Der Kunststandort Stuttgart sucht Antworten auf die Pandemie. Das dauert zu lange und wirkt nicht entscheiden genug, kommentiert „Stuttgarter Nachrichten“-Titelautor Nikolai B. Forstbauer
Stuttgart - Die aktuelle Giftliste für den Kunstmarkt – von einem überhöhten Mehrwertsteuersatz bis hin zum Kulturgutschutzgesetz – ist lang. Und sie war auch schon vor der Pandemie gültig. Daraus schließen zu wollen, der stationäre Handel sei ein Relikt einer anderen Zeit, ist jedoch Unsinn.
Mut zum Konzept
Das Gegenteil ist richtig. Die privaten Galerien sind und bleiben die erste Kunstadresse in einer Stadt. Vorausgesetzt, sie haben gute Konzepte. Dafür braucht es Offenheit und Flexibilität – und den Mut zum Schulterschluss mit Kolleginnen und Kollegen.
Wo bleibt der große Schulterschluss?
In Stuttgart hat sich hier in jüngerer Zeit viel bewegt. Es muss aber noch deutlich mehr geschehen. Noch immer etwa fehlt dem Galerienrundgang Art Alarm die selbstverständliche Ankopplung an Ausstellungseröffnungen und Veranstaltungen in den großen öffentlichen Ausstellungshäusern und Museen.
Flagge zeigen!
Nein, da verschwimmen keine Grenzen, wenn die Staatsgalerie, der Württembergische Kunstverein und das Kunstmuseum Stuttgart den privaten Galerien Rückenwind geben. Umgekehrt bilden ja die Galerien das Publikum immer wieder neu heran. Hier müssen die Galerien aber gerade jetzt, da dies kaum möglich scheint, Tempo machen – gemeinsam. Nur wer Flagge zeigt in dieser Stadt, kann dann an anderer Stelle mehr von der Stadt erwarten. Themen für eine Zukunft mit mehr Kunst in der Stadt gibt es genug.
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