Die Weißenhofsiedlung auf dem Stuttgarter Killesberg. Foto: dpa

Die Stadt Stuttgart darf die Weißenhofsiedlung auf dem Killesberg nicht wie eine gewöhnliche Immobilie behandeln, kommentiert StN-Titelautor Sven Hahn.

Stuttgart - Dass nun öffentlich über die Weißenhofsiedlung diskutiert wird, ist eine gute Sache. Denn für einen Verkauf hinter verschlossenen Türen ist die Siedlung schlicht zu wichtig. Gerade aus diesem Grund sind einige der Bedenken der wehrhaften Mieter berechtigt.

Die Weißenhofsiedlung gehört zum Weltkulturerbe der Unesco und ist damit einzigartig für die Landeshauptstadt. Ihre Bedeutung geht weit über Stuttgart hinaus. Zudem sind die Fragen, auf die 1927 mit dem Bau der Siedlung Antworten gefunden wurden, heute mindestens so aktuell wie damals. Dabei handelt es sich unter anderem um die Frage: Wie kann günstiges und modernes Wohnen in einer Großstadt aussehen?

Das bedeutet: Die Sorgen der Mieter sind, auch wenn es sich nur um die Angst vor einer steigenden Miete drehen sollte, ebenfalls berechtigt. Denn bei den Bewohnern handelt es sich nicht allein um Besserverdiener und Professoren – auch Bundespolizisten und kleinere Gehaltsgruppen aus dem öffentlichen Dienst finden sich an dieser Stelle auf dem Killesberg. Das kommt dem aktuellen Ideal einer durchmischten Stadt schon recht nahe, welches besonders im Stuttgarter Rathaus propagiert wird.

Ob sich diese Mischung nach dem Kauf durch die Stadt bewahren lässt, muss sich erst noch zeigen. Klar ist, die Stadt darf die Weißenhofsiedlung nach dem Ankauf nicht behandeln wie eine beliebige Immobilie im Bestand der SWSG.

sven.hahn@stuttgarter-nachrichten.de

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