Die Filiale in Hildrizhausen wird im Dezember 2022 geschlossen und mit dem Altdorfer Standort zusammengelegt. Foto: /Stefanie Schlecht

Filialschließungen, neue Beratungscenter und geänderte Service-Zeiten bei der Kreissparkasse Böblingen. Doch was sagen die Bürger? Die junge Generation zeigt sich unbekümmert, die ältere dafür umso skeptischer.

Kreis Böblingen - Vor einer Woche hat der Vorstand der Kreissparkasse Böblingen (KSK) das neue Standort- und Beratungskonzept vorgestellt. Im Laufe der nächsten Monate soll das Filialnetz schrittweise umstrukturiert werden. Das bedeutet: Zehn Filialen werden geschlossen und in bereits bestehende Standorte integriert. 13 Standorte sollen gestärkt werden, indem sie zu größeren Beratungscentern werden. Zudem werden die Servicezeiten angepasst: Ab Februar schließen die Filialen durchgängig um 17 Uhr, am Dienstagnachmittag gibt es keinen persönlichen Service mehr.

 

Mit dem neuen Konzept wolle man veränderten Kundenbedürfnissen Rechnung tragen. Mehr bargeldlose Transaktionen hätten zu einer rückläufigen Frequenz in den Filialen geführt. Diese Entwicklung wurde durch die Corona-Pandemie nochmals verstärkt. Stand Juni 2021 nutzen 67,5 Prozent der Kunden der Kreissparkasse Böblingen Online-Banking, etwa sieben Prozent mehr als noch im Januar 2019.

Die Jüngeren sehen die Filialschließungen gelassen

„Der Trend setzt sich weiter fort“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale in Stuttgart. Tatsache sei, dass alle großen Institute immer wieder Filialen schließen und die Kunden schon seit längerem in die Selbstbedienungsbereiche der Filiale „leiten“, wo die Automaten stehen. Die Mitarbeiter in den größeren Beratungscentern sollen vermehrt Beratungs- und Verkaufsgespräche führen und weniger mit „Kleinkram“ beschäftigt sein. Beschwerden von Kunden bei der Verbraucherzentrale hielten sich in Grenzen – doch wenn, dann seien eher Ältere die Beschwerdeführer.

Doch was sagen Bankkunden im Kreis Böblingen zu den Umstrukturierungen? Die beiden Teenager Taurun und Laura sehen die Filialschließung am Böblinger Postplatz und die Integration in die nahe gelegenen Standorte Bahnhofstraße und Herdweg gelassen: „Bei uns läuft sowieso alles über E-Banking“, sagt Taurun. Eine Servicefiliale habe der 17-Jährige zum letzten Mal vor vier Jahren von innen gesehen.

„Der Gemeinde geht etwas verloren“

Anders sieht es dagegen Harald Dober: Der 61-Jährige halte die Neuerung für „schlecht“. Dober und seine Frau nähmen die Serviceleistungen am Postplatz sehr häufig in Anspruch. Das Ehepaar muss künftig etwa 600 Meter weiter zur nächsten Filiale laufen, doch es werde die „Vertrautheit“ und die „guten Parkmöglichkeiten“ der Postplatzfiliale vermissen. Als Pensionierter sei er glücklicherweise nicht von den eingeschränkten Servicezeiten betroffen. Für Erwerbstätige schätze er die erneuerten Geschäftszeiten jedoch als „problematisch“ ein.

Die Niederlassung Hildrizhausen wird im Dezember 2022 mit der Filiale Altdorf zusammengelegt. Um Serviceleistungen in Anspruch nehmen zu können, müssen die Hildrizhausener dann in die nächstgelegene Gemeinde fahren. Leonie Wacker etwa findet die Filialschließung schade: „Dadurch geht unserer Gemeinde wieder etwas verloren“, bedauert sie. Dennoch werde sie von der Schließung voraussichtlich nicht sonderlich betroffen sein. Serviceleistungen nehme sie nur selten in Anspruch, lediglich für große Transaktionen. Sie sei in erster Linie froh, dass der Geldautomat weiterhin zu Fuß erreichbar bleibt.

Haben Ältere mit Online-Banking „nichts am Hut“?

Sparkassen-Kundin Klara Hellmaier dagegen findet das neue Konzept „nicht geschickt“. Der neue Standort läge zwar nur zwei Kilometer entfernt, für Senioren wie sie werde der Weg zur Bank aber trotzdem zum Kraftakt. „Dann müssen wir den Bus nehmen“, sagt die 89-Jährige. „Oder unsere Kinder fragen, ob sie uns fahren“, ergänzt Freundin Emilie Fröhlich (83). Noch ist die zentral in Hildrizhausen gelegene Sparkasse bequem zu Fuß zu erreichen. Dass gerade kleine Dörfer, in denen viele ältere Menschen wohnen, von den Filialschließungen betroffen sind, finden die beiden Damen deshalb ärgerlich. Dennoch sind sie erleichtert, dass man am gewohnten Standort weiterhin Geld abheben kann. „Mit Online-Banking haben wir ja nichts am Hut“, sagt Emilie Fröhlich.

Manfred Koebler, Vorsitzender des Kreisseniorenrates in Böblingen, kennt derartige Sorgen seiner Mitglieder: „Es ist hart, wenn zehn Filialen schließen“. Insbesondere, da viele Senioren im Hinblick auf Online-Banking skeptisch seien und das Gefühl hätten, ihre Daten „zu veräußern“ oder zu viel von sich selbst im Internet preiszugeben. Doch Koebler glaubt auch: „Die Sparkasse muss der Digitalisierung Rechnung tragen – mit allen Vor- und Nachteilen.“ Er sei zudem „erschrocken“, wie viele über 65-Jährige kein Smartphone besäßen und ist sich sicher: „Wir Älteren müssen unbedingt Smartphones verwenden.“

Älteren müsse die Angst vor dem Digitalen genommen werden

Um hier nachzuhelfen, bietet der Kreisseniorenrat Computer- und Smartphone-Kurse an. „Wir haben auch Smartphone-Projekte für sogenannte Nonliner“, sagt Koebler. In diesen Pilotprojekten in sieben Kommunen erhielten Ältere für drei Monate probeweise ein Smartphone und werden bei der Nutzung betreut. Zwei Forderungen hat Koebler dennoch an die Banken: „Wichtig ist, dass die Selbstbedienungsgeräte erhalten bleiben.“ Es gebe Banken, die nicht einmal eine Vorrichtung für einen Überweisungsträger besäßen. Zum anderen sei es bei den Schließungen der Filialen umso wichtiger, dass die Berater erreichbar für die Älteren seien. Und ihnen vielleicht sogar ein Stück weit die Angst nehmen, „in unsicheren Gefilden zu sein“.

„Unsere Erfahrung zeigt, dass auch bei älteren Menschen mittlerweile eine hohe Kompetenz in puncto Online-Banking und Nutzung moderner Medien vorhanden ist“, sagt Detlef Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Böblingen. Um alle Altersgruppen mitzunehmen, biete die Sparkasse Infomaterial zum Online-Banking an. Und mit dem „Service auf Termin“ könne der Sparkassenbesuch zum Beispiel mit anderen Terminen vor Ort ohne Wartezeit kombiniert werden. Für die lokale Versorgung mit Bargeld sei mit den SB-Automaten vor Ort gesorgt, sagt Schmidt.