auch Rachel und Rati, die auf dem Marktplatz den letzten Glühwein trinken. „Da findet der eine oder die andere noch das richtige Geschenk.“

Die Kunden kommen meist schubweise

Das bestätigt Benjamin Ireland, der seit zehn Jahren alleine als Einzelhändler den Geschenkartikelladen Ascawo hinter dem Rathaus betreibt. „Wir sind zufrieden, haben heute Unmengen an Windlichtern, zudem Kochbücher oder auch nachhaltige Bambusbecher verkauft. Die Stimmung war sehr fröhlich.“ Vor allem bis 21 Uhr habe der Bär gesteppt. „Die Kunden kommen schubweise. Ob es insgesamt mehr sind, ich weiß nicht. Aber die lange Einkaufsnacht hat einen guten Werbeeffekt für alle.“

Um 23.45 Uhr haben in der unteren Königstraße neben dem Stand mit den gebrannten Mandeln nur noch die größeren Geschäfte geöffnet. Die Mandelfrau meint, dass sich die Terrorangst bemerkbar mache, daher weniger los sei, vor allem weniger Familien kämen. Indes harren einige Kunden an der Kasse der Drogeriemarkts Müller. „Parfüm als Geschenk geht immer“, sagt eine junge Frau, die mit zwei Tüten schwungvoll den Laden verlässt.

Besinnliche Momente in der Domkirche St. Eberhard

In der Domkirche St. Eberhard ist man an diesem Abend ebenfalls zufrieden. Zum 21 Nightfever mit Eucharistiefeier, Gesprächen, Austausch, Stillsein, Musikhören, und Singen seien richtig viele Menschen gekommen, heißt es. Eine Ecke weiter klingt wunderbar melancholisch eine Geige. Barbara, die klassische Musikerin, spielt die Titelmusik des Films „Schindlers Liste“. Sie blickt seufzend auf das Kleingeld in ihrem Geigenkasten. Wie die Polizisten, die um die Einkaufsmeile und den Weihnachtsmarkt postiert waren, erklärt sie: „Die üblichen Verdächtigen waren da, und mehr Neugierige – ansonsten eine Nacht wie jede andere.“

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