Kauz liebt Kekse: Gemeinsam haben die Puppenspielerin Heidrun Warmuth und die Regisseurin Angelika Jedelhauser (rechts) das Figurentheaterstück um den zauberhaften kleinen Süßschnabel geschrieben, entwickelt und in Szene gesetzt. Foto: /Gaby Weiß

Die Puppenspielerinnen Heidrun Warmuth und Angelika Jedelhauser haben mit „Kauz und Kekse“ eine Geschichte über das Alleinsein als Figurentheater für Kids ab vier Jahren entwickelt. An diesem Sonntag, 5. Mai, ist Premiere im Esslinger Kulturzentrum Dieselstraße.

Wenn sich der Theatervorhang öffnet und das Stück beginnt, ahnt kaum jemand, wie viel Arbeit im Vorfeld geleistet werden musste. Heidrun Warmuth und Angelika Jedelhauser haben ziemlich genau ein Jahr an ihrem Stück „Kauz und Kekse. Geschichten unterm Dach“ gefeilt, bevor es nun an diesem Sonntag, 5. Mai, im Esslinger Kulturzentrum Dieselstraße Premiere feiert. Die beiden freischaffenden Theaterfrauen haben sich die berührend-witzige Geschichte ausgedacht, den Text entwickelt, die Dramaturgie entworfen, Puppe, Requisiten und Bühnenbild gebaut, Licht, Ton und Technik eingerichtet und Produktion und Organisation gestemmt.

 

Drei Ausgangspunkte gab es für „Kauz und Kekse“: Erstens wollten die beiden Puppenspielerinnen ein gemeinsames Projekt in Angriff nehmen. Zweitens haben sich beide für das Thema Alleinsein interessiert. Und drittens wollte Heidrun Warmuth immer schon mal ein Käuzchen auf die Bühne bringen. Gesagt, getan. Zuerst sammelten sie alles, was sie über das Alleinsein finden konnten: „Das betrifft viele Menschen jeden Alters, auch Kinder, und natürlich viele Ältere“, erzählt Heidrun Warmuth, die in Esslingen lebt. Schnell fanden sie heraus, dass das Thema zwei verschiedene Seiten besitzt: „Es gibt das schöne Alleinsein, das Ruhe, Muße und eine Rückzugsmöglichkeit bedeutet. Aber es gibt auch die weniger schöne Einsamkeit, wenn man verlassen wird, wenn man traurig ist, wenn man keine Freunde findet“, ergänzt Angelika Jedelhauser.

Immer wieder mussten auch tolle Einfälle gestrichen werden

Langsam entwickelte sich die Geschichte um ein Kekse liebendes Käuzchen und um Irma, die ins Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses einzieht und Kontakt zu ihren neuen Mitbewohnern knüpfen möchte: Ideen kamen, wurden verfolgt oder wieder verworfen. Immer wieder führte der Weg in eine Sackgasse. Dann hieß es: umkehren, neu beginnen. Fragen über Fragen mussten geklärt werden: Ist Irma brummig oder freundlich? Wie heißen die Nachbarn? Was für Typen sind das? „Wir haben improvisiert, drauflos gespielt und vieles ausprobiert, um unseren Figuren näherzukommen. Man tastet sich heran“, beschreibt Heidrun Warmuth den Entstehungsprozess. Dabei mussten immer wieder auch tolle Einfälle gestrichen werden, erinnert sich Angelika Jedelhauser: „Es tut echt weh, sich von Liebgewonnenem zu verabschieden. Aber genau das ist die Kunst: sich auf das Einfache und Klare zu beschränken und den Kern der Geschichte sauber herauszuarbeiten.“ Beide haben viel Erfahrung mit Kindertheater und wissen, dass die kleinen Zuschauer vor allem ernst genommen werden wollen: „Kinder verstehen mehr, als man denkt“, betont Heidrun Warmuth. Trotzdem finden sie es wichtig, dass es im Stück unterschiedliche Verständnisebenen für Kinder und für Erwachsene gibt.

