Der Ministerpräsident Kretschmann lässt es sich schmecken. Foto: dpa

Winfried Kretschmann ist mit seiner Heimatzunft Gole eng verbunden und kam wie jedes Jahr zum traditionellen Froschkuttelnessen. Immerhin. Kein Frosch musste dafür sein leben lassen.

Riedlingen - Fastnachtsdienstag, 8.30 Uhr in Riedlingen: 350 Männer mit lustigen Hüten, Zylindern und Perücken versammeln sich im Rathaus und paffen Zigarre. Danach fassen sie sich an die Schultern, schunkeln eine Runde durch die Altstadt und rufen lautstark „Gole!“.

Im Rathaussaal singen sie nach der Polonaise derbe Lieder und essen genussvoll eine braune Suppe aus Rinderinnereien. Schließlich schieben sie sich angeheitert in den ersten Stock ins Büro des Bürgermeisters, steigen durch das Fenster und rutschen fröhlich-jauchzend auf einer Holzrutsche auf den Marktplatz, wo ihre Frauen sie tanzend erwarten. Bitte was?

Die schwäbisch-alemannische Fastnacht geizt wahrlich nicht mit Bräuchen, aber das Froschkuttelnessen in Riedlingen (Kreis Biberach) ist schon eine Tradition für sich. Das liegt auch an prominenten Ehrengästen: Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ging in Riedlingen zur Schule und hält seiner Heimatzunft Gole die Treue. Seit fast 40 Jahren löffelt er tapfer seinen Teller Kutteln leer. „Der Hunger treibt’s nei!“, sagt er mit schwäbischer Entschlossenheit. Auch CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf schlürft seit mehreren Jahren mit.

Kuttelnessen wegen politischer Prominenz Medienereignis

Der Brauch ist alt. Zum 187. Mal tischt die Narrenzunft Gole dieses Jahr auf. Das Kuttelnessen ist wegen der politischen Prominenz mittlerweile ein Medienereignis, bringt Riedlingen in die Schlagzeilen. Und dieses Jahr fällt der Fastnachts-Wahnsinn auch noch mitten in die Hochphase des Landtagswahlkampfs. Langsam wird das den Narren unheimlich. „Wir haben uns schon Gedanken gemacht um den ganzen Rummel“, erzählt Zunftmeister Thomas Maichel (49). „Das ist ja keine politische Veranstaltung.“ Die Riedlinger wollen ihre Traditionen wahren. Erstmals dürfen die Journalisten nur kurz für ein paar Bilder in den Saal, werden dann vom Treffen verbannt.

Nicht, dass die Kuttelnkonversation besonders spektakulär wäre. Die Narren singen, schunkeln, klatschen, reimen. Die Luft ist stickig im Rathaussaal. „Do rei, Kuttle rei!“ rufen sie um 10.03 Uhr, die begehrten braunen Innereien dampfen aus blechernen Töpfen, werden dann tellerweise in den Saal getragen. 140 Kilo Kutteln. Dann wird gelöffelt. Die beiden kuttelnkauenden Kontrahenten verziehen keine Miene. Nach sieben Minuten sind beide Teller leer.

„Wir reden über die Substanz der Kutteln“

Nebeneinander sitzen die beiden dieses Jahr jedenfalls nicht. „Ich habe mir als Ehrenzunftmeister das Privileg herausgenommen, die zwei Konkurrenten auf Abstand zu halten“, witzelt Peter Bucher, der zwischen Wolf und Kretschmann Platz genommen hat. Der 64-jährige spielte mit Kretschmann in den 60-er Jahren in der Stadtkapelle. „Wir meiden die Politik in der Zunft. Es wurde gesittet gegessen!“

Auch die Kontrahenten wollen an diesem Tag lieber über Innereien philosophieren. „Wenn man hier nicht abschalten kann, wo könnte man dann abschalten?“, fragt Kretschmann. „Heute reden wir sicher nicht über die Politik. Wir reden über die Substanz der Kutteln“, sagt CDU-Gegner Wolf.

Herzhaft? Flüssig? „Da gibt es jedes Jahr genug darüber zu reden.“ Das Kuttelnessen sei eine Chance, „ein Viertele miteinander zu trinken, uns zu entspannen angesichts dessen, was in den nächsten Wochen auf uns zukommt.“ Innereien als deftige Stärkung vor dem politischen Endspurt? „Wer die Kutteln bezwungen hat, ist gestärkt für weitere Herausforderungen“, findet Wolf. Der Wahlkampf kann weitergehen.

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