Weil Verlustgeschäft EnBW will weitere Kraftwerke abschalten

Von Walther Rosenberger 

Kraftwerk Heilbronn: Die EnBW will hier zwei Blöcke dicht machen. Foto: dpa
Kraftwerk Heilbronn: Die EnBW will hier zwei Blöcke dicht machen. Foto: dpa

Immer mehr Kraftwerke im Land fahren Verluste ein und sollen abgeschaltet werden. Noch ist genug Strom da.

Immer mehr Kraftwerke im Land fahren Verluste ein und sollen abgeschaltet werden. Noch ist genug Strom da.

Karlsruhe/Heilbronn - Immer mehr Kraftwerke im Land fahren Verluste ein und sollen abgeschaltet werden. Aktuell plant der Energieversorger EnBW zwei Anlagen vom Netz zu nehmen. Die Energiesicherheit bleibt zunächst aber gewährleistet. Der Energieversorger EnBW verabschiedet sich aus wirtschaftlichen Gründen von immer mehr konventionellen Meilern. Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, plane man am Standort Heilbronn zwei Kraftwerksblöcke vom Netz zu nehmen. Dabei handelt es sich nach Unternehmensangaben um Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 250 Megawatt, die mit Hilfe von Steinkohle Strom erzeugen. Zum Vergleich: Ein Kernkraftwerk leistet etwa 1000 Megawatt.

Bereits vergangenen Juli hatte Deutschlands drittgrößter Energieversorger angekündigt, vier Kraftwerksblöcke – je zwei in Walheim und in Marburg am Neckar – stillzulegen. Darüber hinaus sollte ein modernes Gaskraftwerk am Unternehmenssitz in Karlsruhe eingemottet werden. Insgesamt verfügen diese Anlagen über eine Leistung von rund 1000 Megawatt.

Bundesweit liegen der Kontrollbehörde für Fragen der Energiesicherheit – die Bundesnetzagentur (BNetzA) in Bonn – nach Informationen unserer Zeitung derzeit 38 Anträge auf Kraftwerksstilllegungen vor. Dazu kommen die jetzt von der EnBW angekündigten zwei Meiler, deren Schließung der Konzern-Aufsichtsrat aber noch zustimmen muss.

Alle großen Stromerzeuger, etwa RWE, Eon, Steag oder EnBW, wollen derzeit fossile Kraftwerke stilllegen. Begründet werden die Schritte durch niedrige Preise, die Strom derzeit im Börsenhandel erlöst. Aktuell erhalten Kraftwerksbetreiber an der Leipziger Strombörse EEX je Kilowattstunde rund 3,3 Cent. Rentabel betreiben lässt sich ein Kraftwerk nach Darstellung der Energieversorger bei einem so niedrigen Preisniveau nicht. Die Mannheimer MVV will nach derzeitigem Stand keine Kraftwerke stilllegen. Die Freiburger Badenova hat keine Kohlekraftwerke im Bestand. Fast alle Stadtwerke wiederum erzeugen nach Angaben von Fachleuten in ihren Meilern nicht nur Strom, sondern auch Wärme. Das erhöht die Energieausbeute und damit die Rentabilität.

Die aktuelle Stilllegungswelle aufgrund zu niedriger Börsenpreise wird von einem zweiten Punkt überlagert: Mehrere Kraftwerke im Land sind am Ende ihrer Lebenszeit und sollen daher planmäßig abgeschaltet werden. Daher liegen auch für zwei Kraftwerksblöcke in Mannheim mit 400 Megawatt Leistung Schließungsanträge vor.

Der Versuch, immer mehr Kraftwerke dichtzumachen, wird sich aber in Punkto Versorgungssicherheit zunächst nicht auswirken. In der Branche ist es ein offenes Geheimnis, dass Anträge auf Kraftwerksschließungen südlich der Main-Linie fast keine Chancen haben, durchgewunken zu werden. Grund ist die potenziell angespannte Versorgungslage im Süden Deutschlands. Diese entsteht, weil sich hier viel Industrie und eine hohe Bevölkerungszahl auf engem Raum ballen. Außerdem werden in Bayern und Baden-Württemberg bis 2021 überdurchschnittlich viele Kernkraftwerke gemäß dem 2011 getroffenen Ausstiegsbeschluss der Bundesregierung vom Netz gehen. Kraftwerke sind in Süddeutschland – zumindest langfristig gesehen – daher knapp.

Die Bundesnetzagentur hat daher bislang alle Stilllegungsanträge der EnBW abgelehnt. Aus Gründen der Versorgungssicherheit müssten die Anlagen in Marbach und Walheim , sowie in Karlsruhe bis mindestens Juni 2016 weiter betrieben werden, so das Fazit der Behörde. Gegen einen entsprechenden Bescheid hat die EnBW Mitte Januar 2014 allerdings Klage eingereicht und versucht so die Schließung der Verlustbringer juristisch durchzusetzen.

Komplett auf den Kosten bleibt die EnBW dennoch nicht sitzen. Nach Angaben einer EnBW-Sprecherin werden die Anlagen in Walheim und Marbach ab Juli 2014 in die sogenannte Netzreserve der Bundesrepublik aufgenommen. Dann hat der Betreiber EnBW Anspruch auf Vergütungen, die allein aus der Bereitstellung der Anlagen für Notfälle resultieren. Die anfallenden Kosten werden über den Strompreis auf alle Energieverbraucher abgewälzt.

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