Angespannt: der VfB-Trainer Jos Luhukay steht unter Druck – auch wegen atmosphärischer Störungen. Foto: Bongarts

Der VfB Stuttgart steht nach vier Spieltagen vor einer Zerreißprobe. Doch nur mit einem Mindestmaß an Kooperation ist der Riss zwischen dem Trainer und Sportvorstand Jan Schindelmeiser noch zu kitten.

Stuttgart - Drei Fakten gibt es zunächst einmal: Jos Luhukay ist Trainer, Jan Schindelmeiser ist Sportvorstand, und das Transferfenster ist geschlossen. Bis zur Winterpause steht damit der Kader des VfB Stuttgart fest. Banal, denkt man. Ist es jedoch nicht. Weil sich die Verantwortlichen nicht in einer Art und Weise mit der Situation arrangieren, die erfolgversprechend für den Fußball-Zweitligisten ist.

Schon nach wenigen gemeinsamen ­Wochen durchzieht ein Riss das Verhältnis zwischen Trainer und Manager. Hier steht der eigenbrötlerische Jos Luhukay, der für sich in Anspruch nimmt, den Weg zurück in die Bundesliga zu kennen. Dort der kommunikationsfreudige Jan Schindelmeiser, der sich bisher als Teamplayer beim VfB ­gezeigt und zuletzt drei junge Spieler ­verpflichtet hat. Ganz im Sinne des Vereins und seines Selbstverständnisses, eine Mannschaft zu entwickeln, die am Saisonende aufsteigt – danach aber über so viel Potenzial und Perspektive verfügt, dass die Stuttgarter nicht schon wieder einen ­radikalen Umbruch einleiten müssen.

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Doch den Machtkampf allein auf die Personalpolitik zurückzuführen greift zu kurz. Luhukay geht vieles zu weit, er sucht nicht die Nähe zur Clubführung. Vielmehr versteht er sich als Facharbeiter auf Zeit. Als ein Trainer, der einen Auftrag erhalten hat und diesen zuverlässig erledigen will – am liebsten mit erfahrenen Kräften, wie es ihm schon in Berlin, Augsburg und Gladbach gelungen ist. Am liebsten auch mit einer Machtfülle, die er anfangs in Stuttgart aufgrund des Vakuums in der Vereinsspitze gespürt hat, die jedoch mit Schindelmeisers Dienstbeginn beschnitten wurde.

Das war klar, auch für Luhukay. Theoretisch. Praktisch braucht der eigenwillige Niederländer aber offenbar Zeit, um sich darauf einzustellen. Sofern er es einerseits will und der Club andererseits bereit ist, die Marotten des Trainers auszuhalten. Ein Mindestmaß an Kooperationsbereitschaft wird also vonnöten sein, um den VfB in ­dieser Konstellation zu halten – und dazu muss sich Luhukay bewegen. Denn Schindelmeiser ist schon auf ihn zugegangen.

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