Kreispolitik kann spannend sein – wie hier bei einer Debatte um Atomschutt aus Neckarwestheim. Foto: factum/Granville

Der Ludwigsburger Kreistag steht vor einem Generationswechsel: Viele altgediente Räte scheiden aus, Jüngere rücken nach. Spannend ist: Das Gremium muss im Herbst einen neuen Landrat wählen.

Ludwigsburg - Er sitzt seit 1979 im Kreistag: Manfred List (CDU), früherer Oberbürgermeister von Bietigheim-Bissingen, Landtagsabgeordneter, Urgestein. Nun hört er auf, der dienstälteste Kreisrat, im Alter von 83 Jahren. Aber auch andere langgediente Räte gebenihr Amt ab, darunter viele ehemalige Bürgermeister. Im Gegenzug kandidieren neue Rathauschefs. Es wird am 26. Mai also reichlich Personal durcheinandergewirbelt.

Mindestens 88 Sitze werden im Kreisparlament verteilt. Doch weil mit CDU, Freien Wählern, SPD, Grünen, FDP, Linken und AfD sieben Parteien antreten, könnte das Gremium auf bis zu 105 Mandate wachsen. Das hat mit dem Auszählverfahren zu tun: Der Landkreis ist in 14 Wahlkreise eingeteilt, in denen werden die Mandate vergeben. Da die kleinen Parteien dabei oft leer ausgehen, erhalten sie Ausgleichssitze – damit sie gemäß ihrem Stimmenanteil repräsentiert sind.

Die wichtigste Aufgabe der neuen Kreisräte wird sein, im Herbst einen Nachfolger für Rainer Haas zu bestimmen. Aber auch die Finanzierung der Kliniken wird eine Mammutaufgabe, ebenso die Stadtbahn zwischen Ludwigsburg und Markgröningen. Wie sind die Parteien aufgestellt?

CDU: Manfred List hört nach 40 Jahren auf

Die Christdemokraten stellen mit 30,6 Prozent und 32 Sitzen bislang die stärkste Fraktion. Manfred Hollenbach, früherer Rathauschef von Murr, kandidiert erneut. „Bewährtes bewahren, Zukunft gestalten“, hat er der Union als Wahlspruch verordnet. „Wir wollen den Status quo erhalten und nicht ständig neue Ideen entwickeln“, sagt der 73-Jährige. Der Abgang des Stimmenfängers Manfred List wird schwer zu ersetzen sein, er hat 2014 rund 11 000 Voten erhalten. Auch die Ex-Schultheißen Horst Fiedler (Sachsenheim) und Reinhard Rosner (Oberstenfeld) hören auf. Neu sind dafür die Bürgermeister Robert Feil (Löchgau), Nico Lauxmann (Schwieberdingen) und Markus Kleemann (Oberstenfeld) sowie der Landtagsabgeordnete Fabian Gramling.

Freie Wähler: Die Bürgermeister-Fraktion

Noch mehr kommunale Führungskräfte tummeln sich bei den Freien Wählern, die seit 20 Jahren von Rainer Gessler angeführt werden. „Geordnete Finanzen und eine sinnvolle Kreisumlage“, hat er sich auf die Fahnen geschrieben. Bei den Freien hören die Schultheißen Herbert Pötzsch (Marbach), Albrecht Dautel (Bönnigheim) und Kornelius Bamberger (früher Bönnigheim) auf, dafür treten der Marbacher Rathauschef Jan Trost und Karlin Stark aus Freudental an, die Leiterin des Landesgesundheitsamts.

SPD: Jürgen Kessing ist der Stimmenkönig

Der Fraktionschef Rainer Gessler hofft, das Ergebnis von 24,3 Prozent und 26 Sitzen halten zu können. Der letztmalige Stimmenkönig, der Vaihinger OB Gerd Maisch mit mehr als 13 000 Voten, bleibt als Zugpferd erhalten. Dazu kommen in Ludwigsburg der OB Werner Spec und der Baubürgermeister Michael Ilk.

Die Genossen dürfen weiter auf Jürgen Kessing zählen, der Bietigheimer OB erzielte vor fünf Jahren mit 12 000 Stimmen das beste SPD-Ergebnis. Immerhin konnten sie den neuen Gemmrigheimer Schultes Jörg Fauhammer für ihre Liste neu gewinnen. Der ehemalige Landtagsfraktionschef Claus Schmiedel kandidiert in Ludwigsburg erneut. Fraktionschef Jürgen Kessing nennt günstigen Wohnraum als wichtiges Wahlkampfthema, er fordert dafür eine Kreisbaugenossenschaft. Angesichts des schlechten SPD-Bundestrends hofft man, wie 2014 mit rund 18 Prozent noch vor den Grünen zu bleiben.

Grüne im Aufschwung?

Die Ökopartei darf hingegen auf Rückenwind aus Berlin und Stuttgart hoffen, vor fünf Jahren waren es 15,7 Prozent und 16 Mandate. „Unser Ziel ist nicht, vor der SPD zu landen“, sagt die Fraktionschefin Brigitte Muras aus Markgröningen, „das linke Lager soll stärker werden.“ Fünf Kreisräte hören auf, darunter der Ludwigsburger Armin Haller.

Dafür kandidiert der frühere Polizeipräsident Frank Rebholz für die Ökopartei, der früher für die CDU im Ludwigsburger Gemeinderat saß. „Wir kämpfen für mehr Radwege, bezahlbaren Nahverkehr und Krankenhäuser in öffentlicher Trägerschaft“, sagt Brigitte Muras, die schon von 1994 bis 1999 Fraktionschefin war und vor zwei Jahren das Amt von Peter-Michael Valet übernommen hat.

Die FDP setzt auf bewährte Kräfte

Die FDP schickt den Ingersheimer Bürgermeister Volker Godel erneut ins Rennen und kann auch sonst auf bewährte Kräfte wie die frühere Landgerichtsrichterin Helga Eberle in Vaihingen zurückgreifen. So könnten wie 2014 mit sechs Prozent sechs Mandate drin sein.

Linke: Hans-Jürgen Kemmerle hört auf

Für die Linken, die erneut in allen Wahlkreisen kandidieren, wird es ein Einschnitt: Hans-Jürgen Kemmerle, der profilierte Fraktionschef, tritt nicht mehr an. Dafür gibt es zwei neue, bekannte Namen: Konrad Ott, ehemaliger IG-Metall-Chef von Ludwigsburg, und Markus Moskau, Schüler und Organisator der Fridays-for-Future-Demonstrationen in Ludwigsburg. Auch Walter Kubach bleibt im Rennen. Die Linkspartei kämpft für günstigeren Nahverkehr und will „für das untere Drittel der Bevölkerung“ da sein, wie der Nochfraktionschef Kemmerle sagt. Vor fünf Jahren erreichte die Linke mit 3,9 Prozent vier Mandate.

AfD nur mit wenig Kandidaten

Auf der rechten Flanke hört Harald Lettrari auf – er war 2014 noch der letzte Mohikaner der Republikaner, trat aber aus der Partei aus und bewegte sich zusehends nach links. Dafür tritt nun die AfD an, sie stellt nur 14 Kandidaten auf, die kaum bekannt sind, im Wahlkreis Ludwigsburg z. B. den Kaufmann Denis Tomsic. Im Wahlkreis Ditzingen stehen drei Bewerber auf der Liste. So gehen viele Stimmen verloren, weil die Liste nicht voll ist.

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