Jetzt denken sie über Auswege aus der Krise nach (von links): Tamas Detrich, Burkhard Kosminski, Marc-Oliver Hendriks und Viktor Schoner, das Intendanten-Quartett des Stuttgarter Staatstheaters . Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Das Spiel ist aus: Die beiden Staatstheater im Land, das Württembergische Staatstheater in Stuttgart und das Badische Staatstheater in Karlsruhe, müssen ihre Saison vorzeitig beenden. Das Kunstministerium will den Intendanten aber alternative, der Corona-Zeit angepasste Formate erlauben.

Stuttgart - Was seit einiger Zeit in der Corona-Luft lag, ist jetzt offiziell: Das Spiel ist aus. Die beiden Staatstheater im Land, das Württembergische Staatstheater in Stuttgart und das Badische Staatstheater in Karlsruhe, beenden ihre Saison. Das gab am Dienstag das von Theresia Bauer (Grüne) geleitete Kunstministerium bekannt, das sich die Trägerschaft der Theater zusammen mit den beiden Städten teilt. „Kulturbetriebe brauchen Planungssicherheit“, erklärte Bauer, „wir haben daher gemeinsam mit den beiden Kommunen und den Staatstheatern beschlossen, den regulären Vorstellungsbetrieb dieser Spielzeit zu beenden.“ Trotzdem soll das Licht in den beiden Dreispartenhäusern nicht ganz gelöscht werden: „Unser Anliegen ist es“, so die Ministerin, „dass die Staatstheater Formate anbieten können, die im Rahmen aller Vorsichtsmaßnahmen möglich sind.“

 

Im Württembergischen Staatstheater zeigt man sich nicht wirklich überrascht vom vorzeitigen Saisonabbruch. Nach all den Veranstaltungsabsagen ringsum hat der Geschäftsführende Intendant Marc-Oliver Hendriks fast damit gerechnet. „Wir befinden uns schon seit dem 10. März in einer surrealen Situation“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung, „seitdem hebt sich kein Vorhang mehr. Das hat es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben.“ Andererseits hätten natürlich der Schutz der Belegschaft und des Publikums herausragende Bedeutung. „Insofern war es absolut geboten, keinerlei unbekannte Risiken einzugehen.“

Das Land will vernünftige Proben ermöglichen

Verständnis fürs Vorgehen des Ministeriums zeigen auch die Intendanten von Oper, Ballett und Schauspiel. „Die Entscheidung ist richtig“, so Burkhard Kosminski vom Schauspiel, „aber natürlich schmerzt die Absage des bisher veröffentlichten Programms. Gleichzeitig sind wir froh über Klarheit und Planungssicherheit.“ Wie seine Kollegen – Viktor Schoner von der Oper, Tamas Detrich vom Ballett – will Kosminski nun beherzt die Chance ergreifen, die das Kunstministerium den Staatstheatern trotz Pandemie eröffnet: die Erprobung neuer, den Sicherheitsstandards angepasster Formate. „Wir gehen kreativ mit der Herausforderung um und werden unser Publikum schon bald mit frischen Ideen überraschen“, verspricht der Schauspiel-Intendant.

Auch Viktor Schoner will die Hände nicht in den Schoß legen. Gemeinsam mit den Künstlern in der Oper will er „kleinere und innovative Musiktheaterprojekte“ entwickeln und „in unerwarteten Präsentationsformen“ zeigen. Tamas Detrich vom Ballett, „dankbar für die klare Entscheidung des Ministeriums“, plant unter Einhaltung der Hygieneregeln mit seinen Tänzern ebenfalls Neues. Immerhin verfügt er über talentierte Choreografen in der Kompanie, weshalb er auf komplizierte Gastengagements verzichten kann – und die Ankündigung des Ministeriums, Probenmöglichkeiten eventuell zu erweitern, beflügelt die Fantasie des Ballettchefs noch weiter: Derzeit dürfen in Theatern, Orchestern und Tanzkompanien höchstens fünf Künstler gemeinsam arbeiten, eine Restriktion, die landesweit gelockert werden könnte.

Kurzarbeit ist im Staatstheater nicht geplant

Wie die Corona-Formate des Staatstheaters im Detail aussehen könnten, will keiner der drei Intendanten verraten, auch wenn die entsprechenden Konzepte vermutlich schon längst in der Schublade liegen. „Wir stehen über die Möglichkeiten, die sich dafür anbieten, in einem engen Dialog mit den politisch Verantwortlichen“, sagt diplomatisch Marc-Oliver Hendriks, der als Geschäftsführender Intendant nicht zuletzt für die Finanzen des Württembergischen Staatstheaters verantwortlich ist. Muss er denn – trotz alternativer Formate – jetzt Kurzarbeit anordnen? „Diese Notwendigkeit stellt sich zur Zeit noch nicht. Durch eine Reihe von Maßnahmen konnten wir fast alle Beschäftigten zur Aufrechterhaltung der Betriebsfähigkeit weiter beschäftigen, um auch rasch auf eine veränderte Situation reagieren zu können.“ Mittlerweile habe das Theater auch fast 10 000 Schutzmasken für Arztpraxen und andere Einrichtungen hergestellt: „Das ist ist auch eine Zeit des gelebten Gemeinwohls“, sagt Hendriks, der sichtlich auch das Wohl seines Theaters im Blick hat, auf dass es heil aus der Coronakrise kommen möge.