Martin Kaess in seiner Gärtnerei in Albershausen: er ist seit 35 Jahren Mitglied der FDP, weil sich die für den Mittelstand stark mache. Foto: Horst Rudel

Der umtriebige Gärtner Martin Kaess will für die FDP in den Landtag ziehen. Auch weil ihm heute Aldi und Lidl die Preise diktieren.

Albershausen - Viel Zeit hat der Mann nicht. Das Interview über seine Kandidatur für den baden-württembergischen Landtag absolviert der Albershäuser in einem seiner Gewächshäuser im Stehen. Martin Kaess ist von Beruf Gärtnermeister, 63 Jahre alt und seit 35 Jahren Mitglied der FDP. In dieser Partei sei er zu Hause, weil sie sich für den Mittelstand einsetze und sich der zunehmenden Bürokratisierung entgegenstemme. Er zeigt auf eine freie Fläche zwischen Pflanzen und Blumentöpfen und erklärt: „Dort findet unsere Wahlparty statt, ob wir siegen oder verlieren.“

Kaess ärgert sich richtig

Über seine Ausgangsposition ist der 63-Jährige alles andere als glücklich. „Ich darf mich nicht selbst wählen, auch meine Frau und meine Sangeskollegen dürfen das nicht. Diese Stimmen werden fehlen.“ Der Grund dafür: die FDP schickt Kaess im Wahlkreis Göppingen ins Rennen, sein Heimatort Albershausen aber gehört zum benachbarten Wahlkreis Geislingen. Dort kandidiert Armin Koch aus Süßen. „Das ärgert mich richtig“, gibt Kaess unumwunden zu.

Dennoch nimmt er die Sache sportlich. „Wenn ich nicht gewählt werde, habe ich es wenigstens versucht. Zu einer Wahl gehört auch, dass man eine Niederlage verkraften kann.“ Reizen würde es ihn aber schon, in Stuttgart die Landespolitik mitzugestalten. Schulpolitisch, arbeitspolitisch und verkehrspolitisch liege vieles im Argen. Dafür würde er auch seine Blumen im Stich lassen. Seine Frau sei ja noch da, aber für sie müsste er im Fall seiner Wahl eine tatkräftige Unterstützung suchen, sagt er. Die aktuellen Umfragen beobachtet Kaess mit wachsender Begeisterung. „Bei der letzten lag die FDP bei acht Prozent“, sagt er.

Der Großvater war Bürgermeister

Dass er sich zu einer Kandidatur bewegen ließ, ist seinem zupackenden Naturell geschuldet. „Man darf nicht immer sagen, die anderen sollen’s richten, man muss selbst etwas tun“, lautet sein Kredo. Diese Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, hat ihn auch vor vielen Jahren in die Kommunalpolitik geführt. Seit 26 Jahren ist er in Albershausen Gemeinderat, für die Freien Wähler, weil es in der Gemeinde keine FDP gibt. Seit sechs Jahren sitzt er im Göppinger Kreistag. Die Liebe zur Kommunalpolitik kommt nicht von ungefähr. Sein Großvater war Bürgermeister in Albershausen.

Er hat jedes Fundament selbst mit Beton gefüllt

Bei seiner Berufswahl aber hat er sich von seinem Vater leiten lassen, der die Gärtnerei eröffnete und im Jahr 1968 an den heutigen Standort umsiedelte. „Ich kenne hier alles, ich habe jedes Fundament mit der Schubkarre oder der Betonpumpe gefüllt“, erzählt Martin Kaess. Damals sei der Beruf des Gärtners noch interessant gewesen. „Heute diktieren uns Lidl und Co. die Preise.“ Seine Kinder – er hat zwei Töchter und einen Sohn – hätten deshalb abgewunken, als es um die Frage gegangen sei, wer den Betrieb übernehmen könnte. Auch diese Erfahrungen haben Anteil an seiner Entscheidung, politisch mitgestalten zu wollen. Kaess fordert, dass für den Mittelstand mehr getan werden müsse. Da gute Arbeitskräfte immer gesucht seien, hat er auch nichts dagegen, integrationsbereiten Flüchtlingen die Türen offen zu halten. „Das ist eine Chance, wir werden weniger und brauchen Arbeitskräfte“, sagt er.

Wichtig ist ihm außerdem die Bildungspolitik. Er fordert ein Zurück zum dreigliedrigen Schulsystem mit Werkreal- und Realschulen sowie Gymnasien. Nur so könnten die Guten sehr gut werden.

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