Eine deutsche Urlauberin schreibt an einem polnischen Strand mit einem Mobiltelefon eine SMS. Roaminggebühren fallen 2017 im EU-Ausland weg Foto: dpa

Das Aus für Roaminggebühren ist gut – kommt aber zu spät, sagt Redakteur Daniel Gräfe. Wenn die EU so langsam weiter macht, wird es mit dem digitalen Binnenmarkt dauern.

Stuttgart - Endlich werden die Roaming-Gebühren abgeschafft. Für den Verbraucher ist die Bedeutung kaum zu unterschätzen – zumindest auf den ersten Blick. Als Urlauber oder Geschäftsreisender erlebt er hier am eindringlichsten, ob es ein gemeinsames Europa gibt oder nicht. Und da ist es schwer zu vermitteln, dass ein Bürger mit demselben Mobilfunkvertrag in Italien mehr für ein Gespräch zahlen soll als in Deutschland. Lange genug haben die Mobilfunker mit den Extra-Gebühren prächtig verdient.

Wie immer bei der EU steckt der Teufel im Detail. Denn ausgerechnet praktizierende Europäer – also die Vielreisenden und Grenzüberschreitenden – dürften wohl doch noch zur Kasse gebeten werden. Wer zu viel kommuniziert, muss vermutlich einen Aufschlag zahlen.

Mehr noch: Dass die seit vielen Jahren geplante Abschaffung der Roaming-Gebühren nun auf Mitte 2017 verschoben wurde, ist kein gutes Zeichen für einen digitalen EU-Binnenmarkt. Wie lange mag es dann dauern, bis es einen einheitlichen Daten- und Verbraucherschutz in den EU-Staaten gibt? Wenn die EU die Bürger nicht verprellen will, muss sie das Tempo deutlich steigern.

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