Lange wurde am dramaturgischen Aufbau gefeilt. Rhythmus, Dynamik und Tempowechsel spielen eine große Rolle. Heidrun Warmuths Bewegungen auf der Bühne wurden exakt choreografiert, ruhige und quirlige Passagen wechseln sich ab: „Kleine Leute, kleine Bögen von Spannung und Entspannung“, benennt Angelika Jedelhauser einen Erfahrungswert aus dem Kindertheater. Während Warmuth auf der Bühne spielt und die Kauz-Puppe führt, übernimmt Jedelhauser die Regie. Im nächsten, bereits geplanten Stück der beiden Frauen soll es dann umgekehrt sein. „Man braucht jemanden, der von außen draufguckt, der mit überlegt, der auch mal eine andere Meinung hat“, schätzt Heidrun Warmuth die kollegiale Arbeit am Stück. Und trotzdem kamen die beiden bei „Kauz und Kekse“ irgendwann an einen Punkt, an dem sie das Stück, ihr Können, ihren Beruf und sich selbst komplett in Frage stellten. „Das geschieht bei jeder neuen Produktion. Aber wir hatten unsere Tiefs nie gleichzeitig: Wenn Heidrun down war, konnte ich sie aufrichten. Und umgekehrt hat sie mir Mut gemacht, wenn ich gezweifelt habe“, erzählt die Regisseurin.

Musik von Andieh und Heiner Merk

Heidrun Warmuth hat die Käuzchen-Puppe gebaut, ihr Leben eingehaucht und eine Stimme für ihren tierischen Bühnenbegleiter gesucht: tiefer, höher, mehr oder weniger krächzend? Mit den Musikern Andieh und Heiner Merk wurde Musik komponiert und eingespielt. Jetzt unternimmt der kleine Kauz seine nächtlichen Flüge zum samtigen Ton einer Holzquerflöte. Aus einer Klappleiter wurde das Bühnenbild gebaut, die Requisiten wurden besorgt, Licht- und Tontechnik mussten beschafft und eingerichtet werden. Parallel dazu gab es jede Menge Bürokram zu erledigen: Probenraum organisieren, Finanzierungsplan schreiben, Förderanträge stellen, Plakat entwerfen, Werbung machen, Kinder als Test-Publikum einladen.

So vieles muss bedacht und erledigt werden, bevor sich bei der Premiere am 5. Mai der Vorhang heben kann. Von A bis Z alles selbst zu machen, könne ziemlich anstrengend sein, gestehen die beiden, habe aber einen ganz großen Vorteil: „Wir haben alle Freiheiten der Welt.“

Zwei Puppenspielerinnen und ihr Projekt

Bühne
Heidrun Warmuth hat nach einem Lehramtsstudium eine Ausbildung als Puppenspielerin an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin absolviert. Sie wirkt an unterschiedlichsten Theaterprojekten im In- und Ausland mit, arbeitet für den Rundfunk, liest Hörbücher ein, schreibt Bühnenfassungen, baut Puppen „mit Seele“, führt Regie und verfasst Theaterstücke für Kinder. Sie lebt mit ihrer Familie in Esslingen.

Regie
Angelika Jedelhauser studierte Figurentheater an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Nach Lehr- und Wanderjahren an städtischen Puppentheatern gründete sie 2002 in Berlin das Figurentheater Unterwegs und ist seitdem mit ihren Stücken auf Reisen. Mit großer Begeisterung spielt und erfindet sie „Geschichten, die berühren und beflügeln“. Angelika Jedelhauser lebt mit ihrer Familie in Oberschwaben.

Stück
„Kauz und Kekse. Geschichten unterm Dach“ für Kinder ab vier Jahren feiert an diesem Sonntag, 5. Mai, um 15 Uhr Premiere im Esslinger Kulturzentrum Dieselstraße. Gefördert wurde das Projekt durch den Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg, die Stadt Esslingen und die Volksbank Mittlerer Neckar.

Weitere Infos
: www.heidrunwarmuth.de und www.figurentheater-unterwegs.de