Wissenschaftsministerin Theresia Bauer fachsimpelt mit Michael Resch, dem Leiter des Stuttgarter Rechenzentrums über Supercomputing. Foto: dpa

Im Höchstleistungsrechnen ist Baden-Württemberg europaweit führend. Diese Position will das Land stärken und weiter ausbauen. Bereits in zwei Jahren wird ein neuer Höchstleistungsrechner angeschafft.

Stuttgart - Baden-Württemberg will seine europäische Spitzenposition im Supercomputing verteidigen und ausbauen. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) kündigte für die kommenden acht Jahre Investitionen von fast einer halben Milliarden Euro in die digitale Infrastruktur und in Supercomputer im Südwesten an. Das Land übernimmt davon bis 2024 rund 113 Millionen Euro, vom Bund werden 108 Millionen erwartet. Der größte Anteil entfällt mit 175 Millionen auf die Helmholtz-Gemeinschaft, mit 93 Millionen sollen sich die Hochschulen beteiligen.

Bauer präsentierte die neue Landesstrategie für das Hoch- und Höchstleistungsrechnen, die bisher bundesweit einzigartig ist. Im Mittelpunkt stehen dabei Simulationen. Sie seien aus der Spitzenforschung nicht wegzudenken. Bauer verspricht sich von der neuen Strategie Beiträge zur Lösung zentraler gesellschaftlicher Aufgaben wie Mobilitätsforschung, die Transformation der Automobilindustrie, die Gesundheitsforschung oder die Klimaforschung.

Kooperation mit der Wirtschaft

Kooperation ist ein zentraler Begriff der Landesstrategie. Mit den Zuschüssen will das Land die Hardware ertüchtigen aber auch für Wissenschaft und Wirtschaft zugänglich machen und damit auslasten, sagte Bauer. Die Vorzeigeanlage des Landes ist der Höchstleistungsrechner Hazel Hen im Höchstleistungsrechenzentrum HLRS an der Uni Stuttgart. Er ist 100 000 Mal so schnell wie ein gewöhnliches Laptop. Bis zu 7,4 Billiarden Rechenschritte könne Hazel Hen in einer Sekunde ausführen, sagen die Experten. Das bringt Hazel Hen auf Platz 17 der weltweit stärksten Rechner.

Die Kapazität der Supercomputer will das Land auch mittelständischen Unternehmen zugänglich machen. Einen Euro kostet die Stunde Superrechnernutzung, sagt Michael Resch, der Leiter des HLRS. Darin sind alle Kosten eingerechnet. Ein virtueller Autocrash belaufe sich so auf knapp 130 Euro. Das HLRS ist das einzige deutsche Höchstleistungsrechenzenrum das seine Expertise auch der Industrie zur Verfügung stellt, so das Ministerium.

Hilfreich für Kriminalisten

An der Nachfrage nach den Leistung von Hazel Hen fehlt es nicht. Die Auslastung liege zwischen 92 und 98 Prozent, berichtet Resch. Zwischen fünf und acht Prozent der Kapazität werden von der Industrie genutzt. Mit Simulationen des Supercomputers, die auf Laserscans beruhen, lassen sich die Abläufe im Inneren von Kraftwerksturbinen darstellen. Das Landeskriminalamt nutzt die Simulationen zur Konservierung und Rekonstruktion von Tatorten. Am virtuellen Tatort kann nachgestellt werden, ob eine Zeugenaussage plausibel ist, und wie genau Schusskanäle verlaufen. Und für den Animationsfilmstandort Baden-Württemberg ist das Supercomputing unverzichtbar. „Wir haben die Biene Maja gerechnet“, erzählt Resch. Im Moment werden gemeinsam mit der Stadt Herrenberg Möglichkeiten der Mobilitätsentwicklung simuliert. Bauer geht davon aus, dass die Digitalisierung die Bürgerbeteiligung verändern wird.

Auf Hen folgt Hawk

Hazel Hen, im Kern 240 Quadratmeter groß, zwei Jahre alt, wird dank der Landesstrategie 2019 vom Supercomputer Hawk abgelöst, der soll fünf- bis sechsmal schneller sein. Die Investitionen belaufen sich auf 38 Millionen Euro. Die Energiekosten werden mit sechs Millionen im Jahr veranschlagt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: