Der Beruf des Kochs ist bei vielen Auszubildenden eher unbeliebt, nicht alle Plätze konnten in diesem Jahr besetzt werden. Foto: dpa

Von den 2701 Jugendlichen aus dem Kreis, die 2016/2017 eine Ausbildungsstelle gesucht haben, sind bis auf 17 alle fündig geworden. An den Traumberufen der jungen Leute hat sich nicht viel geändert.

Böblingen - Ob Verkäufer, Mechatronikerin oder Bankkauffrau: Jugendliche im Kreis Böblingen, die eine Ausbildungsstelle suchten, hatten im Ausbildungsjahr 2016/2017 glänzende Chancen eine passende Stelle zu finden. Das hat die Agentur für Arbeit Stuttgart, die auch für den Kreis Böblingen zuständig ist, am Freitag bekannt gegeben. Demnach fanden von 2701 Bewerbern im Kreis 2684 bis zum Stichtag am 30. September eine Ausbildungsstelle. „Das ist eine sehr erfreuliche Situation“, sagt Christine Käferle, die Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Stuttgart.

Der Ausbildungsmarkt habe sich so gut entwickelt, „weil es mehr Stellen als Bewerber gibt.“ Das wird deutlich, wenn man die Zahlen aus dem Agenturbezirk Stuttgart, zu dem neben dem Kreis Böblingen auch die Landeshauptstadt gehört, betrachtet. Dort waren in 2016/2017 7003 freie Ausbildungsplätze gemeldet worden – allerdings gab es nur 5965 Bewerber. Da viele Jugendliche auch aus dem Kreis Böblingen nach Stuttgart einpendelten, müsse man beide Märkte gemeinsam betrachten, sagt Käferle. Nur mit dem Angebot an Stellen im Kreis Böblingen (2322) hätte man die Nachfrage der hiesigen Bewerber nicht decken können. „Hier gibt es einen Bewerberüberhang“, sagt Käferle. Die Nähe zu Stuttgart habe sich für die Jugendlichen also positiv ausgewirkt. Käferle: „Viele von ihnen haben eine Stelle in ihrem Wunschberuf gefunden.“

„Traumjobs“ sind unverändert

Welche Berufe die Jugendlichen bevorzugen, daran habe sich seit langem nicht viel verändert, sagt Anne Beyer, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit in Böblingen. Hoch im Kurs stünden Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement, Kraftfahrzeugmechaniker/in für PKW-Technik oder Industriekaufmann/frau. Trotz aller Bemühungen seien die Berufswünsche recht geschlechtsspezifisch. „Jungs wollen am liebsten an etwas herumschrauben, Mädchen wollen lieber ins Büro“, fasst Anne Beyer ihre Erfahrungen plakativ zusammen.

Nicht immer passten die Vorstellungen der jungen Leute über ihre berufliche Zukunft allerdings auch mit dem Angebot zusammen. So waren beispielsweise 179 Stellen als Kaufmann / Kauffrau im Einzelhandel ausgeschrieben, als Wunsch wurde dieser Beruf allerdings nur von 137 Jugendlichen angegeben. Schlussendlich blieben 22 Stellen in diesem Bereich unbesetzt. Das Problem bei diesem Beruf: „Viele Jugendliche möchten bei einer der bekannten Modeketten arbeiten, doch die bilden häufig gar nicht aus“, sagt Anne Beyer. Viele offene Stellen gebe es dagegen immer im Lebensmittelhandel – allerdings sei das Interesse daran wiederum nicht so groß.

„Da geht es oft ums Prestige“

Unbesetzt blieben im Kreis Böblingen beispielsweise auch 15 Ausbildungsstellen als Fleischereifachverkäufer/in, elf als Friseur/in und acht als Koch/Köchin. Abgenommen habe auch die Nachfrage nach der Ausbildung als Bankkauffrau/mann. „Früher versprach dieser Beruf Sicherheit“, sagt Anne Beyer, allerdings habe sich dieses Gefühl seit der Finanzkrise geändert.

17 Jugendliche aus dem Kreis Böblingen haben der aktuellen Auswertung zufolge bis zum Stichtag am 30. September keinen Ausbildungsplatz gefunden. Die Gründe dafür seien individuell, sagt Beyer. Was ihr auffällt, ist, dass einige Jugendliche einen ganz bestimmten Arbeitgeber im Kopf haben. „Sie wollen unbedingt zu Daimler, Porsche oder Bosch“, sagt die Berufsberaterin. Und wenn sie nicht auf Anhieb einen Ausbildungsplatz bekämen, dann warteten sie lieber ein Jahr, statt sich etwa bei einem mittelständischen Unternehmen zu bewerben. „Da geht es oft ums Prestige.“

1800 offene Stellen bereits gemeldet

Erfolge hat die Agentur für Arbeit auch auf dem Bereich der Vermittlung von jugendlichen Flüchtlingen zu verzeichnen. Insgesamt 103 junge Menschen aus Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien, die im Kreis Böblingen leben, hätten sich auf die Suche nach einer betrieblichen Ausbildung gemacht, das waren doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Bei 49 von ihnen sei dies von Erfolg gekrönt gewesen. Drei seien am 30. September noch ohne Alternative gewesen. Die übrigen hätten beispielsweise einen regulären Job gefunden oder würden geförderte Praktika absolvieren, erklärt Carmen Gutierrez Gnam, die Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Stuttgart.

Die Auswahlprozesse für das anstehende Ausbildungsjahr laufen bereits. 1800 offene Stellen wurden im Kreis Böblingen bereits gemeldet.

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