Wahre Gipfelstürmer auf dem Weg nach oben: aus dem Film „Everest“ Foto: Verleih

Aufgelesen im Kreis: Süßes und Saures. Diese Woche zeigt sich der demografische Wandel: Spielplätze werden zu Bauplätzen. Und die Jugend wendet sich von der Kommunalpolitik ab.

Holzgerlingen - Weil im Schönbuch setzt unheimlich innovative Maßstäbe: Die Kommune hat eine lukrative Lösung für den teuren Unterhalt von Spielplätzen entwickelt. Bei einer Anlage war die Ausstattung „sanierungsbedürftig und zwischenzeitlich wenig attraktiv“, teilte die Verwaltung dem Gemeinderat Ende April mit. „Gleichzeitig fehlen die finanziellen Mittel zur Sanierung so großer Flächen“, heißt es in der Vorlage. Aber das Problem wurde galant beseitigt – indem dieser Teil des Spielplatzes in einen Bauplatz verwandelt wird. Der Rest habe noch immer die Größe eines durchschnittlichen Spielplatzes, hat die Verwaltung berechnet, und soll wiederhergerichtet werden. Da die Idee so praktisch ist, soll sie auch gleich bei einem zweiten Spielplatz angewandt werden.

Angesichts des demografischen Wandels ist diese Entscheidung nur logisch: Immer weniger Kinder brauchen schließlich immer weniger Spielfläche. Eine noch logischere Schlussfolgerung wäre nun, auf dem Bauplatz ein Pflegeheim zu errichten. Dann würde auch der übrig gebliebene Teil des Spielplatzes bald nicht mehr tragbar sein – und Weil im Schönbuch hätte viel mehr Geld gespart. Bislang ist die Kommune auch nicht so zimperlich mit dem Nachwuchs umgegangen. Vor elf Jahren hat eine Befragung des Jugendreferats zwar ergeben, dass fast 63 Prozent der Jungbürger fanden, ihre Interessen würden kaum berücksichtigt. Die Mehrheit wünschte sich damals einen Jugendgemeinderat. Umgesetzt wurde der Vorschlag nie.

Der Nachwuchs für den Jugendgemeinderat geht aus

Im Kreis lassen bislang nur Böblingen, Sindelfingen, Renningen und Holzgerlingen jugendliche Mitbestimmung zu. Statt sich von solchen Sturm-und-Drang-Forderungen hinreißen zu lassen, ist die Verwaltung von Weil im Schönbuch eben auf ihre typische Weise pragmatisch geblieben. Zu Recht, wie ein Blick nach Holzgerlingen beweist. Vorbildlich ging die Kommune als erste im Kreis 1998 mit einem Jugendgemeinderat an den Start. Doch nun geht der Nachwuchs aus. „Trotz starker Bemühungen“ hätten sich für die für Mai vorgesehene Wahl für das Gremium nicht genug Kandidaten gemeldet. Dabei hat jeder einzelne Wahlberechtigte einen Werbungsbrief bekommen. Das Ergebnis: Nur vier junge Holzgerlinger wollen sich engagieren, damit ihre Interessen nicht so untergehen wie in Weil im Schönbuch. Hinzu kommen sechs amtierende Jugendgemeinderäte, die sich erneut wählen lassen würden. Aber Holzgerlingen erspart sich diese Prozedur und setzt die Wahl einfach aus. Stattdessen wird das amtierende Gremium pragmatisch ein weiteres Jahr im Amt belassen – und die vier bislang noch nicht gewählten Kandidaten dürfen ungewählt mitmachen.

Betriebsleiter Bergbahnen gesucht

Vermutlich jugendliche Holzgerlinger haben längst an anderer Stelle ihr Kreuz gemacht: Den Erdhügel an der B-464-Baustelle ziert immer wieder ein Gipfelkreuz – zuletzt sogar gesäumt von zwei Steinböcken. Für den auf den Namen „Monte Megastau“ getauften Berg wurde laut Lokalzeitung von ein paar Aktivisten eine Stelle ausgeschrieben: Gesucht ist ein Betriebsleiter Bergbahnen. Die sparsam erzogenen Bewohner von Weil im Schönbuch kämen eher nicht auf so eine Idee.

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