Gesundheitsminister Hermann Gröhe muss von seinen ursprümglichen Plänen abrücken. Foto: dpa

Dass die Preise nun doch nicht vertraulich behandelt werden, nützt nicht nur den Krankenkassen, kommentiert Norbert Wallet.

Berlin - Die Gesundheitspolitiker der Koalition haben sich auf einen sehr vernünftigen Kompromiss beim Gesetz zur Stärkung der Arzneimittelversorgung geeinigt. Der spektakulärste Teil der Einigung: Die Parlamentarier waren zum Glück so mutig, eine Absprache zu kippen, die der Gesundheitsminister im Vorfeld mit der Pharmaindustrie bereits ausgekungelt hatte – die Vertraulichkeit der Erstattungsbeträge. Die Preise werden nun doch nicht geheim gehalten. Ärzte können sich darüber informieren, welche Kosten ihre Verschreibungen verursachen. Das darf natürlich nicht allein entscheidungsleitend sein, aber eine nützliche Zusatzinformation im Falle von gleichwertigen Alternativen ist es eben schon.

Das ist ein Sieg der Transparenz. Und es ist eine Absage an eine sehr seltsame Art der Vorabsprache. Dass sich die Pharmabranche mit Minister Hermann Gröhe zu einem öffentlich inszenierten Dialog trifft, hat durchaus seine Berechtigung, solange die behandelten Themen tatsächlich nur die Pharmabranche etwas angehen. Aber dass die Industrie diesen Sonderzugang dazu nutzt, gleich Absprachen zulasten nicht Beteiligter, in diesem Fall vor allem der Kassen, einzutüten, ist ein Rückfall in uralte Zeiten. Es ist zu rühmen, dass die Abgeordneten das erkannt haben und der Minister von seinen ursprünglichen Plänen abrückt.

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