Anja Hewig (links) erklärt den gespannt lauschenden Teilnehmern, welche Kräuter, die oftmals direkt vor ihren Augen am Wegesrand wachsen, beispielsweise Husten lindern oder gegen Rheuma helfen können. Foto: Thomas Krämer

Schau mal, was da wächst: Die Volkshochschule hat rund um Plieningen eine Kräuterwanderung angeboten. Dabei haben die Teilnehmer allerlei nützliche Tipps und Hinweise von einer Kennerin bekommen.

Birkach/Plieningen - Es sind ein paar unscheinbare, grüne Blätter, die sich auf dem Gehsteig am Wollgrasweg durch den Asphalt gekämpft haben. Sie stehen im Schatten eines Müllcontainers und sicherlich auch der Menschen. Niemand würde einen bewussten Blick auf sie werfen. Doch Anja Hewig tut dies. Sie weist die Gruppe von zwei Dutzend an Pflanzen interessierten Menschen darauf hin, die sich vor Kurzem der von der Volkshochschule Stuttgart angebotenen Kräuterwanderung angeschlossen haben.

Tipps von der Heilpraktikerin

„Die Pflanze bildet als eine der ersten im Jahr Blüten“, gibt die Heilpraktikerin einen Tipp, „und die Blätter helfen, Husten zu bekämpfen oder zumindest zu lindern“. In diesem Zustand ohne Blüte hilft auch das Bestimmungsbuch von Aldi nicht, das eine Teilnehmerin aus der Tasche zieht. Diese Pflanze muss man kennen, um sie zu identifizieren. „Es ist Huflattich“, sagt Anja Hewig, die Wildkräuter und Heilpflanzen als ihr Steckenpferd bezeichnet.

Deutlich mehr Natur umgibt die Gruppe ein paar Hundert Meter weiter. Im Schatten einiger Bäume wachsen am Wegrand Brennnesseln. Die kennt jeder, und auch, dass sie gegen Rheuma helfen sollen, haben die meisten schon gehört. Doch die aphrodisierende Wirkung, von der Hewig erzählt, dürfte den meisten neu gewesen sein. „Bergbauern nutzen die Samen, um ihre Tiere zur Produktion von Nachwuchs zu animieren“, erzählt die Nebenfach-Biologin. Ob die Pflanzen auch entsprechend wirken, wenn man sich darin wälzt – wie einer der Kräuterwanderer fragt – bleibt ungeklärt. Sicher ist, dass man aus den klein geschnittenen, frischen Trieben des Gewächses einen wohlschmeckenden Salat zubereiten kann, wie Hewig sagt. Auch einen Brennnesselspinat könne man aus der Pflanze bereiten. In Kombination mit Holunderblüten solle das Kraut sogar gegen Heuschnupfen helfen, ergänzt die Heilpraktikerin.

Lindenblüten gibt es als Tee in der Apotheke

Auf dem Weg in Richtung Körschtal gilt es dann, den Blick auch nach oben zu richten. Denn in der Verlängerung des Wollgraswegs wachsen einige Linden, deren Blüten in Form von Tee in Apotheken zu bekommen sind. „Im jetzigen Stadium sind die Blüten am Wirksamsten“, sagt Hewig und zieht einen Zweig zu sich hinunter. „Die Blüten wirken schweißtreibend, was bei Erkältungen gut ist“, sagt die Heilpraktikerin. Zudem würden sie beruhigend wirken. Und der in unmittelbarer Nähe wachsende Spitzwegerich – zu erkennen an den spitzen Blättern – sei gut gegen Juckreiz und helfe auch bei Insektenstichen, wenn man die Blätter zerdrücke und den Saft auf den Stichstellen verreibe. „Zudem kann man daraus mit Honig Hustensirup herstellen“, ergänzt die Kräuterfachfrau.

Im Laufe der Wanderung lernt die Gruppe viele weitere Pflanzen und deren Wirkung kennen. Johanniskraut, das mit seinen gelben Blüten und den getüpfelten Blättern („die stammen einer Sage nach vom Teufel“) bei Depressionen hilft. Odermennig, der Linderung bei Durchfall sowie Leber- und Gallenerkrankungen verspricht. Oder Mädesüß, das mit Vorliebe an feuchten Gräben wächst und bei Fieber und Schmerzen ein gutes Medikament aus der Naturapotheke ist.

Obwohl richtig giftige Pflanzen bei uns eher selten sind, empfiehlt Hewig die Verwendung der Heilkräuter nur dann, wenn man sich wirklich sicher ist, das richtige gepflückt zu haben. Und auch dann sollte man sich Wissen aneignen. Denn falsch angewandt oder verarbeitet würden die Kräuter ihre Wirkung verlieren. Und es gehe auch um die richtige Menge. „Was in geringer Dosierung heilt“, so Hewig, „kann in großer Menge giftig oder gar tödlich sein.“

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