Personalmangel in Krankenhäuser in Stuttgart Stadt schafft Anreiz mit Mitarbeiterwohnungen

Von Mathias Bury 

Das Haus am Killesberg  soll für Personalappartements genutzt werden. Foto: Lg/ Zweygarth
Das Haus am Killesberg soll für Personalappartements genutzt werden. Foto: Lg/ Zweygarth

Die Krankenhäuser in Stuttgart suchen Personal. Ein Anreiz für Bewerber sind Mitarbeiterwohnungen. Die Stadt stellt den Klinikträgern als Hilfe nun 40 Personalappartements zur Verfügung. Aus gutem Grund.

Stuttgart - Der Fachkräftemangel nimmt zu, gerade im Gesundheitswesen. Auch die Krankenhäuser in Stuttgart haben vermehrt offene Stellen, ein Teil kann noch mit Leasingkräften besetzt werden. Bei der Werbung um neue Mitarbeiter stehen alle Stuttgarter Träger vor einer Schwierigkeit: In der Stadt fehlt es an Wohnungen, die vorhandenen sind oft sehr teuer. Nicht selten entscheiden sich Bewerber für Angebote in anderen Regionen.

„Die Unterbringung von Personal ist das entscheidende Problem“, fasst Krankenhausbürgermeister Michael Föll (CDU) die Lage der Krankenhäuser bei der Personalgewinnung zusammen. Die Bemerkung machte Föll im Krankenhausausschuss des Gemeinderats nicht als Oberaufseher des städtischen Klinikums, sondern als Vorsitzender des Verbands der Stuttgarter Krankenhäuser.

Subvention beläuft sich über die Laufzeit auf 231 000 Euro

In dieser Rolle machte er dem Rat den Vorschlag, dass die Stadt das in Teilen ungenutzte Altenheim Haus am Killesberg des DRK-Kreisverbandes bis zum Jahr 2022 mietet. Aufwand: mit Nebenkosten 14,30 Euro pro Quadratmeter. Die 40 Appartements sollen dann etwas günstiger (inklusive Nebenkosten für 12 Euro pro Quadratmeter) an andere Stuttgarter Krankenhausträger für neu gewonnene Mitarbeiter abgegeben werden, nach einem Schlüssel anhand der Planbettenzahl. Die Subvention summiert sich über die Laufzeit auf 231 000 Euro. Das städtische Klinikum soll bei der Vergabe „ausdrücklich nicht zum Zuge kommen“.

Fölls Begründung: Die Stadt habe in der Gesundheitsversorgung der Bürger einen „Sicherstellungsauftrag“, bei dessen Erfüllung neben dem eigenen Klinikum „die anderen Häuser eine sehr wichtige und von uns geschätzte Rolle spielen“. Und: Die Stadt bringe selbst „erhebliche Mittel aus dem Stadthaushalt für die Sanierung der Personalwohnungen des Klinikums“ auf.

SWSG übernimmt Klinikwohnungen

Es ist tatsächlich nicht lange her, da hat der Rat die Übernahme der für das Klinikum belastenden Personalwohnungen durch die Wohnungsbautochter SWSG beschlossen. Kostenpunkt: knapp 23,5 Millionen Euro. Die SWSG wird die Wohnungen und Zimmer in den nächsten Jahren für 73 Millionen Euro sanieren. Alleine die zehn Millionen Euro, welche die Stadt selbst für die Sanierung vorgesehen hatte, sollen nun in Zuschüsse zur Begrenzung der Mieten für Mitarbeiter fließen. Aus den 865 Wohnplätzen, die man im Vorjahr noch hatte, sollen bis 2024 insgesamt 794 moderne Wohnplätze werden – in 495 Apparements, 69 Wohnungen, der Rest in Zimmern und Wohngemeinschaften. Das Klinikum werde dann durch die „deutlich verbesserte Wohnstruktur einen wichtigen Faktor zur erhöhten Arbeitgeberattraktivität erzielen“, heißt es dazu in der Verwaltungsvorlage vom vorigen September.

Nicht zu reden von den zuletzt wohl mehr als 1,5 Milliarden Euro, welche die Stadt in die Neuordnung ihres Klinikum steckt. Kürzlich hat der Rat für das weitere Bauprogramm 750 Millionen Euro bewilligt. Neben weiteren zweistelligen Millionenzuschüssen pro Jahr trägt die Stadt wie die Jahre davor auch für 2017 das Defizit von 18,9 Millionen Euro, 2016 sind es sogar 23,6 Millionen Euro gewesen.

Kritische Stimmen der Konkurrenz

Kein Wunder, dass die Verantwortlichen der anderen Träger die Steuergeldflüsse aus der Stadtkasse ins eigene Klinikum mit Argusaugen beobachten. „Das ist eine sehr positive Maßnahme, ein echtes Entgegenkommen“, sagt Bernd Rühle, der im Vorstand des Verbands der Krankenhäuser sitzt, über das Angebot des Bürgermeisters. Der hatte dieses gegenüber dem Rat ehrlicherweise als „besser als nichts“ bezeichnet. Rühle erklärt denn auch: „Das Zeichen war nötig.“ Es sei jedenfalls „lange her, dass die Stadt sich zu den anderen Trägern bekannt hat“. Auch Mark Dominik Alscher, der ärztliche Geschäftsführer des Robert-Bosch-Krankenhauses, nennt Fölls Initiative ein „tolles Signal“.

Mehr aber ist es auch nicht. Bernd Rühle nimmt, wenn es um das Verhältnis der Stuttgarter Krankenhäuser zum Klinikum geht, auch das Wort von der „Wettbewerbsverzerrung“ in den Mund. Gewiss trage das städtische Klinikum als Haus der Maximalversorung, mit dem Olgäle, mit vielen Hochkostenfällen und anderem mehr eine besondere Last. Aber für die übrigen Häuser gelte wie für das Diakonie-Klinikum: „Wir müssen uns selber tragen, wir haben eine ehrliche Bilanz“, sagt Rühle. „Unser Träger kann uns nicht unter die Arme greifen.“ Mark Dominik Alscher stellt fest: „So einen Förderzufluss wie das Klinikum hat niemand in der Region.“ Dabei habe die Kommunalpolitik „eine Verantwortung für alle Häuser“. Durch die enormen Summen, die ins eigene Klinikum fließen, werde der Druck auf die anderen Träger stark erhöht.

„Kopfprämie“ wieder abgeschafft

Immerhin habe das Klinikum die „Kopfprämie“ von 2500 Euro wieder abgeschafft, die ein Mitarbeiter bekam, der einen Kollegen eines anderen Trägers abgeworben hat, sagt Bernd Rühle. „Es kann nicht sein, dass wir uns gegenseitig die Leute abjagen.“ Und wer weiß: Vielleicht zahlt die Stadt bald auch weniger Subventionen ans eigene Haus. Bürgermeister Föll hat das ambitionierte Ziel ausgegeben, dass das Klinikum 2021 eine schwarze Null schreiben soll.

Lesen Sie jetzt