Der junge Angeklagte sagt, er sei zum Sex gezwungen worden. Foto: dpa

Ein 22-jähriger Mann steht wegen Vergewaltigung vor dem Landgericht Stuttgart. Er sagt, das mutmaßliche Opfer habe ihn zum Sex gezwungen.

Stuttgart - Die Version des jungen Mannes, der vor der 8. Strafkammer des Landgerichts auf der Anklagebank sitzt, ist im Kern das genaue Gegenteil dessen, was ihm vorgeworfen wird. Die Staatsanwältin legt ihm zur Last, er habe in den Morgenstunden des 24. Juli dieses Jahres eine Frau in einer Flüchtlingsunterkunft in Stuttgarter Norden vergewaltigt.

Das mutmaßliche Opfer habe den 22-Jährigen und dessen Freund in der Innenstadt angesprochen und habe Kokain von den Männern kaufen wollen. Daraufhin seien der 22-Jährige und sein Freund mit der Frau per Taxi in die Unterkunft gefahren. Der Freund habe sein Zimmer verlassen, um den Stoff zu holen. Währenddessen habe der 22-Jährige der 41 Jahre alten Frau Gewalt angetan. Sie habe sich gewehrt, er sei aber zu kräftig gewesen und habe ihr den Mund zugehalten. Hinterher habe er gesagt: „Beruhige dich, es war doch nicht so schlimm.“

Die Frau, die den Männern 200 Euro für das Rauschgift gegeben haben will, sei dann gegangen. Am nächsten Tag nahm die Polizei den 22-Jährigen fest. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.

„Lustig“, sei die Frau gewesen, sagt der Angeklagte. Sie habe ihn und seinen Freund in der Innenstadt vor einer Bar angesprochen. Man habe sich gut unterhalten, dann habe er zu seinem Freund in die Unterkunft gewollt, weil er müde gewesen sei. Er selbst lebt in einer Unterkunft in Neckartenzlingen und darf den Kreis Esslingen eigentlich nicht verlassen. Die Frau habe sich nicht abschütteln lassen. „Sie hat mich verfolgt“, sagt der Angeklagte. Sein Freund sei noch in der Stadt geblieben, er sei dann doch mit der Frau ins Flüchtlingsheim gefahren.

Der Mann sagt, er sei schwul

Im Zimmer habe sich die Frau etwas gespritzt. „Dann hat sie sich ausgezogen und auf mich gelegt“, sagt der 22-Jährige. Auf ihre Aufforderung hin habe er sich schließlich ebenfalls ausgezogen. Es kam zum Sex. Bei der Polizei hatte er gesagt, er sei regelrecht gezwungen worden. Dort hieß es auch, die Frau sei auf dem Bauch gelegen. Vor Gericht sagt er nun, sie sei auf dem Rücken gelegen. Nach dem Sex habe sie geduscht, sein Freund sei angekommen, man habe sich gut unterhalten. „Plötzlich wollte sie 50 Euro“, so der junge Mann – sonst werde er Probleme bekommen, habe die 41-Jährige gedroht. „Ich habe das nicht ernst genommen“, so der Mann.

Der Angeklagte ergänzt: „Ich habe kein Gefühl für Frauen, ich bin schwul.“ Das sei auch der Grund, warum er aus Gambia geflohen sei. Seine Eltern seien Moslems, sie hätten seine Neigung nicht toleriert. Als auch noch sein Freund in Gambia verhaftet worden sei, sei er über Senegal, Mali, Burkina Faso, Niger und Libyen nach Italien und dann nach Österreich geflohen. Im März 2015 sei er in Deutschland angekommen. Sein Asylantrag ist im März dieses Jahres abgelehnt worden. Seither hat er eine Duldung.

Der Prozess, der bis 16. November terminiert ist, soll am 9. November fortgesetzt werden.

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