Der Braunkohleabbau Deutschlands gerät durch den Klimabericht stärker in den Fokus. Foto: ZB

Die Opposition im Bundestag und Umweltverbände dringen auf mehr Tempo beim Kohleausstieg in Deutschland.

Berlin - Mit dem neuen Bericht des Weltklimarats (IPCC) gerät auch die Bundesregierung in Berlin unter Druck, ihre Anstrengungen im Klimaschutz zu beschleunigen. Es sei möglich die Erwärmung der Erdatmosphäre weltweit auf 1,5 Grad zu beschränken, erklärten die Klimawissenschaftler aus aller Welt im koreanischen Incheon. Um das zu erreichen, müsse der Kohlendioxidausstoß weltweit bereits bis 2030 um 45 Prozent und damit deutlich schneller sinken, als bisher geplant. 2050 müsse der Ausstoß bei null liegen. Zudem müsse der Anteil erneuerbarer Energieträger bis zur Mitte des Jahrhunderts von derzeit etwa 20 Prozent auf mindestens 70 bis 85 Prozent gesteigert werden. 2017 wuchs der Verbrauch regenerativer Energien dreimal schneller als der Gesamtverbrauch, meldete die internationale Energieagentur. Bis 2023 erwarten die Experten, dass der Anteil regenerativer Energien am Gesamtverbrauch um zwei Prozentpunkte auf 12,4 Prozent wachsen wird.

Der „Warnschrei“ darf nicht verhallen

Mit Blick auf Deutschland bedeute 1,5 Grad genau wie für andere Regionen, dass „weniger Wetterextreme zu erwarten sind“, sagte IPCC-Mitautorin Daniela Jacob. Die Begrenzung des Meeresspiegelanstiegs um 10 Zentimeter bei 1,5 Grad höre sich wenig an. „Das bedeutet aber, dass nicht so viel Salzwasser eindringt und dann weniger Land versalzt ist.“ Das sei besonders für die Küstenregionen wichtig.

Das setzt auch die Bundesregierung in Berlin unter Druck. Die bisherigen Weichenstellungen in der Klimapolitik reichen nicht aus, um die Ziele zu erreichen. Umweltverbände, Grüne und Linke im Bundestag forderten jetzt, den Ausstieg aus der Kohleenergie zu beschleunigen. „In Deutschland muss deshalb schnellstmöglich mit dem Kohleausstieg begonnen werden“, erklärte der Vorsitzende des Naturschutzbunds (Nabu), Olaf Tschimpke übereinstimmend mit Hubert Weiger, dem Chef des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Der WWF sprach von einem „Warnschrei“ der Klimaforscher.

Der Ehrgeiz der Bundesregierung hält sich in Grenzen

„Die Bundesregierung muss schleunigst den Kohleausstieg per Gesetz einleiten, den Klimaschutz in die Verfassung aufnehmen, den Ausbau der Erneuerbaren Energien beschleunigen sowie Sofortmaßnahmen für eine Klimawende in Verkehr, Landwirtschaft und Gebäudesektor auf den Weg bringen“, forderte der Klimapolitiker der Linksfraktion im Bundestag, Lorenz Gösta Beutin. Der Fraktionschef der Grünen, Anton Hofreiter, kritisierte die schwarz-rote Koalition: „Sie hat ihr eigenes Klimaziel für 2020 genauso aufgegeben wie ihr Ziel für Elektro-Autos, sie bremst den Ausbau von Windkraft- und Solarenergie aus und lobbyiert in Brüssel gegen Grenzwerte für Autos“, erklärte er. „Wir dürfen im Klimaschutz keine Zeit mehr verlieren“, teilte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) gemeinsam mit Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) mit.

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