Der gewählte US-Präsident Donald Trump: Für seine Amtseinführung haben ihm viele große Stars eine Abfuhr erteilt. Foto: AFP

Wenn Donald Trump am Freitag seinen Eid ablegt, wird der rote Teppich ausgerollt – auch ein preisgekrönter Chor wird auftreten. Viele große Stars haben dem neuen US-Präsidenten zuvor eine Abfuhr erteilt.

Washington/Stuttgart - Alle vier Jahre feiert die amerikanische Republik in der Hauptstadt Washington ein zivilreligiöses Hochamt. Staatsakt und Volksfest in einem. Zur feierliche Amtseinführung eines neuen Präsidenten gehören das Zusammentreffen des neuen mit dem scheidenden Präsidenten im Weißen Haus, der Eid auf die Bibel, die Parade über die Pennsylvania Avenue und zahlreiche Bälle und Konzerte.

Normalerweise ist da eine Einladung, bei den Feierlichkeiten aufzutreten, für jeden Künstler wie ein Lottogewinn. Garantiert ein Auftritt doch maximale Aufmerksamkeit national wie international. Doch dieses Mal ist alles anders: Viele Popstars haben dem neuen Präsidenten Donald Trump eine Abfuhr erteilt. Für viele nicht wirklich überraschend angesichts der extremen Polarisierung, die mit allem einhergeht, was der Immobilienmogul tut oder sagt.

Zu den Prominenten, die bei der Feier singen werden, zählt jedoch der Mormon Tabernacle Choir. Ein mit vielen Preisen überhäufter Chor, der mit seinen 360 Sängerinnen und Sängern auf die Gründerzeit der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage im frühen 19. Jahrhundert zurückgeht. Der Mormonen-Chor hat schon bei sechs früheren Amtseinführungen für Präsidenten beider Parteien mitgewirkt – vom Demokraten Lyndon B. Johnson 1965 bis zum Republikaner George W. Bush 2001.

Singen für Amerika

„Die Teilnahme des Chores setzt eine lange Tradition fort, bei Amtseinführungen von US-Präsidenten und anderen Anlässen aufzutreten“, sagt Eric Hawkins, Sprecher der Mormonen-Kirche in Salt Lake City, im US-Bundesstaat Utah, unserer Zeitung. „Dies ist nicht als Unterstützung für eine bestimmte Partei oder Politik zu verstehen“, betont Hawkins. „Es ist vielmehr eine Demonstration unserer Unterstützung für Freiheit, Anstand und einen friedlichen Machtwechsel.“

Doch auch der Mormonen-Sprecher räumt diplomatisch ein, dass die Entscheidung zur Teilnahme an der Feier für Trump, der bisher nicht durch einen besonders religiösen oder tugendhaften Lebensstil aufgefallen ist, auch unter den Mormonen äußerst umstritten war. „Die Reaktion war gemischt. Die Leute brachten Opposition und Unterstützung zum Ausdruck.“ In der Tat hat mindestens ein Mitglied aus Protest zum Trump-Auftritt den Chor verlassen. Zudem unterzeichneten Tausende Mormonen eine Unterschriftensammlung, mit der sie den Chor dazu aufforderten, zuhause zu bleiben.

Diese Art des Ringens ist der Welt amerikanischer oder britischen Popstars und Entertainer ganz und gar fremd. Für die große Mehrheit unter ihnen liegt die Sache auf der Hand. „Wir neigen dazu, liberaler zu sein“, sagte der afroamerikanische R&B-Sänger John Legend schon im Dezember dem Sender BBC. „Wenn wir jemanden sehen, der Spaltung, Hass und Engstirnigkeit predigt, ist es unwahrscheinlich, dass er viele kreative Leute bekommt, die mit ihm in Verbindung gebracht werden wollen.“

Trump schmäht A-Promis

Die vielleicht peinlichste Absage bei der Vorbereitung der Amtseinführung handelte sich das Trump-Team von Elton John ein: Nachdem ein Mitarbeiter gegenüber dem britischen Sender stolz hinausposaunt hatte, dass der Sänger auftreten würde, ließ dessen Sprecher umgehend entschieden dementieren. Auch der italienische Startenor Andrea Bocelli, Musiker Moby, der Rapper Ice-T, Broadway-Sängerin Jennifer Holliday oder die Beach Boys waren laut US-Medien nicht für diese Amtseinführung zu gewinnen. Bei Barack Obamas Feierlichkeitenwaren dagegen noch Superstars wie Beyonce, Aretha Franklin, Bruce Springsteen und U2 aufgetreten.

