Der Kosmetikhändler Notino hat im Gerber am Freitag neu eröffnet. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Der Konsument wird mit seinem Einkaufsverhalten mit darüber entscheiden, wie es mit dem Einzelhandel in der Innenstadt weitergeht, kommentiert Redakteur Martin Haar.

Stuttgart - Der Stuttgarter Philosoph Hegel sagte stets: „Nur was mit Vernunft ist, hat Bestand.“ In diesem Sinne könnte man nun auch den ruinösen Preiskampf, den der Beauty-Produkt-Händler Notino in Stuttgart eröffnet hat, als unvernünftig und kurzlebig bezeichnen.

Doch die Erfahrung lehrt anderes. Treue, Lokalpatriotismus und das gute Gewissen entscheiden immer seltener darüber, wo Konsumenten kaufen. Es spielt keine Rolle, ob global agierende Online-Giganten Steuern zahlen, ihre Mitarbeiter schlecht behandeln oder ob deren Lieferwege der Umwelt schaden. Wer Geld sparen kann, blendet diese Faktoren gerne aus. Wer beispielsweise für ein Duftwässerchen 16 Euro weniger, sprich im Laden so viel wie im Internet ausgeben muss, überlegt nicht allzu lange. Diese Entwicklung hat bereits einer Reihe von traditionsreichen Geschäften in Stuttgart die Existenz gekostet. Die Liste des Ladensterbens ist ebenso lang wie namhaft.

Im stationären Handel sind neue Zeiten angebrochen

Und wie die Dinge liegen, bekommt dieser Trend nun eine neue Dynamik. Der Preiskrieg von Notino, so er von Dauer ist, wird weitere Opfer kosten. Zumal andere Branchen und Onlinehändler dem Beispiel folgen dürften. So oder so: Seit Freitag sind im stationären Handel neue Zeiten angebrochen. Sie stehen unter dem Regiment der Marktmacht einerseits – der Sparfuchsmentalität andererseits. Und weil die Kategorie Vernunft hier kaum noch greift, haben alteingesessene Marken und Läden kaum noch Bestand. Wer diese Entwicklung bedauert, kann es schon bei seinem nächsten Einkauf beeinflussen.

martin.haar@stzn.de

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