Ulrich Berner muss seine Kioske im Charlottenplatz schließen. Foto: Lg/Leif Piechowski

Ulrich Berner verkauft seit fast 30 Jahren Zeitungen und Tabakwaren in der Stadtbahnhaltestelle Charlottenplatz. Sein Pachtvertrag wurde ohne Begründung gekündigt. Er vermutet Geschäftsinteressen hinter der Aktion.

Stuttgart - Die Stadtbahn-Haltestelle Charlottenplatz ist eine der hochfrequentierten im Stadtgebiet. Ulrich Berner ist auf der ersten Ebene gleich neben dem SSB-Kundencenter seit 1993 Pressehändler, 2006 nahm er den Kiosk auf der gegenüberliegenden Seite mit dazu. Der wird von seinen Geschäftspartnern geführt. „Beide laufen gut“, sagt er. Trotzdem ist ihm für beide Geschäfte die Kündigung zum 1. Juni 2021 ins Haus geflattert. Berner hat Widerspruch eingelegt, doch ungeachtet dessen ist in dieser Woche eine Räumungsklage eingegangen.

Hat der Pächter zu günstig eingekauft?

Die Verpachtung der Verkaufsflächen in Haltestellen, die Presseerzeugnisse, Tabak und Kaffee zum Mitnehmen anbieten, haben die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) an die Süddeutsche Zeitungszentrale Wilhelm Voigt GmbH abgegeben. Die Gesellschaft hat ihren Sitz unter der Adresse des Pressegrossisten SZZ, eine Tochterfirma der SZZ Holding beliefert die Pächter mit Tabakwaren, Lebensmitteln und Getränken. „Die Mieter sind gehalten, dort die Tabakwaren zu kaufen“, sagt Ulrich Berner. Weil die teurer seien als bei anderen Anbietern, habe er insbesondere Sonderangebote geordert. Der 60-Jährige vermutet darin den Grund für die Kündigung seines Pachtvertrags.

Täglich 16 Stunden geöffnet

Seit fast 30 Jahren steht Ulrich Berner morgens um 3.30 Uhr in der Stadtbahn-Haltestelle Charlottenplatz, schließt seinen Kiosk auf und räumt Regale, Zeitungsständer und anderes Mobiliar hinaus in die Passage, um 4 Uhr öffnet der Kiosk. Wenn die ersten Kunden kommen, sind alle gelieferten Zeitungen und Zeitschriften ausgepackt und ansprechend präsentiert, abends um 20 Uhr geht alles wieder retour.

Keine Hilfe von der städtischen Tochterfirma

Verlässlich sei er gewesen, „wir sind keine Miete schuldig geblieben und haben unsere Umsatzvereinbarung erfüllt“, sagt Ulrich Berner. Auch die SSB, die er um Hilfe gebeten hat, lässt ihn wissen, dass sie „an die vertraglichen Regelungen mit der SZZ Wilhelm Voigt GmbH gebunden“ sei, und die wiederum habe auf Anfrage der SSB mitgeteilt, dass die Entscheidung nicht zurückgenommen werde. Auch ein Bittschreiben an Oberbürgermeister Frank Nopper als Aufsichtsratsvorsitzender der SSB habe nicht zu einer Wende geführt. Ulrich Berner, seine beiden Geschäftspartner, zwei Festangestellte und drei Aushilfen werden wohl in drei Wochen arbeitslos sein, wenn die Auseinandersetzung kein neues Ergebnis bringt.

Die SZZ W. Voigt GmbH möchte sich im Rahmen des jetzt auf juristischer Ebene geführten Verfahrens nicht zu Details der Kündigung äußern, nur zur Zukunft des Geschäftslebens im Charlottenplatz: „Wir können Ihnen versichern, dass wir an diesem Standort auch zukünftig einen Zeitungs- und Zeitschriftenkiosk verpachten werden“, teilt Geschäftsführer Jürgen Kieslich mit.

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