Kommt bei Hunden tierisch gut an: Beate Schlotterbecks spezielle Kekse. Zu Weihnachten gibt es sogar eine extra Weihnachtsmischung. Foto: factum/Weise

Lebkuchen für Vierbeiner? Es gibt nichts, was es nicht gibt – auch nicht auf dem Ludwigsburger Weihnachtsmarkt. Auch wenn das manchen Besucher verwirrt.

Ludwigsburg - Für das Aufschnappen kurioser Dialoge erweist sich die Ludwigsburger Eberhardstraße in diesen Tagen als dankbares Pflaster. Sehr gut möglich, dass man dort nicht nur die Frage „Haben Sie was mit Pferd?“ hört – sondern auch die Antwort: „Pferdekopfhaut, Pferdewurst und Hinterbein vom Pferd.“ Auch nicht ausgeschlossen: Beate Schlotterbeck fängt zu bellen an – und die Menschen, die sie anbellt, beginnen zu strahlen. Weil sie endlich verstehen, dass die Knabbersachen, die Beate Schlotterbeck an ihrem Stand auf dem Ludwigsburger Weihnachtsmarkt verkauft, für Hunde gebacken worden sind.

Alles für den lieben Hund

Es gibt Boxspringbetten für Hunde, es gibt Kapuzenshirts für Hunde, es gibt Shampoos für Hunde mit Schuppenproblemen, Shampoo für Hunde mit dunklem Fell und Shampoo für Hunde mit hellem Fell. Warum also nicht auch Kekse für Hunde? Und warum nicht auch auf dem Ludwigsburger Weihnachtsmarkt?

Wüsste man es nicht besser, hielte man das Männchen, das vom Holzdach baumelt, für einen Lebkuchenmann. Und die Brezelchen, die zur Deko an der Wand hängen, für Partybrezeln. Und die kleinen Teile, die so begehrt sind, dass der Korb nur noch halb voll ist, für Gutsle. Tatsächlich handelt es sich beim Lebkuchenmann um einen Leberwurstmann, bei den Partybrezeln um ein Gebäck aus Käse, Dinkelvollkornmehl, Rosmarin, Minze und Olivenöl und bei den Gutsle um die berühmten Leberwurstecken. Berühmt deshalb, weil mit ihnen vor zwölf Jahren alles anfing. Wegen Wilson, der Dogge von Beate Schlotterbeck.

Aus der Not wurde ein Geschäft

Wilson war allergisch gegen viele Lebensmittel. Woher also die Leckerli nehmen, mit denen er fürs Lernen in der Hundeschule belohnt werden sollte? Selber machen, dachte Beate Schlotterbeck und legte los. Leberwurst, das wusste sie vom Tabletten-darin-Untermogeln, liebte Wilson. Dinkelmehl und Haferflocken dazu, backen – fertig waren die Leberwurstecken. Und los ging es mit den Bestellungen. Erst kamen sie nur von Bekannten, die ihren Hunden etwas Gutes tun wollten, dann wurden es immer mehr. Und schließlich war Beate Schlotterbeck so sehr mit den Keksen beschäftigt, dass sie ein Geschäft daraus machte: Mr. Wilson’s Hunde-Bäckerei.

Die neueste Entwicklung ist der Pansenkracher, bestehend aus ungewaschenem und deshalb grünem Rindermagen plus Dinkelvollkornmehl. Kommt gut an, wenn es auch nicht so gut riecht wie der Bananablues, der Karotten enthält, Haferflocken und natürlich Bananen. „Wenn die aus dem Ofen kommen – das riecht oberlecker“, sagt Beate Schlotterbeck, die mit ihrer Hundekeks-Bäckerei dieses Jahr zehnjähriges Bestehen feiert. Ihren Job als freiberufliche Fotografin hat sie auf Eis gelegt, ihr Mann Uli ebenfalls. Den kleinen Backofen in der heimischen Küche in Filderstadt haben die Schlotterbecks längst gegen eine professionelle Backstube getauscht. Rund 400 Kilo Hundekekse vertreiben die Hundekeksbäcker im Jahr über Händler, über ihren Online-Shop und auf dem Weihnachtsmarkt. Seit 2016 sind Schlotterbecks in Stuttgart, in Ludwigsburg sind dieses Jahr zum ersten Mal.

Was haben Hundekekse mit Weihnachten zu tun?

Ja, ja, kann man sich nun fragen: Was haben denn Kekse für Hunde mit einem Weihnachtsmarkt zu tun? Und: Wenn es jetzt schon Naschwerk für Tiere zu kaufen gibt, gibt es dann irgendwann auch Tiere zu kaufen? Wo bleibt denn mit so einem Angebot die Tradition, die Seriosität gar? Andererseits kann man sich natürlich auch fragen: Was haben Naturrapskissen mit einem Weihnachtsmarkt zu tun oder Handtaschen? Und soll der Markt nicht so sein, dass er ein Angebot bietet, das es nicht zuhauf und überall gibt? Und bietet es sich da nicht an, die neuen Hundekekse auf der neuen Fläche hinter der katholischen Kirche mal zu testen? Wie den Stollenstand und den Lichtersternenstand dort auch. Außerdem, für ganz skeptische Gemüter: Im Sortiment der Hundekeksbäcker befindet sich auch eine Weihnachtsmischung mit Lebkuchentalern aus Putenleber und anderen Spezialitäten. 200 Gramm kosten sechs Euro, und Beate Schlotterbeck prophezeit: „Ihr Hund wird Sie dafür lieben.“

Auch Menschen mögen Hundeleckerli

Womöglich nicht nur der. Es kommt vor, dass Passanten im Vorbeigehen Kekse aus einem Korb greifen und selbst verspeisen. Oder dass Babysitter beim Babysitten die Hundekeksvorräte verspeisen, weil sie nicht wissen, dass es sich um Kekse für Vierbeiner handelt. Hat Beate Schlotterbeck alles schon erlebt.

Wie gesagt: Die Eberhardstraße ist eine gute Adresse für kuriose Geschichten.

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