Um einen Kräutergarten zu bauen, braucht Iris Faller auch Köpfchen. Klicken Sie sich durch die Bildergalerie. Foto: Max Kovalenko

Rosmarin, Salbei, Lavendel: Kräuter im Garten benötigen bestimmte klimatische Bedingungen.

Stuttgart - Schon seit Wochen liegt ein Stapel Holz im Garten von Iris Faller herum – fein ordentlich aufgeschüttet. Prima Feuerholz, mag man meinen. Schaut man jedoch genauer hin, fällt einem auf, dass sich auf dem Haufen nur Äste finden, die so gerade gewachsen sind wie kleine Baumstämme und zwei Daumen dick sind. Hier, vermutet man dann, steckt System dahinter – und ein Plan.

„Ja“, sagt Iris Faller und stöhnt. „Geplant hatte ich eigentlich, mit den Ästen, die ich über Wochen im Wald aufgesammelt habe, eine Kräuterspirale zu bauen.“ Kräuter, die im Kreis wachsen? Das mag schön fürs Auge sein, aber den Kräutern dürfte es egal sein, wie sie wachsen. Gern auch kreuz und quer oder wie Kraut und Rüben.

Von unten gesehen beginnt Kräuterspirale mit guter Mischung aus Kompost und Erde

Falsch gedacht: „Durch ihren Aufbau ermöglicht eine Kräuterspirale, auf kleinstem Raum Standortansprüchen von Pflanzen aus verschiedenen Klimazonen gerecht zu werden“, sagt Faller. Mit ihren Stöcken demonstriert sie den Aufbau der Spirale: Diese windet sich um Steine oder Stöcke – wobei Steine den Vorteil bieten, dass sie Wärme speichern und abgeben – und steigt dabei kontinuierlich an. Insgesamt hat eine solche Kräuterspirale einen Durchmesser von zweieinhalb bis drei Metern, in der Mitte ist sie rund 80 Zentimeter bis einen Meter hoch.

„Dadurch bekommt man unterschiedliche Bereiche“, sagt Faller. Von unten gesehen beginnt die Kräuterspirale mit einer guten Mischung aus Kompost und Erde, dadurch schafft man ein feuchtes und nährstoffreiches Mikroklima, in dem sich etwa Schnittlauch und Petersilie wohlfühlen.

Den mittleren Teil bezeichnet man als Normalzone. Der Boden hier entspricht typischen mitteleuropäischen Wachstumsbedingungen, indem er ebenfalls noch humos ist, aber durchlässiger als in der Feuchtzone. Hier gibt es auch Bereiche, die im Halbschatten liegen. Pflanzen, die hier gut wachsen sind etwa Koriander, Estragon, Kümmel, Oregano oder Basilikum.

Den Boden durchlässig und mager gestalten

Den oberen Teil der Spirale bildet eine Trockenzone. Dafür schüttet man Schuttmaterial auf, das man mit einer Mischung aus Erde und Sand bedeckt. So ist der Boden durchlässig und mager; der innere Aufbau der Kräuterspirale gewährleistet eine gute Drainage. Dies sind ideale Bedingungen für zahlreiche Küchenkräuter des Mittelmeerraums wie Rosmarin, Oregano, Salbei, Thymian oder Lavendel.

Dass dieses Prinzip der Klimazonenschaffung auf kleinstem Raum funktioniert, beweist die Auszeichnung, die der Erfinder der Kräuterspirale erhielt: Der Australier Bill Mollison bekam 1981 für sein Konzept der Permakultur, also der Schaffung eines dauerhaft funktionierenden naturnahen Kreislaufs, den Right Livelihood Award. Im gleichen Jahr beschrieb er in einem Vortrag, wie er 1978 die Kräuterspirale erfand und sich dabei von den Sandmustern der Aborigines inspirieren ließ.

„Man darf Kräuter nicht zu oft düngen, sonst verlieren sie an ätherischen Ölen“

Inspiriert von den Aborigines, Bill Mollison und etlichen Kräuterspiralen in öffentlichen professionellen Gartenanlagen war auch Iris Faller. Doch letztlich gab sie ihren Plan auf, eine solche Kräuterspirale zu schaffen. „Bis ich die Stecken zusammen getragen hätte, wäre es Herbst geworden“, sagt sie. Zudem sei es sehr schwer, die Äste gerade und fest in den Boden zu bekommen. Doch Aufgeben ist Iris Fallers Sache nicht. Mit Hilfe von Steinen, Sand und Erde „versuche ich stattdessen, die Klimabereiche zu basteln, ohne eine Spirale zu bauen“, erklärt Faller. Das Beet, das entstehen soll, will allerdings sehr durchdacht sein, denn die Pflanzen sollen sich gegenseitig Schatten spenden. Doch nach einiger Zeit hat Faller die Welt auf einem Quadratmeter nachgebaut. „Man darf Kräuter nicht zu oft düngen, sonst verlieren sie an ätherischen Ölen“, sagt Faller. Wenn man zu Anfang des Jahres Kompost beimischt, reicht das. Pflücken sollte man die Kräuter morgens, trocknen sollte man sie luftig, aber nicht in der prallen Sonne.

Schmecken tun sie dann nicht nur in der salzigen Variante – auch süß sind sie ein Gedicht, sagt Iris Faller. Und sie verrät, dass sie besonders auf Joghurt-Zitronenthymian-Parfait steht.

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