Ministerin Susanne Eisenmann erklärte sich den Eltern. (Archivbild) Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Nach den Weihnachtsferien hat sich eine Elternsprecherin aus Esslingen mit einem Beschwerdebrief an Kultusministerin Eisenmann gewandt. Die Antwort kam – und sie ging in die Tiefe der Digitaltechnik.

Stuttgart - Etwas mehr als drei Wochen hat es gedauert, dann hatte Andrea Flaccus den Antwortbrief von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) in ihrem Briefkasten. Die Elternvertreterin einer siebten Klasse des Mörike-Gymnasiums in Esslingen hatte sich nach dem Ende der Weihnachtsferien über die Pannen mit der Lernplattform Moodle beschwert. Und Eisenmann antwortete zumindest in der Briefanrede handschriftlich: „Liebe Frau Flaccus“, schreibt die Ministerin, „ich danke Ihnen für Ihre Nachricht, die ich gerne persönlich beantworte.“

 

Rund 600 000 nutzen Moodle an den Schulen

Eisenmann erklärt, dass derzeit etwa 600 000 Nutzer und etwa die Hälfte aller Schulen die Lernplattform Moodle benutzen. Das Ministerium und das Landeshochschulnetz BelWü hätten sich eng mit anderen Ländern, die Moodle ebenfalls nutzen, ausgetauscht. Seit März 2020 arbeiteten Ministerium und BelWü daran, die Moodle-Prozesse zu verbessern, um die Rechenleistung und die Arbeitsspeicher der einzelnen Server „optimal“ auszutarieren. So seien Updates vorgenommen worden, man habe zusätzliche Plugins eingespielt und Sicherungen gegen Hackerangriffe eingebaut. Und schon im März habe das Ministerium für alle Schulen neue Moodle-Installationen auf leistungsfähigeren Servern zur Verfügung gestellt sowie die Speicherkapazitäten erhöht – das habe 2,25 Millionen Euro gekostet.

Nach dem Frühjahr kamen Updates hinzu

Später – von Mai bis Dezember – seien weitere Updates vorgenommen worden, auch sei die Moodle-App für die Schulen gekommen, damit mobile Endgeräte komfortabler mit Moodle arbeiten können. Man habe die Plattform bedienerfreundlich gemacht und technisch optimiert. Und für all das habe das Land nochmals fast 400 000 Euro investiert.

Digitale Wartungsarbeiten in den Weihnachtsferien

In den Weihnachtsferien sei die Kapazität des Videokonferenztools Big-Blue-Button dann verbessert worden und die Rechenleistung der Moodle-Server habe man optimiert. „Die Puffer-Rechenkapazität wurde um 50 Prozent vergrößert“, schreibt die Ministerin, und nochmals sei der Schutz vor Hackerangriffen verbessert worden. Kostenpunkt: rund 250 000 Euro. Insgesamt habe das Land für Moodle, BigBlueButton, das Videokonferenztool Jitsi sowie für Fortbildungen und die Sesam-Mediathek rund 8,4 Millionen Euro ausgegeben. Und im neuen Jahr werde man Moodle weiterentwickeln – 9,8 Millionen Euro sind eingeplant. Ständig werde man die Serverkapazitäten bei Moodle und BigBlueButton anpassen, damit die Systeme stabil laufen.

Die Briefempfängerin vermisst jegliche Fehleranalyse

Mit guten Wünschen an die Familie schließt die Ministerin – doch Andrea Flaccus bleibt nach der Brieflektüre etwas enttäuscht zurück. Das sei ja mehr eine Leistungsbilanz gewesen, sagt sie: „Unterm Strich hätte ich mir gewünscht, dass in dem Schreiben auch auf Fehler und Versäumnisse eingegangen worden wäre.“ Auf das, was nicht funktioniere – so gebe es regelmäßig montags Probleme mit Moodle – sei die Ministerin gar nicht eingegangen. „So wie sich der Brief für mich liest, müsste alles bestens funktionieren“, sagt Flaccus. Aber sie sei froh, überhaupt eine Antwort erhalten zu haben, das sei ja mehr, als sie erwartete. Ob die Ministerin ihr auch geantwortet hätte, wenn ihr Beschwerdebrief nicht in einem Bericht unserer Zeitung erwähnt worden wäre, das wisse sie nicht.