Der Volkswagen-Konzern bleibt in großen Schwierigkeiten – hat aber jetzt an einer wichtigen Stelle Entlastung erfahren. Foto: dpa

VW hat einen Fehler zugegeben, der so gar nicht begangen wurde. Das ist weit besser als die bisherige Praxis, in der immer wieder der umgekehrte Eindruck erweckt wurde, meint unser Kommentator Klaus Köster.

Stuttgart - Bisher kannte der VW-Skandal nur eine Richtung – wenn etwas Neues herauskam, dann meist, dass noch mehr Marken, Motoren und Modelle von den Manipulationen der Abgaswerte betroffen waren als zuvor angenommen. Nun ist auf einmal das Gegenteil geschehen – die Konzernführung hat Manipulationen bei den Werten des Treibhausgases Kohlendioxid vermeldet, die es nur in wesentlich geringerem Ausmaß gegeben hat. So weit ist es gekommen: Die Nachricht, dass 36 000 Autos zweifelhafte Werte aufweisen, lässt die Aktionäre jubeln, weil vorher weit über 20-mal so viele Autos in den Aktienkursen „eingepreist“ waren.

Die gestiegenen Aktienkurse sind aber der geringste Grund dafür, die weit gehende Entwarnung beim Thema CO2 für eine gute Nachricht zu halten. Denn die Nachricht zeigt, dass VW nicht – oder zumindest nicht durchgängig – nach der Salamitaktik verfährt und nur zugibt, was noch herauszukommen droht, wie es bei den manipulierten Audi-Motoren den Anschein hatte. Vielmehr hat VW in diesem Fall bereits aufgrund vager Verdachtsmomente Fehler gemeldet – auch auf die Gefahr hin, dass sich später herausstellt, dass die Meldung so gar nicht nötig gewesen wäre. Für das Vertrauen der Kunden ist dies allemal besser als der Eindruck, die Führung werde laufend von immer neuen Manipulationen überrascht.

Gerade das Thema CO2 hat für die Kunden besondere Bedeutung – ist dessen Ausstoß doch eng mit dem Kraftstoffverbrauch verbunden. Der falsche Fehler bringt dem Konzern somit an einer wichtigen Stelle Entlastung. Somit kann sich die Führung ganz auf die Aufarbeitung des Stickoxid-Skandals konzentrieren, der rund elf Millionen Autos betrifft und Volkswagen noch lange beschäftigen wird.

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