Szene aus „Der fliegende Holländer“ Foto: Württembergische Landesbühne Esslngen/Pfeiffer

Regisseur Marcel Keller hat auch das Bühnenbild geschaffen für seine Inszenierung des „Fliegenden Holländer“ an der Landesbühne Esslingen, und es könnte das schönste der Saison sein: Gespenstisch, halluzinatorisch wie die Welten, die darin aufeinanderprallen.

Esslingen - Der Teufel ist ein rußiger Geselle in einem dreckigen Hemd, mit wirren Haar und wildem Blick, ein Bösewicht, der sich die Hände reibt und fröhlich seine Opfer einkreist. Der Teufel ist immer im Bild, wenn die Württembergische Landesbühne Esslingen den fliegenden Holländer aufführt. Martin Frolowitz spielt ihn, er ist erscheint als Erster, kriecht aus einer Klappe hervor, hantiert an einem Schalter. Dann schwingen zwei große, schiefergraue Scheunentore auf und geben den Blick frei auf die Szene.

Regisseur Marcel Keller hat auch das Bühnenbild für seine Inszenierung geschaffen, und es könnte das schönste der Saison sein: Gespenstisch, halluzinatorisch ausgeleuchtet liegt das Schiff da, die See hebt und senkt sich hinter ihm, die Möwen schreien.

Am Anfang ist der Sturm, und der Holländer, wortkarg und besessen dargestellt von Ralph Hönicke, möchte ihm trotzen, fahren bis ans Ende der Welt und darüber hinaus – der Teufel verdammt ihn zur Unsterblichkeit. Die zweite Szene: Er geht an Land, er trifft den den Seemann Daland, trifft schließlich auch dessen Tochter Senta. Kathryn Magestro, eine Sopranistin aus den USA, spielt die Senta bei der Premiere des Stückes am Freitag, bei den späteren Aufführungen wechselt sie mit Sandra Hartmann und Katharina Muraurer.

Die Musiker spielen Wagner auf dem Schifferklavier

Gemeinsam mit den anderen Mädchen sitzt Senta am Spinnrad in der verzerrten Perspektive eines spitzwinkling zulaufenden Innenraums, ­tapeziert mit Schiffsmotiven. Die Frauen plappern launisch und vulgär, aber Senta hört nicht auf sie, blickt in die Ferne, springt plötzlich auf und singt mit wunderbarer Leidenschaft die Ballade vom fliegenden Holländer. Die Szene ist der Kern des Stückes, voller Pathos und doch ungeheuer komisch – hier prallen Welten aufeinander.

Neben der Bühne, in dunklen Nischen, die beiden Musiker: Sie spielen Wagner auf dem Schifferklavier. Chöre kommen aus den Nirgendwo, Obertitel in altertümlicher Schrift laufen mit, und doch bleibt viel Schweigen, in dem man den Möwen lauschen und die Unendlichkeit erahnen kann. Reinhard Froboess als der gierige Daland, Florian Stamm als Sentas Verlobter Erik, wirken in den Kostümen von Katrin Busching selbst fast wie Gespenster.

Andreas Marber hat die Vorlagen von Wilhelm Hauff und Richard Wagner für die Landesbühne bearbeitet und erspart sich und den Zuschauern nicht den einen oder anderen schlüpfrigen Witz. Dennoch ist „Der fliegende Holländer“ ein Treffer: Ein Märchen zwischen Grauen und Komik, wie von Tim Burton oder Tom Waits.

Weitere Aufführungen: 29.9.; 7.10.; 10.10.; 16.10., jeweils um 19.30 Uhr. Karten gibt es telefonisch unter: 07 11 / 35 12 30 44 . ­Informationen im netz: www.wlb-esslingen.de