Die Lange Nacht Kultur & Einkaufen begeistert die Besucher. Foto: Patricia Sigerist

Obwohl das Wetter bei der Langen Nacht Kultur & Einkaufen in Fellbach nicht optimal ist, sind die Geschäftsleute zufrieden und die Gäste begeistert. Vor allem, weil der Kommerz nicht so stark im Mittelpunk steht.

Fellbach - Zum Auftakt der 10. Langen Nacht Kultur & Einkaufen hat sich der Regen verabschiedet, die Temperaturen sind angenehm, und so machen sich die Besucher nach und nach auf zum „gemischten Erlebnis“ rund ums Rathaus. Wer von der S-Bahn her kommt, muss ein bisschen marschieren, bis bei Edeka Hansen Hunger und Durst gestillt werden können. Es gibt tolle Musik, auch die Kunst ist live präsent – Meinrad Hoyer malt, und man kann ihm dabei zuschauen.

Auf dem Kirchplatz ist Französischer Markt, und die Besucher kosten von Käselaiben

Wenige Schritte weiter hat Michaela Mahn von der Confiserie K+M – eigentlich in der unteren Bahnhofstraße ansässig – einen kleinen Stand aufgebaut: „Ich halte die Lange Nacht für ein Super-Sommer-Event und wollte unbedingt dabei sein – da sind wir halt einen Kilometer höher gerückt.“ In der Stadtbücherei hört man die Geschichte von Pablo Neruda und dem Postboten, vor dem Juweliergeschäft Kuder mixt die Brasilianisch-Deutsche Interessengemeinschaft Caipirinhas, gegenüber serviert der Verein Ndwenga afrikanische Kost. Und dann duftet es verführerisch nach luftgetrockneter Salami. Auf dem Kirchplatz ist Französischer Markt, und die Besucher kosten von Käselaiben, die aussehen wie Skulpturen aus geronnener Milch. Auch Cidre wird ausgeschenkt, bei sehnsüchtigen Chansons sind die Tische den ganzen Abend gut besetzt. Im Rathausinnenhof sammelt sich das inzwischen doch recht zahlreiche Publikum vor der Bühne, der Handharmonika-Club hat seine Fans und die wirklich fantastischen Jazzer der Formation „Corroded Gangway“ sowieso.

Das Motto der Langen Nacht. Foto: Patricia Sigerist

Unter den Arkaden des Polizeipostens rockt die Musik

Rund ums Rathaus-Carrée herrscht dann reges Treiben, in den Geschäften tummelt sich die Kundschaft und wird mit kleinen Geschenken oder bar-tauglichen Cocktails verwöhnt. „Ich finde, es gehört sich, bei der Langen Nacht mitzumachen, unsere Kunden kommen sehr gerne, und uns macht es immer Spaß“, sagt Petra Hauck vom Prachtstück. Auch Imke Sperling von der gleichnamigen Goldschmiede schreibt ihr Kunden direkt an: „Man muss schon etwas tun, aber dann kommen die Leute gerne, und es herrscht eine ganz persönliche Atmosphäre.“ Dass eine Stadt nicht nur einen kommerziellen Charakter hat, komme sehr gut an: „Wir vermitteln hier ein sympathisches Bild von Fellbach“, ist Sperling überzeugt. Uli und Karin Evers aus dem Sommerrain bestätigen genau das: „Wir sind zum ersten Mal hier und werden uns den Termin merken. Nicht der Kommerz steht im Vordergrund, viele Vereine machen mit, alle Ausstellungen kann man kostenlos ansehen, tolle Musik – es ist eine kleine, aber feine Veranstaltung.“ Auch Klaus Lanzendorfer aus Schmiden findet „man muss das unterstützen“, bedauert aber, dass doch etliche Fachgeschäfte geschlossen sind – sogar solche, die auf dem Flyer des Stadtmarketings als „Mitmacher“ aufgeführt sind. Im Kunstvereinskeller bewundern die Besucher die alten Klappstühle, denen Künstler ein neues Kleid verpasst haben.

Unter den Arkaden des Polizeipostens rockt die Musik, der Weintreff bei Markus Heid gegenüber hat sein treues Stammpublikum, das sich unter den aufgestellten Schirmen zusammenkuschelt. Dazwischen tanzen auf der regennassen Straße drei oder vier Paare den Boogie. Sie trotzen dem Wetter, das nicht so recht zum Veranstaltungsmotto „traum-haft“ passt. Auch am Weltladen herrscht Stimmung bis um Mitternacht, und unter Häuservorsprüngen, schützenden Dächern und in Nischen harren fröhliche Menschen im nächtlichen Niesel aus, bis es von der Lutherkirche her zwölf Uhr schlägt.

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