Drangvolle Enge herrscht in den Klinikfluren. Der Chefarzt Michael Jugenheimer (Mitte) erläutert dem Landrat und Kreistagsmitgliedern die Umbaupläne. Foto: factum/Granville

Das Krankenhaus wird fünf Jahre lang für 40 Millionen Euro modernisiert. Besonders der ambulante Bereich wird ausgebaut, weil dort mehr Patienten erwartet werden. Künftig soll es nur noch Ein- und Zweibettzimmer mit sanitären Anlagen geben.

Herrenberg - Rainer Bauser, der Pflegedienstleiter im Herrenberger Krankenhaus, könnte eigentlich optimistisch in die Zukunft schauen. Stattdessen blickt er recht sorgenvoll drein. Natürlich sei das ein überaus positives Signal, wenn bis zum Jahr 2024 der Operationsbereich, die Intensivstation, der Kreißsaal und die Patientenzimmer mitsamt allen anderen Räumen und den Fluren für 40 Millionen Euro auf Vordermann gebracht würden. Aber: Die Anforderungen werden wachsen, denn vor allem die ambulante Versorgung soll weiter ausgebaut werden. Doch schon heute reicht das Pflegepersonal kaum aus, wie der 64-jährige Pflegedienstleiter feststellt. Der Stress für seine Mitarbeiter und nicht zuletzt für die Patienten werde schon allein deshalb noch zunehmen, weil der Umbau bei laufendem Klinikbetrieb stattfindet.

Medizinschränke quillen aus Platzmangel über

Immerhin können nun diejenigen aufatmen, die bisher befürchten mussten, dass das Herrenberger Krankenhaus angesichts des geplanten Großkrankenhauses auf dem Flugfeld, das der Klinikverbund Südwest für 550 Millionen Euro errichten möchte, bei der Patientenversorgung an Bedeutung verlieren werde – und kein Geld da sein werde für die notwendigen Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen. Diese sind, so die einhellige Meinung der Verantwortlichen, inzwischen längst überfällig in dem 1982 in Betrieb gegangenen Gebäude. Denn fast überall herrscht drangvolle Enge. Auch die Arztzimmer und die Räume des Pflegepersonals sind viel zu klein. Medizinschränke quillen aus Platzmangel über. So mancher Kreisrat, der jüngst an einer Besichtigungstour teilnahm, zeigte sich erstaunt darüber, dass trotz dieser Verhältnisse immer noch eine ordentliche Versorgung der Patienten bewerkstelligt werden kann.

Zurzeit können 161 Kranke stationär aufgenommen werden, die meisten sind in Dreibettzimmern untergebracht. „Das entspricht weder dem geltenden Standard noch den Ansprüchen der Patienten“, sagt Alexandra Freimuth, die Regionaldirektorin des Klinikverbunds Südwest für die Bereiche Herrenberg, Calw und Nagold. Die Toiletten sind bisweilen auf dem Flur, wie auch manche Duschen, die sich bis zu 16 Patienten teilen müssen. Der Umbau der Pflegegruppen wird wohl am längsten dauern und sich bis ins Jahr 2025 hinziehen. Es soll dann nur noch Ein- und Zweibettzimmer geben mit einem barrierefreien Bad samt Dusche und Fußbodenheizung.

Bis auf 300 Quadratmeter wird alles umgemodelt

Platz soll vor allem dadurch geschaffen werden, indem die Bettenanzahl bis zum Jahr 2024 auf 105 verringert wird. Insgesamt gibt es weniger Patientenzimmer, wodurch andere Räume, Flure und vor allem der ambulante Bereich vergrößert werden können. Der Chefarzt Michael Jugenheimer geht davon aus, dass die Zahl der ambulanten Patienten von derzeit rund 27 000 jährlich weiter steigen wird. „Immer mehr Eingriffe werden künftig nur noch ambulant behandelt“, erklärt Jugenheimer, „zum Beispiel Leistenbrüche. Auch bei Darmspiegelungen kann man anschließend wieder nach Hause.“

Von der bisherigen Klinikfläche von 9700 Quadratmeter wird bis auf 300 Quadratmeter alles umgemodelt. Der Kreißsaal stößt aufgrund anhaltend hoher Geburtenzahlen räumlich an seine Grenzen. Im vorigen Jahr kamen 1375 Kinder zur Welt, vor zehn Jahren waren es noch 748 Kinder. Vorgesehen ist ein Umzug neben den OP-Bereich, um bei Not-Kaiserschnitten kürzere Wege zu schaffen. Sowohl die Neugeborenenstation als auch der Operationsbereich und die Intensivstation werden großzügiger gestaltet. Das gilt ebenso für die Notfallambulanz, die nach wie vor rund um die Uhr geöffnet ist.

Pflegedienstleiter: Man sollte auch in Köpfe investieren

Zudem wird es weiterhin Abteilungen der Gastroenterologie, der Kardiologie und der Inneren Medizin geben. Und als einziges Krankenhaus im Klinikverbund Südwest, dem das Klinikum Sindelfingen-Böblingen sowie die Krankenhäuser Leonberg, Calw und Nagold angehören, verfügen die Herrenberger über eine Palliativ-Station. Die Modernisierungskosten trägt der Landkreis Böblingen. Wie viel das Land an Fördergeld beisteuert, ist noch offen.

„Man sollte bei uns auch in Köpfe investieren“, meint der Pflegedienstchef Rainer Bauser. 260 Mitarbeiter teilen sich derzeit hundert Stellen. Angesichts der wachsenden Patientenzahl vor allem in der Ambulanz hat Bauser Personalbedarf. „Wir benötigen künftig mindestens zehn Pflegekräfte mehr“, sagt er.

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