Eine Studierende weiblichen Geschlechts, früher Studentin genannt – aus dem Erotik-Kalender der Universität Greifswald Foto: dpa

Aus dem guten alten Studentenwerk wird das „Studierendenwerk“. Wegen der Geschlechtergerechtigkeit. Aber die Aktion ist sinnlos und teuer.    

Etwas ist so unnötig wie ein Kropf. Sie kennen diese Redewendung? Klar! Kennen Sie auch ein praktisches Beispiel dafür? Hier ist eines: Die baden-württembergische Landesregierung hat in ihrem steten Bemühen um eine gerechtere Welt beschlossen, dass die Anstalten öffentlichen Rechts, die jedermann – und jede Frau – als Studentenwerke kennt, geschlechtsneutral umzubenennen sind. Aus dem guten alten Studentenwerk, das seit anno Tobak so heißt, wird deshalb – Vorsicht, bloß keinen Buchstaben vergessen! – ein „Studierendenwerk“.

Die Landesregierung betrachtet das als ziemlich gute Tat. Sie fühlt sich zuständig für Geschlechtergerechtigkeit, nicht für Ohrenschmerzen. Dabei hatten die Studentenwerke noch vor der sprachlichen Verhunzung gewarnt. Der Begriff Studierendenwerke sei nicht nur umständlich, sondern klinge auch nach deutscher Provinzialität. Die Worte waren in den Wind gesprochen. Grün-Rot schloss die Gerechtigkeitslücke und kann nun für sich in Anspruch nehmen, Baden-Württemberg auf diesem Gebiet eine Spitzenstellung beschert zu haben – außer Hamburg und Rheinland-Pfalz kam nämlich noch kein anderes Land auf diese Idee.

Das Problem ist: Das Ganze macht eine Riesenarbeit und ist teuer. Für neue Etiketten, Briefköpfe, Broschüren, Beschriftungen, die Umstellung von Internetseiten, Änderungen im Grundbuch und korrekter Bekleidung von Mensamitarbeitern fallen teils sechsstellige Beträge an. Man könnte sich, vorsichtig ausgedrückt, eine bessere Verwendung des Geldes und sinnvollere Tätigkeiten vorstellen. Für diese nutzlose Form der Beschäftigung hält die deutsche Sprache ebenfalls eine Redewendung bereit: Den Schnecken auf die Schwänze schlagen, bis sie bellen. Leider ist sie nicht geschlechtsneutral.

j.sellner@stn.zgs.de

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