Carles Puigdemont ist an der deutsch-dänischen Grenze festgesetzt worden. Foto: AP

Mit dem Festsetzen von Carles Puigdemont gerät Deutschland unversehens in den spanisch-katalanischen Konflikt. Das ist nicht gut, aber es gab keine andere Wahl, kommentiert Politik-Redakteur Christian Gottschalk.

Stuttgart - Wenn es doch nur so einfach wäre, wie die Bayernpartei sich das wünscht. Der katalanische Politiker Carles Puigdemont sei sofort freizulassen, die deutsche Polizei dürfe sich nicht zum Büttel ausländischer Interessen machen lassen, sagen diejenigen, die ein von der Bundesrepublik unabhängiges Bayern fordern. Für sie ist der Katalanen-Führer ein Freiheitskämpfer. Für die Regierung in Madrid ist er ein Rebell und ein Staatsfeind. Das mag man sehen, wie man will, doch darauf kommt es zunächst gar nicht an. Das EU-Land Spanien hat sich an die internationalen Spielregeln gehalten, eine Anklage gegen Puigdemont vorbereitet und ihn weltweit zur Festnahme ausgeschrieben. Die deutsche Polizei agiert nicht als Büttel dunkler Mächte, sondern nach den Spielregeln, die sich die Länder auf dem Globus selbst gegeben haben.

Es wird nun viel verhandelt werden

Viel Freude werden die grenzsichernden Beamten der deutschen Politik mit ihrem Verhandlungserfolg nicht gemacht haben. Auslieferungspflicht, Abschiebehemmnisse, Asylmöglichkeiten – es wird viel verhandelt werden müssen in den nächsten Tagen. Deutschland findet sich dann mittendrin im spanisch-katalanischen Konflikt. Das bindet Kapazitäten und ist unerfreulich. Allerdings: den Haftbefehl aus Madrid zu ignorieren, das wäre auch keine Alternative gewesen.

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