Offiziell macht Trumps Team aber gute Miene zum schwierigen Spiel. „Das ist kein Woodstock“, sagte Boris Epshteyn, Sprecher des Amtseinführungskomitees, unlängst dem US-Sender CNN. „Das ist keine Sommer-Jam-Session. Es ist kein Konzert.“ Und Trump selbst, der sich eigentlich gerne mit Berühmtheiten aus dem Showgeschäft umgibt, schmähte über den Kurznachrichtendienst Twitter: „Die sogenannten A-Promis wollen alle nur Tickets für die Amtseinführung, aber schaut, was sie für Hillary getan haben, nichts“, so Trump. „Ich will die Menschen“, führt er seinen Feldzug gegen die bösen Eliten fort.

Ein paar weitere US-Entertainment -Größen konnte das Trump-Team freilich doch noch gewinnen. So wird es bereits am Donnerstagabend bei einem Willkommenskonzert am Lincoln Memorial, dem Denkmal für den Bürgerkriegspräsidenten Abraham Lincoln, Auftritte der Country-Stars Toby Keith und Lee Greenwood und der Rockmusiker 3 Doors Down nebst Feuerwerk geben. Am Tag der Amtseinführung wird Jackie Evancho, ein 16 Jahre alter Pop- und Klassikstar, die Nationalhymne singen. Die Country-Truppe Big & Rich spielt bei einer Gala, die bekannte New Yorker Tanztruppe The ­Rockettes nimmt an der Parade über die Pennsylvania Avenue zum Weißen Haus teil.

Nicht das erste Mal Massenproteste

Spitzenstars dagegen werden dann beim Frauenmarsch am Samstag auf der Washingtoner Museumsmeile zu sehen sein. Angekündigt haben sich unter anderem die Sängerinnen Cher und Kate Perry sowie die Schauspielerin Scarlett Johansson. Dieser Frauenmarsch wird wohl die größte Protestdemonstration von rund hundert verschiedenen Gruppen gegen Trump allein in der US-Hauptstadt sein. Außerdem sind Hunderte weitere Demonstrationen für Frauen- und Minderheitenrechte im ganzen Land geplant. Darin wird sich sicher auch der ein oder andere Abgeordnete der mehr als ein Dutzend Demokraten einreihen, der Trumps Vereidigung boykottiert. Insbesondere nach dem neu aufgeflammten Streit zwischen dem Abgeordneten John Lewis, einem Mitstreiter des schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King. Lewis hat die Rechtmäßigkeit von Trumps Präsidentschaft angezweifelt und wurde von diesem prompt per Twitter hart angegangen.

Nicht zuletzt deshalb ist der Aufwand, den die Sicherheitsbehörden beim Amtsantritt des 45.Präsidenten betreiben, enorm: Insgesamt 28 000 Beamte von der Polizei bis zur Nationalgarde sind im Einsatz. Die Kosten dafür werden auf umgerechnet mehr als 100 Millionen Euro geschätzt. Allerdings ist diese Amtseinführung nicht die erste, bei der es zu massiven Protesten kommt. Schon gegen die Republikaner Richard Nixon und George W. Bush gingen Kriegsgegner auf die Straße: 1969 gegen den Krieg in Vietnam und 2005 gegen den im Irak.

US-Historiker sind sich einig, dass die Feiern zur Amtseinführung seit jeher das Ziel verfolgten, ein gespaltenes Land nach einem erbitterten Wahlkampf wieder zu einen. Dazu gehörte auch, dass die Künstler über ihren eigenen politischen Schatten springen. Es sei allerdings kein Wunder, meint der Autor Jim Bendat in der „Washington Post“, dass diese 2017 „nicht mit jemandem zusammenarbeiten wollen, der so spaltet, wie Donald Trump“. Zur Versöhnung im Land ist es also noch ein sehr weiter Weg.