Bei seiner Wahl am 1. Dezember ahnte Pascal Bader noch nicht, was auf ihn zukommen würde. Foto: Horst Rudel

Schnell hat Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader auf die Corona-Bedrohung reagiert. Er setzt auf ein Wir-Gefühl in der Bürgerschaft und geht dafür neue Wege.

Kirchheim - So hatte sich Pascal Bader seinen Start gewiss nicht vorgestellt: Am 2. März hat Bader zum ersten Mal als neuer Oberbürgermeister auf dem Chefposten im Kirchheimer Rathaus Platz genommen. Nur einen Tag später musste er zum ersten Mal den Krisenstab des Rathauses einberufen. „Seither treffen wir uns fast täglich – oft auch am Wochenende“, erzählt Bader. 90 Prozent seiner Arbeitskraft, so schätzt er, müsse er aktuell für die Bewältigung der Krise aufwenden. Zehn Prozent blieben immerhin noch, um die Strukturen des für ihn neuen Amtes kennenzulernen.

Der Einsatz lohnt sich aber in jedem Fall: Wie Pascal Bader zusammen mit einem großen Team die Corona-Krise in Kirchheim in den Griff zu bekommen versucht, nötigt vielen Bürgern Respekt ab. Zum einen sind es die konkreten Maßnahmen, die die Stadt oft früher als andere Kommunen ergriffen hat, die zeigen, dass in Kirchheim die Gefahren der Pandemie frühzeitig erkannt worden sind. So gab es noch vor den von der Landesregierung angeordneten anfänglichen Schutzmaßnahmen eine Allgemeinverfügung, mit der nicht nur besonders kritische Bereiche in der Stadt bereits frühzeitig stillgelegt wurden. Auch der bereits vor mehr als zwei Wochen verkündete Verzicht auf die politische Gremienarbeit sollte ein Signal in die Bürgerschaft aussenden, dass die Lage wirklich ernst ist.

Es gibt eine städtische Versorgungs-Hotline

Schnell hat die Stadt auch auf das gewachsene Informationsbedürfnis reagiert. Als Antwort auf die Allgemeinverfügung hat Bader eine städtische Hotline eingeführt und zehn Mitarbeiter geschult, damit diese die wichtigsten Fragen angemessen beantworten können. „Am Anfang war der Ansturm gewaltig“, erzählt Bader. Es habe da durchaus Engpässe gegeben. Mittlerweile habe sich die Situation aber etwas beruhigt.

In der vergangenen Woche ist zur Fragen-Hotline eine Versorgungshotline dazugekommen. Hier erhalten durch den Coronavirus besonders gefährdete Menschen, die in dieser Zeit auf externe Hilfe angewiesen sind, nicht nur einen Überblick über bestehende Angebote in Kirchheim. Auch organisieren die städtischen Rathausmitarbeiter Einkaufshilfen oder Botengänge durch bürgerschaftlich Engagierte. Melden können sich dort natürlich auch Menschen, die helfen wollen und können: „Für das Miteinander vor Ort brauchen wir unsere starke Zivilgesellschaft“, ist Pascal Bader überzeugt.

Videobotschaften an die Bürger

Und noch einen weiteren außergewöhnlichen Weg geht Bader und wendet sich regelmäßig mit Video-Botschaften an die Kirchheimer: „Für mich ist ein solches Format, in dem ich mich persönlich an die Menschen wende, wichtig, um den Bürgern zu signalisieren, dass sie nicht allein sind“, sagt Bader. Eine solche persönliche Ansprache sei eben doch etwas ganz anderes als eine Pressemitteilung der Stadt.

Aktuell rücke immer mehr die Frage in den Mittelpunkt, wie die Kirchheimer und die Stadt die wirtschaftlichen Folgen der Krise bewältigen können. „Da geht es natürlich zunächst um die betroffenen Firmen selber“, sagt Bader, „aber auch darum, was wir als Stadt uns in Zukunft noch werden leisten können, wenn die Gewerbesteuern nicht mehr wie gewohnt fließen werden.“

Wenn alles vorbei ist, will sich OB Bader auch um die Themen kümmern, die er eigentlich zu Beginn seiner Amtszeit angehen wollte: Die Sauberkeit in der Stadt müsse verbessert werden, die Sanierung verschiedener Schulen liege ihm am Herzen und auch das innerstädtische Radwegenetz will der neue Oberbürgermeister so schnell wie möglich verbessern.

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