Kinder, die heute auf die Welt kommen, werden sieben Mal so viele Hitzewellen erleben, als Menschen, die 1960 geboren wurden.
Stuttgart - In anderen Teilen der Welt wirkt sich der Klimawandel jetzt schon stärker auf das Leben der Menschen aus als in Deutschland. Die aktuelle Dürre in Südamerika ist dafür nur eines von vielen Beispielen. Doch auch hierzulande werden die Folgen der Erderwärmung immer deutlicher spürbar. Die Zahl der Hitzetage und Tropennächte mit Temperaturen von mindestens 20 Grad steigt, längere Trockenperioden auf der einen Seite und Extremniederschläge auf der anderen werden häufiger. Damit erhöht sich auch das Risiko massiver Überschwemmungen wie zuletzt im Ahrtal.
Laut den Prognosen der Klimaforscher sind die bisherigen Wetterextreme aber nur ein Vorgeschmack auf die künftige Entwicklung – insbesondere wenn es nicht gelingt, den globalen Temperaturanstieg stärker zu bremsen. Betroffen sind vor allem die jüngeren Generationen, wie eine kürzlich im Fachblatt „Science“ veröffentlichte Studie zeigt. Demnach wird ein Kind, das heute zur Welt kommt, rund doppelt so viele Waldbrände, dreimal so viele Überschwemmungen und Ernteausfälle sowie siebenmal so viele Hitzewellen erleben wie ein 1960 geborener Mensch. Bei diesem Szenario gingen die Forscher davon aus, dass die Regierungen ihre Klimaschutzanstrengungen auf dem derzeitigen Niveau belassen. Unter dieser Voraussetzung wird es Prognosen zufolge nicht gelingen, die Erderwärmung auf die im Pariser Abkommen vereinbarten 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Menschen, die heute jünger als 40 Jahre sind, würden angesichts künftiger Wetterextreme „ein bisher nie da gewesenes Leben“ führen, warnt Wim Thiery von der Freien Universität Brüssel, Hauptautor der Studie, an der auch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung beteiligt war.
Am stärksten sind Afrika und der Nahe Osten betroffen
Wie sich mehr oder weniger Klimaschutz auswirkt, zeigen die Forscher etwa anhand der Häufigkeit von Hitzewellen. Bei einem Temperaturanstieg um 1,5 Grad wird ein 2020 geborenes Kind demnach im Laufe seines Lebens zehn bis 26 extreme Hitzewellen erleben. Steigt die Durchschnittstemperatur um zwei Grad, wäre dasselbe Kind mit 15 bis 29 Hitzewellen konfrontiert. Und bei einer unveränderten Klimapolitik rechnen die Forscher mit 21 bis 39 Hitzewellen im Laufe eines Menschenlebens. Zum Vergleich: Ein 1960 Geborener erlebt etwa zwei bis sechs derartige Hitzewellen. Am stärksten wirkt sich die Zunahme von Wetterextremen nach Einschätzung der Forscher in jetzt schon stark von Trockenheit und Hitze geprägten Regionen wie dem Nahen Osten oder Nordafrika aus.
Angesichts ihrer Ergebnisse plädieren die Forscher für deutlich größere Klimaschutzanstrengungen. „Die gute Nachricht ist: Wir können tatsächlich einen Großteil der Klimabelastung von den Schultern unserer Kinder nehmen, wenn wir die Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzen, indem wir aus der Nutzung fossiler Brennstoffe aussteigen“, sagt Co-Autorin Katja Frieler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Im Vergleich zu einem Weiter-so beim Klimaschutz bedeute das für die junge Generation im globalen Durchschnitt rund ein Viertel weniger Extremwetterereignisse.