Für viele Kinder der absolute Traumurlaub: Camping. Foto: Arnaud Chochon/Imago

Endlich Ferien! In diesem Jahr bedeutet das für viele Kinder und ihre Familien zum ersten Mal in ihrem Leben: Wohnwagen oder Wohnmobil packen und los. Unsere Kinderreporterin Selma (11) hat schon als Baby Campingurlaub gemacht. Im Gespräch mit Nadia Köhler gibt sie Tipps für Einsteiger.

Stuttgart - Selma fährt jedes Jahr mindestens ein bis zweimal im Jahr mit dem Campingwagen in den Urlaub. Die Elfjährige war schon in Südfrankreich, auf Korsika, in Österreich, in der Schweiz und natürlich in Deutschland unterwegs. Im Hotel hat sie in ihrem Leben bisher nur eine einzige Nacht verbracht.

Selma, ganz ehrlich, wenn du die Wahl zwischen einem Viersternehotel und einem Campingplatz in Südfrankreich hättest. Wie würdest du dich entscheiden?

Ganz klar für den Campingplatz in Südfrankreich.

Warum?

Hotels liegen meistens in der Stadt und davon habe ich daheim genug. Urlaub im Wohnwagen gibt mir mehr das Gefühl von Wildnis und Freiheit. Auf dem Campingplatz kann ich auch mal gut ohne meine Eltern etwas unternehmen.

Was gefällt dir so gut am Campingurlaub?

Man kommt viel herum und außerdem ist es cool, immer seine eigene Toilette dabei zu haben.

Ist es aber nicht sehr eklig, die Toilette auszuleeren?

Nein, das ist gar nicht so schlimm. Unser Kanister hat ein langes Rohr, den steckt man in ein Toilettenloch auf dem Campingplatz und dann sieht man gar nicht, was da raus kommt. Danach wird der Behälter ausgespült, Chlor rein und gut ist.

Für alle Anfänger, was muss man im Campingurlaub unbedingt gemacht haben?

Nachts noch einmal kurz raus sitzen und den Himmel anschauen! Und einen Spielabend mit der Familie im Wohnwagen – das ist wirklich sehr gemütlich. Wir haben immer „Mensch-Ärgere-Dich-Nicht“ dabei, das spielen wir daheim nicht so oft.

Welche Fehler sollte man nicht machen?

Nicht „groß“ auf der Toilette machen. Sonst stinkt es im ganzen Wohnwagen. Und immer eigenes Toilettenpapier dabei haben, denn das ist auf den Campingplatz-Toiletten immer sehr rau. Und wenn es eine Disco auf dem Campingplatz gibt, dann sollte man sich einen Stellplatz möglichst weit weg suchen.

Was darf man auf keinen Fall vergessen?

Insektenspray und eine Taschenlampe! Wer in die Berge fährt, braucht viele warme Decken, denn da wird es nachts kühl. Und immer genügend Spielsachen einpacken, damit einem nicht langweilig wird, wenn man sich wegen der Sprache nicht mit den anderen Kindern unterhalten kann. Ich habe immer Rätselhefte und Malbücher dabei.

Schläfst du lieber im Wohnwagen oder im Zelt?

Lieber im Zelt! Wir haben drei Schlafplätze im Wohnwagen und einem im Zelt. Mein Bruder und ich schlafen beide so gerne im Zelt, dass wir uns jeden Abend abwechseln, damit es keinen Streit gibt.

Warum willst du lieber ins Zelt?

Es ist einfach viel cooler, weil es sich nicht so anfühlt, wie daheim im Zimmer zu schlafen. Man hört die Umgebung, also zum Beispiel die Grillen oder Hunde kläffen. Und das ist einfach ein schönes Gefühl.

Wie läuft der perfekte Campingtag ab?

Lange ausschlafen – also bis ungefähr neun Uhr. Frische Brötchen holen, Himbeermarmelade drauf und draußen mit der Familie frühstücken. Dann baden im See, Meer oder Pool, danach in der Sonne ausruhen und abends lange aufbleiben, zum Beispiel um einen Film zu schauen oder um Stockbrot zu grillen.

In welchen Ländern campt es sich besonders gut?

In Südfrankreich am Meer – da ist es wärmer als an der Ostsee. Dort kann man nicht so schön einen Tag am Meer verbringen, weil es meistens zu kalt ist, um einen ganzen Tag im Badeanzug herumzulaufen.

Was muss zwingend beim Campen auf den Tisch kommen?

Spaghetti mit Tomatensoße! Manche schwören ja auf Ravioli aus der Dose, aber das habe ich noch nie gegessen.

Geht man sich auf dem engen Raum im Wohnwagen nicht oft auf die Nerven?

Nein, im Gegenteil, ich finde es schön, dass die Familie beim Campen so nah beinander ist. Da kann keiner dem anderen aus dem Weg gehen. Und tatsächlich habe ich mit meinem Bruder weniger Streit als daheim. Vielleicht weil wir akzeptieren, das wir eng aufeinander sitzen und nichts daran ändern können.

Nadia Köhler ist die Leiterin der Stuttgarter Kinderzeitung und der Stuttgarter Kindernachrichten. Das 24-seitige Magazin für Kinder erscheint jeden Freitag. Probeabo bestellen unter: www.stuttgarter-kinderzeitung.de

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