Katinka Keller (links) und Liane Schmid vor dem Café Stella Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das Kultcafé feiert Geburtstag: Das Café Stella gibt es seit nun 30 Jahren. Die Geschäftsführerin Katinka Keller (28) und Liane Schmid (58), die ehemalige Betreiberin, sprachen mit uns über das perfekte Frühstück, über Kaffee zum Mitnehmen und den Kultfaktor der Lokalität.

Stuttgart - Herzlichen Glückwunsch, Frau Keller und Frau Schmid, Sie feiern jetzt dreißig Jahre Café Stella. Das ist eine lange Zeit für ein Café.
Schmid: Durchaus. Nach dem Soho waren wir mit die Ersten, die eine alternative Cafékultur etablieren wollten. Es gab ja sonst nur die traditionellen Oma-Cafés. Wir waren zu fünft, eine Art Kooperative und haben über ein Jahr gehämmert, geklopft und gemacht. Selbst die Tische haben wir selbst gebaut. 1986 kam der große Raum dazu. Zu Beginn hatten wir morgens schon um 6 Uhr geöffnet, nachts um 2 Uhr wurde der Laden abgeschlossen. Wir fünf standen im Schicht­betrieb im Laden. Die anderen sind nach und nach ausgestiegen und haben andere Sachen gemacht. Ich bin übrig geblieben.
Wie kommt es, dass sich das Stella an der eher unwirtlichen Hauptstätter Straße so lange halten konnte?
Schmid: Das ist eine C-Lage, nicht A und nicht B. Es ist verwunderlich, dass es das Café hier an dieser zehnspurigen Straße noch gibt. Das Stella wurde jedoch zu einem Kultcafé. Es kommen noch viele Stammgäste, die vielleicht mal eine Zeit lang weg, aber schon von Anfang an da waren. Laufkundschaft gibt es hier ja kaum. Jeder kommt gezielt hierher. Selbst in New York liest man im Reiseführer vom Café Stella. Wir sind immer drangeblieben, haben Konzerte, Lesungen oder Ausstellungen gemacht.
Und das Stella ist auch bekannt für sein ­Frühstück.
Schmid: Wir haben von Anfang an auf Qualität gesetzt. Es gab immer guten Käse und hochwertige Wurst, die Teller sind mit saisonalem Obst und Gemüse dekoriert. Inzwischen gibt es natürlich auch eine vegane ­Variante.
Wann war es für Sie, Frau Schmid, klar, dass Sie das Café jemand anderes übergeben wollen?
Schmid: Es ist nicht einfach, ein Café 362 Tage im Jahr zu betreiben. Von morgens bis nachts. Irgendwann dachte ich, dass es genug ist. Und es ist auch eine gute Idee, das Café nach so vielen Jahren in eine jüngere Hand zu geben.
Frau Keller, Sie sind seit eineinhalb Jahren Geschäftsführerin des Stellas. Was hat Sie daran gereizt?
Keller: Ich hatte Hotelfachfrau gelernt, den Hotelbetriebswirt gemacht, kam aus der Schweiz zurück nach Stuttgart und landete im Stella als Aushilfe. Durch Zufall bekam ich mit, dass Liane aufhören wollte. Und so wurde ich Geschäftsführerin.
Schmid: Ich war ausgepowert. Ich habe ­immer wieder nach einem Nachfolger gesucht. Mit Katinka hat das gepasst. Ich arbeite hier weiterhin als Best Girl, als Mädchen für alles. Und wenn Katinka im Urlaub ist, mache ich die Vertretung. Ich mache ­alles, was anfällt. Das macht Spaß. Hier im Stella arbeitet ein gutes Team. Es gibt immer noch auch einige andere Leute, die von ­Anfang an dabei sind.
Das Stella war und ist auch ein Ort der Kultur.
Schmid: Viele Künstler waren auch unsere Gäste. Ray Martin, Stefan Hiss oder Ute Lemper, die Fantastischen Vier, Max Herre und viele Schauspieler sind hier gelandet. Zam Helga hat hier oft gespielt, seine Frau arbeitet hier. Mit unserer Band Cleanin‘ Women haben wir hier im Prinzip unsere Proben gemacht, bis Udo Schöbel nach Berlin gegangen ist.
Wie hat sich die Café-Kultur in den vergangenen 30 Jahren in der Stadt entwickelt?
Schmid: Wir waren immer sehr geradlinig.. Wir hatten zum Beispiel von Anfang an Latte macchiato. Bis heute verwenden wir richtige Frischmilch. Aber einen Kaffee zum Mitnehmen bieten wir inzwischen natürlich auch an. Die Eier im Glas haben wir in die Stadt gebracht. Den schönen, gemischten Frühstücksteller hat man dann auch anderswo in der Stadt gefunden. Kein Wunder, so oft wie die Karte eingesteckt worden ist. Das vegane Angebot ist etwas, das sich hier ­verändert hat.
Und Sie sind bei der Obendrauf-Aktion dabei.
Keller: Das ist ein Projekt der Stadtisten. Wenn ein Gast einen Kaffee bestellt, kann er zwei ordern, einen konsumieren und den anderen spenden. Sozial Schwächere können diesen Kaffee trinken. Das ist eine tolle ­Sache. Die Gäste machen gern mit.
Gab es Zeiten, in denen die Zukunft des Stellas ungewiss war?
Schmid: Es gab immer Kämpfe. Ich hatte kein Geld für Investitionen größerer Art. Wichtig war für uns auch die Terrasse. Ohne Außenbestuhlung im Sommer schafft man das kaum. Mit den Jahren gab es immer mehr Cafés in der Stadt, auf der Theodor-Heuss-Straße ging der Barbetrieb los. Da kann man ohne Terrasse nicht bestehen. Das Angebot in der Stadt ist riesig, ständig eröffnen neue Läden. Die Leute essen viel aus der Hand.
Wie haben sich die Gäste entwickelt?
Keller: Allgemein kann man sagen, dass die Gesellschaft ausgehfreudiger geworden ist. Man geht auch mal an einem Dienstagabend ein Glas Wein trinken.
Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: